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ELTERNINITIATIVE FEIERT 20-JÄHRIGES BESTEHEN

Rappelkiste in trockenen Tüchern

Einige Rappelkiste-Kinder mit ihren Erzieherinnen Heike Gordack, Claudia Rudolf, Gabi Schwarz (Leitung) und Michaela Krause sowie Kristin Memminger, Erster Vorstand der Elternintiative (von links).  re
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Einige Rappelkiste-Kinder mit ihren Erzieherinnen Heike Gordack, Claudia Rudolf, Gabi Schwarz (Leitung) und Michaela Krause sowie Kristin Memminger, Erster Vorstand der Elternintiative (von links). re

„Oh ich bin so aufgeregt!“ flüstert der vierjährige Vitus früh am Morgen seiner Mutter ins Ohr. Obwohl er erst seit zwei Jahren ein Rappelkistenkind ist, ist ihm sehr wohl bewusst, dass das diesjährige Fest seines Kindergartens ein besonderes ist. Denn wann feiert man schon mal mit 52 Erwachsenen und 29 Kindergartenfreunden samt deren Geschwistern 20 Stunden am Stück?

Rosenheim-Fürstätt – Anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Elterninitiative Rappelkiste e.V. wurde gefeiert. Nicht wie sonst üblich in den eigenen Räumen in der Meraner Straße 50, im Souterrain des Kinderheims „Schöne Aussicht“. Vorstand, Erzieherinnen und Elternschaft hatten stattdessen beschlossen, mit allen aktiven Familien gemeinsam im Jugendkulturhof in Großholzhausen, ein sommerliches Geburtstagsfest mit Übernachtung auszurichten.

Gründe zu feiern gab es genug. Die Rappelkiste ist mittlerweile ein fester Bestandteil in der Kinderbetreuungslandschaft Rosenheims und wird von naturbegeisterten und mitspracheinteressierten Eltern gerne als Betreuungsplatz für ihre Kleinsten ausgesucht.

Nach 20 Jahren wissen Erzieherinnen und Vorstand, wie es geht, Eltern zur Mitarbeit zu gewinnen und ihnen die Vorteile einer Elterninitiative bewusst zu machen: Selbstgekochtes biologisches Essen, ein eigenes Waldhaus im Keferwald, die einwöchige Bergfreizeit und die ganzjährige Öffnung ohne Schließtage. Überzeugte Eltern bringen interessierten Eltern in einem persönlichen Gespräch den Nutzen einer Elterninitiative für die Kinder näher und können ihre Erfahrungen vermitteln.

Nicht selten melden sich andere Elterninitiativen aus der näheren Umgebung, um sich bei Schwierigkeiten von den Mitarbeiterinnen der Rappelkiste beraten zu lassen oder um sich Tipps für die Gründung einer Elterninitiative zu holen.

Angefangen hat alles im Sommer 1997. Drei Mütter aus Rosenheim suchten händeringend nach einer Betreuungsmöglichkeit für ihren zweijährigen Nachwuchs, da sie schneller als geplant wieder ins Berufsleben einsteigen wollten. Rosenheim konnte damals keine Kinderbetreuungsplätze für unter Dreijährige zur Verfügung stellen. Nach einiger Recherchearbeit stießen die Mütter auf das Projekt „Netz für Kinder“ der Bayerischen Staatsregierung und konnten die Erzieherin Gabi Schwarz für das Projekt gewinnen. Das Konzept beinhaltete, dass eine Erzieherin eine Gruppe von 15 Kindern betreut und Eltern – anstelle einer Kinderpflegerin – in die pädagogische Arbeit in Form von Elterndiensten miteinbezogen werden. Schnell erkannten mehrere Eltern den Vorteil, ihr Kind bereits ab zwei Jahren betreuen lassen zu können, sodass bereits im November 1997 eine zweite Gruppe mit nochmals 15 Kindern eröffnete.

Die anfänglich etwas befremdliche Vorstellung für die Eltern, an einem Vormittag oder Nachmittag mit seinem Kind im Kindergarten zu sein, sehen die Mütter oder Väter mittlerweile als eine willkommene Abwechslung. „Ich genieß meinen Elterndienst sehr!“, meint Marlenas Mama Kristin Memminger, aktuell Vorsitzende des Vereins Rappelkiste: „Wenn ich sehe, wie Marlena selbstsicher in der Rappelkiste auf andere Kinder oder Erwachsene zugeht, Streitereien regelt oder beim Mittagessen selbstverständlich ihren Teller abräumt, geht mir echt das Herz auf!“. Auch den Kontakt zu anderen Müttern und Vätern und den intensiven Austausch mit den Erzieherinnen schätzen viele Eltern sehr.

200 Kinder in 20 Jahren

Mehr als 200 Kinder wurden in den letzten 20 Jahren in der Rappelkiste betreut. Über 120 Familien haben sich in dieser Zeit mit ihrem Engagement in die Rappelkiste eingebracht. Die drei Erzieherinnen der Rappelkiste sind seit Anfang an dabei.

Einmal Rappelkiste, immer Rappelkiste? „Klar gab es in den letzten 20 Jahren Höhen und Tiefen, aber das ist wie in einer richtigen Familie!“, meint Gabi Schwarz, Gründungsmitglied und von Anfang an pädagogische Leitung der Elterninitiative. „Dass es die Rappelkiste nun so lange gibt, ist all diesen Eltern zu verdanken, die sich auf das Konzept mit all seinen Vor- und Nachteilen eingelassen haben“, so Schwarz weiter.

Als Erinnerung verschickt die Rappelkiste symbolisch an ehemalige Familien trockene (Geschirr-)Tücher mit den aufgedruckten Namen aller aktuellen und ehemaligen Kinder. Ein kleines Dankeschön für ein nicht selbstverständliches aber wertvolles Engagement. re

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