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Er will trotzdem irgendwann zurückkehren

Rameen Khalili ist von Afghanistan nach Rosenheim geflüchtet, jetzt bangt er um seine Familie

Rameen Khalili fühlt sich wohl in Deutschland.
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Rameen Khalili fühlt sich wohl in Deutschland.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Die Lage in Afghanistan spitzt sich weiter zu. Nachdem die Taliban auch Kabul eingenommen haben, leben die Menschen vor Ort in Angst und Schrecken. Ein Gespräch mit Rameen Khalili (15) über die Situation in seinem Heimatland, Kunst und warum er irgendwann nach Afghanistan zurückkehren will.

Rosenheim – In den vergangenen Tagen hat Rameen Khalili viel geweint. Meistens heimlich, auf seinen Spaziergängen. Während er durch die Natur läuft, denkt er an seine Heimat, an die Bilder, die in den Nachrichten hoch und runter laufen und an seine Familie. Die Oma, die nach wie vor noch in Kundus lebt oder seine Großtante, mit der er immer wieder telefoniert. „Es geht ihnen nicht gut, viele schlimme Sachen passieren“, sagt Rameen Khalili.

In Afghanistan spitzt sich die Lage zu. Auf diesem Bild hissen Taliban-Kämpfer ihre Flagge vor dem Haus des Gouverneurs der Provinz Gasni.

Von Menschen, die sich ans Flugzeug klammern

Er kennt die Bilder von den Menschen in Kabul, die sich an das Flugzeug geklammert haben, um irgendwie den Taliban zu entkommen. Hat von den Frauen gehört, die zwangsverheiratet werden und den afghanischen Soldaten, die ohne Widerstand ihre Waffen übergeben.

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Manchmal wacht er mitten in der Nacht auf, weil diese Bilder ihn auch im Schlaf einholen. „In den Medien heißt es immer wieder, dass es keine Gewalt gibt. Aber das stimmt nicht. Menschen sterben“, sagt er. Viele seiner Familienmitglieder in Afghanistan hätten Angst, wüssten nicht, ob sie morgen noch leben würden.

Sein Leben hätte auch anders aussehen können

Rameen Khalili weiß, dass er Glück gehabt hat. Dass sein Leben auch ganz anders hätte aussehen können. „Würde ich noch in Afghanistan leben, würde ich jetzt wahrscheinlich Drogen verkaufen oder hätte vielleicht schon jemanden umgebracht.“ Er sagt das ganz nüchtern, so als wäre es keine große Sache. Und für ihn scheint es das auch nicht zu sein. Denn der 15-Jährige hat Dinge erlebt, die andere in seinem Alter nur aus dem Fernsehen kennen.

Vor acht Jahren nach Europa geflüchtet

Vor acht Jahren ist er gemeinsam mit seiner Mutter und seinen fünf Geschwistern nach Europa geflüchtet, um dort ein besseres Leben zu beginnen.

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Drei Jahre hat er im Iran gelebt. „Das Leben als Afghane im Iran war nicht leicht“, sagt er. Er habe keine Freunde gehabt, sei gemobbt worden und habe in einem Restaurant gearbeitet, in dem er am Tag 50 Cent verdiente. Irgendwann entschied sich seine Familie, weiterzuziehen.

Vom Iran nach Deutschland

Über die Türkei ging es nach Griechenland und von dort weiter nach Deutschland. An viel kann sich der heute 15-Jährige nicht mehr erinnern. Nur dass er sich von der ersten Minute an in Deutschland wohlgefühlt hat. „Das war ein gutes Gefühl“, sagt er. Mittlerweile lebt er seit vier Jahren in Rosenheim. Er besucht die Montessori-Schule, malt, ist Mitglied im Tennisverein und hat etliche Freunde. Dem Zufall hat er während dieser Zeit nur sehr wenig überlassen. „Für Träume hatte ich noch nie Zeit. Für mich geht es um Ziele“, sagt er.

Die Kunst bedeutet dem 15-Jährigen alles.

„Malen macht mir Spaß“

So hat er sich vor einigen Jahren vorgenommen, seine Kunst auszustellen. Seit einigen Tagen hängen seine Bilder im Büro der Vielfaltsgestalter in der Königsstraße. „Malen macht mir viel Spaß. Meistens entstehen meine Werke in der Nacht, wenn alle schlafen, und ich alleine bin“, sagt er.

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Dann malt er mit Acryl oder Öl, benutzt Wachsmalkreide und ein Bügeleisen. Mit seinen Bildern will er zeigen, wer er ist und was er der Welt zu sagen hat. In letzter Zeit seien viele seiner Werke sehr politisch gewesen. Einige sind bunt, andere schwarz-weiß. Ein Bild trägt den Namen „Heimatlos“. „In meiner Kunst steckt auch viel von mir drin. Ich habe mich lange Zeit gefühlt, als ob ich kein zu Hause habe“, sagt der 15-Jährige.

Zurück in die Heimat

Seit er in Deutschland ist, geht es ihm zwar besser, trotzdem vermisst er den Rest seiner Familie. Er will mit seiner Oma spazieren gehen und seinem Vater von seinen Erlebnissen erzählen. „Irgendwann kehre ich nach Afghanistan zurück“, sagt er. Doch im Moment ist er froh an einem Ort zu sein, an dem er sich sicher fühlt und keine Angst haben muss. Anders als ein Großteil seiner Familie.

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