Polizisten attackiert: Drogenabhängiger (31) muss sich in Rosenheim vor Gericht verantworten

Seit fast 20 Jahren konsumiert der 31-jährige Angeklagte regelmäßig Drogen.
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Seit fast 20 Jahren konsumiert der 31-jährige Angeklagte regelmäßig Drogen.

Weil er vor dem Wasserburger Badria randaliert, Polizisten angegriffen und in Rosenheim ein Fahrrad gestohlen haben soll, musste sich jetzt ein 31-jähriger Mann in Rosenheim vor dem Amtsgericht verantworten. Delikte, die ihren Ursprung wohl auch im fast 20 Jahre langen Drogenkonsum des Mannes haben.

Von Theo Auer

Rosenheim/Wasserburg – Im Mai 2019 musste der 31-Jährige Drogenabhängige zu seinem Arzt in Rosenheim, um sich dort seine Substitutions-Medikamente abzuholen. Um zur Praxis zu kommen, „lieh“ sich der Mann am Rosenheimer Bahnhofsvorplatz ein Fahrrad aus. Allerdings schaute gerade in dem Moment, als er das Fahrradschloss knackte, eine Polizeistreife zu. Kaum war er losgefahren, hielten ihn die Beamten auch schon an und unterzogen ihn einer Kontrolle.

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Eine Woche davor war der 31-Jährige Wasserburger bereits auffällig geworden, nachdem er nachts vor dem Wasserburger Badria-Bad randaliert hatte und durch EInsatzkräfte der Polizei letztlich nur unter großen Mühen festgenommen werden konnte. . Dabei hatte er sich Anzeigen wegen Beleidigung, Körperverletzung und wegen des tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte eingehandelt.

Aus der JVA Stadelheim vorgeführt

Vor Gericht vorgeführt wurde der Mann aus der Münchner Justizvollzugsanstalt Stadelheim, wo er sich wegen eines anderen Drogenvergehens in Untersuchungshaft befand. In der Sache war er geständig, wenn er sich auch nicht mehr an alles erinnerte.

14 Vorverurteilungen hatte der Angeklagte bereits vorzuweisen. Der psychiatrische Gutachter beschrieb vor Gericht, dass der Angeklagte seit seinem 14. Lebensjahr den Drogen verfallen ist. Begonnen hatte er wohl mit Cannabis, ehe ab dem Alter von 16 Jahren chemische Stoffe und schließlich mit 18 Jahren Opiate seine Drogenerfahrungen erweiterten. Insgesamt zwölf mal war er zur Entgiftung in verschiedenen Kliniken. Etliche Therapien hatte er begonnen, alle aber vor dem Ende abgebrochen. Dazwischen kamen immer wieder Gefängnisaufenthalte dazu.

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In seiner jüngsten Untersuchungshaft, so berichtete der berufslose Angeklagte während der Verhandlung, sei ihm klar geworden, dass er sich aus eigener Kraft und ohne Zwang nicht aus dieser Abhängigkeit würde befreien können. Dem Gutachter hatte er vorher hingegen noch erklärt, dass er keinesfalls in eine geschlossene Therapie würde gehen wollen. Dies, so erklärte der Angeklagte vor Gericht, habe sich nun aber geändert. Er würde nun einen Maßregelvollzug akzeptieren, weil „eine Therapie wohl nur auf diesem Weg erfolgreich sein kann“. Der Gutachter wollte ihm diese Chance nicht verwehren und empfahl dem Gericht, auf diesen Therapieweg zu entscheiden.

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Die Staatsanwältin verwies insbesondere auf die Unbelehrbarkeit des Angeklagten, der nicht nur eine hohe Rückfallgeschwindigkeit aufweise, sondern dazu noch diese Taten unter offener Bewährung begangen habe. 27 Monate Haft war ihr Ahndungsvorschlag, wobei sie darauf bestand, dass auch bei einer geringeren Haftstrafe eine Aussetzung zur Bewährung nicht infrage kommen dürfe.

Verteidiger hebt Geständnis hervor

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Marc Herzog, betonte, dass sein Mandant umfassend geständig gewesen sei und dass er sich wirklich reuig und einsichtig zeige. Das sei alleine dadurch belegt, dass er nun eine wirklich dauerhafte und tiefergehende Therapie antreten wolle. Eine Strafe von fünfzehn Monaten sei deshalb nach Einschätzung Herzogs hinreichend.

Die Vorsitzende Richterin Maike Merklin bewertete die Argumente beider Seiten und verurteilte den Wasserburger zu 22 Monaten Haft. Zudem ordnete sie, wie vom Angeklagten erhofft und vom Gutachter empfohlen, die Unterbringung in einer geschlossenen Therapie an.

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