Aus dem Kobold-Museum in Ohlstadt

Pumuckl: Die ungewöhnliche Leidenschaft des Rosenheimer Schreinermeisters Armin Krattenmacher

Manche Ideen trägt man jahrelang mit sich im Kopf herum, bevor sie eines Tages ausbrechen. So ging es auch Armin Krattenmacher. Vor 15 Jahren eröffnete der Ohlstädter ein Pumuckl-Museum. Über 2000 Gegenstände zu dem Klabautermann hat er zusammengetragen. Ein Blick ins 90 Quadratmeter große Koboldparadies.

VON FRANZISKA KONRAD

Eine Mischung aus Schreinerwerkstatt und alten Kindheitserinnerungen. So könnte man das Pumuckl-Museum von Armin Krattenmacher in Ohlstadt im Landkreis Garmisch-Partenkirchen am ehesten beschreiben. Hinten vor dem Fenster des 90-Quadratmeter-Raumes steht eine Werkbank mit alten Hobeln und Klüpfeln. In der Mitte ein rustikaler Holztisch mit farbigen Kobold-Zeichnungen von jungen Museumsbesuchern. In deckenhohen Regalen und Vitrinen ringsherum gibt es Pumuckl-Gegenstände, so weit das Auge reicht. 

Armin Krattenmacher und sein Pumuckl

Pumuckl-Fan Krattenmacher ist ein echter Schreiner

Schreinermeister Armin Krattenmacher lehnt an der Werkbank. Er trägt eine grüne Wollweste, darunter einen beigen Schreinerschurz. In der linken Hand hält er einen Hobel, den er liebevoll von allen Seiten betrachtet. „Der hat schon meinem Vater gehört. Uralt ist der.“ Wahre Pumuckl-Fans müssen zweimal hinschauen – der 57-Jährige hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem von Gustl Bayrhammer verkörperten Meister Franz Eder aus dem Fernsehen. 

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Eine unglaubliche Fülle an Pumuckl-Exponaten

Auch der freche Kobold mit den roten Haaren erwacht in dem kleinen Museum zum Leben: ob mit kleinen Plastikfigürchen, quietschgelben Sandalen oder einem Werbeplakat für Pumuckl-Eiscreme. Beim Eder – pardon, Krattenmacher – ist stundenlanger Klabauterspaß garantiert. In einer Ecke hängt eine Foto-Historie mit allen Schauspielern der Fernsehserie an der Wand. Auch ein Foto von Bayrhammer ist darunter, handsigniert am 12.12.1987. Zufrieden schaut sich Krattenmacher um. Dass er einmal so viele Exponate zusammenbekommt, hätte er sich niemals träumen lassen.

Die Liebe zum Pumuckl begann 2005 in München

Alles begann im Mai 2005 in München. Nachdem Krattenmacher ein Kunde spontan abgesagt hatte, saß er im Auto – und kam ins Grübeln. Die Idee von einem Museum spukte ihm schon lange im Kopf herum. Sein Blick fiel auf das Beifahrerkisterl neben sich, in dem der Schreinermeister immer Sachen dabeihat, um sich die Zeit zu vertreiben. Darin lag auch ein Zettel mit der Telefonnummer von Ellis Kaut. Warum, das weiß Krattenmacher nicht mehr. Aber der Zettel verursachte einen Geistesblitz: Warum nicht ein Pumuckl-Museum eröffnen?

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Ellis Kaut gab ihren Segen

Der Ohlstädter nahm seinen ganzen Mut zusammen – und rief Kaut einfach an. Wenig später saß er bei ihr auf dem Kanapee und zeichnete auf, wie er sich das Museum vorstellte. Kauts Reaktion: „Meinen Segen hast Du.“ Bereits im Oktober feierte Krattenmacher Eröffnung. Seine Sammlung war damals noch recht übersichtlich: Bücher, Langspielplatten und ein paar Koboldfiguren.

„Für Armin, mit allen guten Wünschen!“

Zurück in der Gegenwart. Der Blick des Schreiners schweift zufrieden durch den Raum. Über 2000 Gegenstände beherbergt das Pumuckl-Museum inzwischen. Seine Augen bleiben an einer Autogrammkarte von Ellis Kaut haften. „Für Armin, mit allen guten Wünschen! Ellis Kaut“, steht darauf. „Das ist quasi meine persönliche Genehmigung von ihr, die hat sie mir zur Eröffnung geschenkt“, erzählt Krattenmacher stolz. Längst hat sich sein einzigartiges Museum herumgesprochen. Vom jungen Pumuckl-Fan bis zum rüstigen Senior aus der Schweiz ist bei den Besuchern alles dabei. Mittlerweile bringen ihm die Leute sogar persönlich ihre Pumuckl-Gegenstände vorbei. Seine Sammlung wächst stetig. Der Schreinermeister selbst stöbert dafür gerne auf Flohmärkten.

Wegen einer Klage musste Museum ein Jahr lang schließen

Doch so rund lief es nicht immer. Fast ein Jahr lang musste der Ohlstädter im Jahr 2010 sein Museum schließen. Der Grund: eine Unterlassungserklärung von Pumuckl-Zeichnerin Barbara von Johnson. Sie untersagte dem Schreiner plötzlich, den Klabautermann öffentlich zu zeigen. Der Kobold-Fan schüttelt den Kopf. „Das war traurig. Aber zum Glück konnten wir alles klären.“ Krattenmacher durfte wieder öffnen.

Krattenmacher stammt aus Rosenheim

Der gebürtige Rosenheimer wuchs in der Schreinerwerkstatt seines Vaters auf. Schon als kleiner Bub lauschte er gebannt den Pumuckl-Geschichten auf dem Plattenspieler. „Der freche Kobold hat mir einfach schon immer gefallen“, schwärmt er. Zielstrebig läuft er zu einem Regal, zieht ein Pumuckl-Buch von 1975 heraus und schlägt es behutsam auf: In einer Zeichnung turnt der Pumuckl durch Eders Werkstatt. In Schwarz-Weiß. Ein Lächeln huscht über Krattenmachers Gesicht. „So sah Pumuckl damals aus. Die Farbe kam erst mit der Fernsehserie.“

Die Schiffschaukel bekommt der Pumuckl in der Serie zu Weihnachten. Diese hat Krattenmacher selbst gebaut.

„Ellis Kaut - eine Wahnsinnsfrau!“

Der Kontakt zu Ellis Kaut brach über die Jahre nie ab. Einmal verbrachte er sogar seinen Geburtstag mit der berühmten Autorin. „Wir sind zum Hinterbrühler See gefahren. Mei – war das schön. Wir haben so viel geratscht und gelacht“, schwelgt er glücklich in Erinnerungen. „Ich habe in meinem Leben schon viele Menschen getroffen. Aber Ellis Kaut ist eine der prägendsten und herzlichsten Personen, die mir je begegnet ist. Einfach eine Wahnsinnsfrau.“ 

Eintritt ins Museum kostet nichts

Mit dem Zeigefinger tippt er eine selbst geschreinerte hölzerne Schiffschaukel an, in der – natürlich – eine Pumuckl-Puppe sitzt. Der kleine Klabautermann zaubert ihm jedes Mal aufs Neue ein Lächeln auf die Lippen. „Durch ihn erlebe ich immer wieder so schöne Sachen. Und wenn die Leute sich in meinem Museum freuen, ist das für mich ein narrisch starker Motor.“ Der Eintritt ins Museum ist gratis. „Das ist einfach mein Hobby. Manche gehen gerne wandern oder basteln an ihren Autos, ich hab’ halt den Pumuckl“, sagt er.

Dann ist der lustige Pumuckl-Rundgang beendet. Jetzt wartet wieder die Schreinerarbeit. 

Service-Hinweis: Das Pumuckl-Museum ist wegen Corona im November geschlossen. Ansonsten hat es von Montag bis Samstag, 9 bis 12 und 13 bis 18 Uhr, geöffnet. Telefonische Anmeldung unter 08841/72 44. Weitere Infos: www.pumuckl-museum.de

EXTRA: Neue Pumuckl-Serie geplant - Gespräche laufen (Update, So, 15.11.2020, 5:00)

München (dpa) - Der rothaarige Kobold Pumuckl soll fast 60 Jahre nach seinem ersten Auftritt in der Hörspielreihe «Meister Eder und sein Pumuckl» bald in neue Abenteuer starten. Geplant sei eine neue gleichnamige TV Serie, wie die Pumuckl Media GmbH anlässlich des 100. Geburtstags der Pumuckl-Schöpferin Ellis Kaut mitteilte.

Die Serie werde derzeit von der Produktionsfirma Neue Super entwickelt, man sei in Gesprächen mit einem Streaming-Dienst und einem Sender, sagte Pumuckl Media-Geschäftsführerin Cornelia Liebig-Marciniak. «Die Verhandlungen laufen noch.» Der Plan sei, im nächsten Jahr mit der Produktion von 13 Folgen für die erste Staffel zu beginnen, die 2022 ausgestrahlt werden soll. Wenn alles nach Plan laufe, solle dann jedes Jahr eine weitere Staffel folgen.

Kaut hatte den rothaarigen Klabautermann geschaffen, 1962 lief die erste Hörspielreihe von «Meister Eder und sein Pumuckl» im Bayerischen Rundfunk. Am 17. November wäre Kaut 100 Jahre alt geworden; sie starb im September 2015.

Bei der Pumuckl Media, in der Kauts Erben, die Pumuckl-Zeichnerin Barbara von Johnson und die Infafilm GmbH vereint sind, liegen nun die Rechte. Dass es nun neue Pumuckl-Geschichten geben soll, wäre für ihre Mutter «das größte Geburtstagsgeschenk», sagte Kauts Tochter Ursula Bagnall. Lesungen, die zu dem 100. Geburtstag bei der von Kaut gegründeten Stiftung zur Förderung des Lesens und der Kinderliteratur geplant waren, mussten coronabedingt abgesagt werden. «Vielleicht feiern wir dafür nächstes Jahr ihren 101. Geburtstag», sagte Bagnall. Das würde auch Pumuckl besser gefallen als eine runde Zahl.

Rubriklistenbild: © Markus Schlaf

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