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Dienstaufsichtsbeschwerde von Porsche-Fahrer

Falschparker-Zoff zwischen Ex-Polizist und Politesse in Rosenheim: „Noch nie so arrogant behandelt gefühlt“

Ärztehaus in Rosenheim: Wer direkt davor parken möchte, benötigt einen Behindertenausweis.
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Weil‘s dort halt öfter pressiert: Vor dem Ärztehaus an der Salinstraße gab es schon öfter Streit zwischen Autofahrern und der Verkehrsüberwachung.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Gerhard B. (66) ärgert sich über eine Mitarbeiterin der Verkehrsüberwachung. Nicht wegen des Strafzettels, der gehe soweit in Ordnung. Etwas anderes regte ihn so auf, dass er Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Politesse eingelegt hat.

Rosenheim – Vom Gefühl abgekanzelt zu werden spricht er. Und das alles wegen eines Falschparkens, für das es, so wie B. die Sache schildert, keinen richtigeren Anlass hätte geben können. „Sprachlos“ seien er und seine Lebensgefährtin, sagt er. Der Ex-Polizist und seine Partnerin haben Dienstaufsichtsbeschwerde gegen eine Politesse eingelegt. Es gehe um den Ton, sagen beide.

Der Streit trug sich in Rosenheim zu, die Geschichte beginnt aber am Gardasee. Dort machten Gerhard B. und seine Partnerin (65) im Mai Urlaub. Die Frau stürzte und schlug hart und schmerzhaft mit dem Knie auf. In der Folge seien die Schmerzen immer schlimmer geworden, berichtet B., seine Partnerin habe in der Nacht geschrien, „wir mussten unsern Urlaub abbrechen“. Die beiden fuhren nach Rosenheim und machten Station bei einer Arztpraxis an der Salinstraße.

Er wollte direkt vor der Praxis parken, weil er seine Partnerin tragen musste

Und ab da gibt es zwei Versionen der Geschichte. Er habe das Auto, einen Porsche, direkt vorm Eingang zur Praxis abgestellt, zugegebenermaßen auf einem Behindertenparkplatz. Weil sonst nichts in der Nähe freigewesen sei und die Angelegenheit drängte, und weil er seine Lebensgefährtin tragen musste. Nachdem er die Frau in die Praxis gebracht hatte, „nach nur wenigen Minuten“, habe er das Auto wegfahren wollen.

Am Parkplatz traf er eine Mitarbeiterin der Verkehrsüberwachung an. Sie schrieb eine Verwarnung. Er habe auf seine Notsituation hingewiesen, die Frau aber habe „äußerst arrogant“ reagiert. „Auf die Frage, wie ich dann meine Partnerin in die Praxis hätte bringen sollen, meinte sie lapidar, dass das nicht ihr, sondern mein Problem sei.“

Gerhard B. dachte an seinen alten Beruf, er war als Hauptkommissar in den Ruhestand gegangen, und er erwähnte das Fingerspitzengefühl, das ihn als Polizisten auszeichne. Die Frau erkannte seine Berufserfahrung auch an. Allerdings so, wie es dem 66-Jährigen nicht passte. Als Polizeibeamter müsse er doch erst recht wissen, wo er parken dürfe. „Typisch Porsche-Fahrer.“ Das habe sie übrigens auch noch gesagt. Berichtet zumindest B.

Rosenheimer Ordnungsamt widerspricht der Version des Ex-Polizisten

Nein, das habe sie nicht gesagt. So steht es in der Antwort der Stadt Rosenheim auf die Beschwerde des pensionierten Beamten. Sie habe lediglich auf die in unmittelbarer Nähe liegenden Halt- und Parkmöglichkeiten hingewiesen, so zitiert die Stadt ihre Mitarbeiterin.

Den Vorwurf, sich süffisant und herblassend geäußert zu haben, weise die Frau entschieden zurück. „Unsere Mitarbeiterin gibt an, dass sie, als sie Sie zum zweiten Mal auf dem Behindertenparkplatz angetroffen hat, zu Ihnen sagte, dass Sie als Polizist eigentlich wissen sollten, wo Sie parken dürfen.“ „Zum zweiten Mal“, wohlgemerkt. Denn die Geschichte hat noch eine Wendung.

Erneutes Falschparken, erneuter Streit

B. fuhr kurz nach Hause, eine Dreiviertelstunde später rief seine Partnerin bei ihm an und teilte mit, dass der Arzt eine gebrochene Kniescheibe diagnostiziert habe. Er fuhr wieder zur Praxis, und wieder sei nur ein Behindertenparkplatz frei gewesen. So parkte er den Wagen dort und holte seine Partnerin ab. Die brauchte nun eine Schiene, hatte aber schon Krücken bekommen und humpelte selber zum Auto.

Am Auto? Stand eine alte Bekannte. Wieder die Parkwächterin. Und mit einem Lächeln habe sie einen weiteren Strafzettel ausgestellt, erzählt B.. Hilfe habe sie verweigert. „So was will Polizist sein“, habe die Frau beim Weggehen noch gesagt. „Ich habe mich noch nie in meinem 66-jährigen Leben so von oben herab und arrogant behandelt gefühlt“, klagt B.

Auch da unterscheiden sich die Geschichten. So wie von B. geschildert habe sich die Frau nicht geäußert, heißt es in der Antwort auf B.‘s Beschwerde. Und sie habe auch keinen zweiten Strafzettel ausgestellt. An ihren Worten zu zweifeln, habe man keinen Grund.

Warum hat die Mitarbeiterin nicht eingelenkt? So richtig klar wird das nicht

Man wünsche der Frau baldige und vollständige Genesung und könne Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit nachvollziehen, teilt der Leiter des Ordnungsamtes mit. Wegen der besonderen Umstände stelle man – bei Vorlage einer ärztlichen Bescheinigung – das Verfahren ein. Hätte das nicht schon die Mitarbeiterin tun können, nach einer Nachfrage beim Arzt?

55 Euro könnten sich Gerhard B. und seine Lebensgefährtin sparen. Aber ums Geld, wie gesagt, geht es diesmal offenbar nicht.

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