Am Rande des Weltalls: Schüler des Rosenheimer Karos schicken Wetterballon in Stratosphäre

Beim Start: 20 Schüler des Rosenheimer Karolinen-Gymnasium haben einen selbst gebauten Wetterballon steigen lassen. re

Einen Wetterballon haben 20 Schüler des Rosenheimer Karolinen-Gymnasiums steigen lassen, den sie selbst gebaut haben. Versehen mit diversen Messinstrumenten kann ein solcher Ballon Wetterdaten aufzeichnen.

Rosenheim –  Die Jugendlichen der Klassen 9a, 9b und 10a hatten sich wochenlang auf dieses Projekt vorbereitet, meldet die Schule. Die Organisation übernahm Physiklehrer Bastian Weise. Um den Wetterballon steigen zu lassen, sind passende Wetterbedingungen notwendig.

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Mehrfach mussten die Schüler den Flug daher verschieben, der eigentlich für die Klimawoche im Februar geplant gewesen war. Hintergrund war zudem, dass der Ballon nicht zu weit fliegen, sondern im Idealfall, in weniger als 50 Kilometer Entfernung zur Schule wieder landen sollte.

Wetterballon mit 6000 Liter Helium gefüllt

Am Tag des Starts wurde der Ballon mit 6000 Liter Helium gefüllt und die Geräte in der Sonde – zwei Kameras, zwei Ortungsgeräte und ein Datenlogger – eingeschaltet. Die Sonde selbst befestigten die Schüler mit einer 15 Meter langen Spezialschnur am Wetterballon, zusammen mit einem Fallschirm. Dann stieg der Ballon auf. Und die Schüler überwachten seine Flugroute, um später die Sonde bergen zu können.

Signal geht verloren

Dies sorgte gleich zu Beginn für große Aufregung, da der Ballon nach dem Start immer weiter in Richtung Österreich flog und nicht die vorausberechnete Drehung zurück nach Rosenheim vollziehen wollte.

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Unmittelbar vor Tittmoning drehte er dann aber doch Richtung Heimat ab. Kurz darauf brach allerdings das Signal zur Sonde ab, da die Ortungsgeräte nur bis zu einer bestimmten Höhe Daten übermitteln können. Ab nun war die Sonde ganz auf sich allein gestellt.

Hilfe von Mitarbeitern der Bergwacht

Nach ungefähr einer Stunde erhielten die Schüler das erste Signal nördlich von Rosenheim, in der Nähe von Schechen. Ab diesem Zeitpunkt konnte die Ballonjagd beginnen. Die Sonde wurde schließlich nahe Obing gefunden. Allerdings hatte sie sich samt Fallschirm in einem Baum verfangen und hing in einer Höhe von 15 Metern fest. Zwei Mitglieder der Bergwacht Schleching halfen aus dieser misslichen Lage und bargen die Sonde, teilt die Schule mit.

39 048 Meter Maximalflughöhe

Nun war es an den Schülern, die Daten auszuwerten, die die Kameras und der Datenlogger aufgezeichnet hatte, darunter Daten zur Höhe, zu Geschwindigkeit, Druck und Temperatur. Mit Begeisterung stellten die Jugendlichen fest: Die Maximalflughöhe betrug 39 048 Meter. Die Minimaltemperatur erreichte -34 °C und der Minimaldruck 4 hPa.

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Durchschnittlich beträgt der Luftdruck auf der Erdoberfläche rund 1000 hPa. Die Maximalgeschwindigkeit im freien Fall kurz nach dem Platzen des Ballons berechneten die Schüler mit 270 km/h.

Auswertung über Online-Unterricht

Die Daten werden nun im Rahmen des Physikunterrichts im Themenfeld „Bewegungslehre“ näher betrachtet. Der Unterricht findet, so sagt Physiklehrer Weise, in den nächsten Wochen über eine Online-Plattform für Schulen statt. Denn auch das Karolinen-Gymnasium ist wegen Corona bis zu den Osterferien geschlossen.

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