Raumordnung zum Brenner-Nordzulauf: Realitätssinn und Kampfgeist gefragt

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Noch bis 24. Juli läuft das Raumordnungsverfahren zum Brenner-Nordzulauf. Norbert Kotter, Chef vom Dienst der OVB-Heimatzeitungen, macht sich in einem Kommentar unter anderem Gedanken zur Positionierung des Landkreises Rosenheim in dem Verfahren.

Kommentar – Mögen die Bürgerinitiativen, die sich gegen eine Neubautrasse als Nordzulauf zum Brennerbasistunnel sperren, auch vehement klagen: Das Verfahren für deren Planung geht trotzdem weiter. In einem ersten Schritt steht die Raumverträglichkeit eines möglichen dritten und vierten Gleises im Fokus. Landrat Otto Lederer liegt richtig, wenn er zusammen mit dem Kreistag als Stellungnahme des Landkreises ein starkes Signal in Richtung der Bahnplaner senden will. Ihnen kann nicht oft und deutlich genug vor Augen geführt werden, dass sich ihre Arbeit nicht in der Suche von Trassenvorschlägen erschöpfen darf, deren Realisierbarkeit aus technischer Sicht mit vertretbarem (finanziellen) Aufwand machbar ist.

Mehr Verwirrung als Klärung

Da können deutlich formulierte Forderungen und klare Worte gleich zu Beginn nicht schaden. Bei einem Jahrhundert-Projekt wie diesem reichen ein hohes Maß an Kampfgeist für die Durchsetzung berechtigter Interessen zum Erhalt der Lebensqualität in unserer Heimat und markige Worte alleine nicht aus. Es bedarf bei den politisch Handelnden und der betroffenen Bevölkerung einer mindestens genauso großen Portion an Realitätssinn. Wer zur Entlastung der Umwelt nicht nur deutlich mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene verlagern will, kommt an einer Grundvoraussetzung nicht vorbei. Hierfür muss die Bahn über die passende Infrastruktur verfügen.

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Da scheint eher fraglich, dass die Bestandsstrecke durch das Inntal in puncto Alpentransit diesen Wandel und seine Folgen bis weit ins nächste Jahrhundert hinein alleine schultern kann – auch wenn der eine oder andere Experte das anders sieht.

Neben Diskussionsbeiträgen nach dem Sankt Florians-Prinzip macht ein Problem dem Planungsdialog derzeit besonders zu schaffen: sich widersprechende Prognosen. Sie stiften mehr Verwirrung und Unfrieden, als sie zur Klärung offener Fragen beitragen. Norbert Kotter

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