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„ROSENSLAM“ BEI DER THEATERINSEL

„Mein Traum ist eine Slam-Gemeinschaft“: Thomas Eiwen über Dichterwettbewerbe in Rosenheim

Thomas Eiwen aus Stephanskirchen steht nicht nur selbst bei Poetry Slams, also modernen Dichterwettbewerben, auf der Bühne. Er organisiert auch die „Rosenslams“ bei der Theaterinsel Rosenheim.
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Thomas Eiwen aus Stephanskirchen steht nicht nur selbst bei Poetry Slams, also modernen Dichterwettbewerben, auf der Bühne. Er organisiert auch die „Rosenslams“ bei der Theaterinsel Rosenheim.
  • Alexandra Schöne
    VonAlexandra Schöne
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Thomas Eiwen (24) organisiert seit zwei Jahren den „Rosenslam“ bei der Theaterinsel Rosenheim. Es ist ein Dichter-Wettstreit, bei dem die Teilnehmer selbst geschriebene Texte vortragen. Ein Gespräch über die Besonderheit des Formats, Corona-Slams und wie er in der Stadt eine Dichter-Szene aufbauen will.

RosenheimWarum sollte jeder Mensch mal einen Poetry Slam gesehen haben?

Thomas Eiwen: Jeder sollte live dabei gewesen sein, weil es meiner Meinung nach ein einzigartiges Konzept ist. Jeder Abend ist anders. Auch wenn man einen Slammer schon gesehen hat, bringt der beim zweiten Mal einen anderen Text mit. Dass junge Dichter sich in einer Zeit von Digitalisierung hinsetzen und mit Papier und Stift was aufschreiben und das dann vortragen, ist etwas Besonderes. Und das Publikum ist live die Jury und beurteilt das Ganze.

Die Stimmung auf solchen Slams ist ja relativ locker. Wie werden die Beiträge bewertet?

Eiwen : Ich mache es immer mit Applaus. Es gibt auch ein Punktesystem. Aber mit Applaus finde ich es schöner und fairer. Es ist zwar schwieriger, den Gewinner rauszuhören, aber das Publikum wird miteinbezogen. Man muss sich aber bewusst sein, dass man etwas bewertet, das man eigentlich nicht bewerten kann.

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Das hört sich aber nach einer Diskrepanz an.

Eiwen : Ja, schon. Diese Gratwanderung versuche ich anderweitig auszugleichen. Ein Kollege hat es mal so bezeichnet: eine Lesebühne mit leichtem Wettbewerbscharakter. Für die Zuschauer ist der Wettbewerb aber auch wichtig, sie kommen deswegen. Sonst wären sie stille Konsumenten, die nur dasitzen. Aber bei uns ist der Wettbewerb sekundär. Die Leute dürfen auch zwei Texte vorstellen.

Und das ist nicht immer so?

Eiwen : Viele machen das so. Wir haben uns bewusst für diese Anzahl an Texten entschieden, weil man so zwei Chancen hat und man ein bisschen mehr seines Spektrums zeigen kann.

Warum haben Sie mit dem Slammen angefangen?

Eiwen : Ich habe die Bühne vermisst. Ich bin nach Freising gezogen und habe dort kein Theater gefunden. Aus dem Bereich komme ich ursprünglich. Da bin ich dann zufällig über Poetry Slam gestolpert und mir gedacht: Das kann ich auch(lacht). Vor zwei Jahren habe ich damit angefangen.

Also macht das Slammen auch ein bisschen süchtig?

Eiwen : Süchtig ist ein guter Begriff eigentlich. Es geht einem schon ab, wenn man es nicht mehr macht. Das habe ich über die sieben Monate gemerkt, wo Lockdown war. Zu dieser Zeit haben wir zwei Slams online gemacht.

Wie war das für Sie?

Eiwen : Ich fands‘ nicht gut. Es ist für mich kein Online-Format. Man hat keinen Bezug zum Publikum, eines der wichtigsten Dinge. Es gibt keine Atmosphäre. Das ist einfach nicht dasselbe wie live.

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Am Mittwoch (25. August) gibt es wieder einen Poetry Slam bei der Theaterinsel. Es ist der zehnte „Rosenslam“. Macht Sie das stolz?

Eiwen : Es macht einen schon stolz. Ohne die Ehrenamtlichen von er Theaterinsel wäre das aber alles nicht möglich. Mit denen steht und fällt alles.

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Wie wird der Corona-Winter für Sie aussehen? Soll es Slams geben?

Eiwen : Wir sind auf der Suche nach alternativen Orten, wo wir das Ganze aufführen. In den Raum in der Theaterinsel bekommen wir mit Mühe und Not 50 Leute rein. Aber solange es irgendwie geht, machen wir es.

Ein ganz schöner Aufwand.

Eiwen : Für uns ist es wichtig, zu zeigen: Hey, wir sind noch da. Natürlich ist es Aufwand, aber das ist bei Theaterstücken auch so, sogar noch mehr.

Wie kommt man die Teilnehmer ran?

Eiwen : Die Kontakte hast du nur, wenn du selbst auch Poetry Slammer bist. Du wirst auf Slams eingeladen, dort lernst du Leute kennen, die du dann einlädst. So geht das hin und her. Die vier Leute für Mittwoch standen insgesamt zusammen schon 500 Mal auf Bühnen. Da weiß ich einfach: Da bekomm‘ ich eine Show.

Rosenslam am 25. August

Der zehnte „Rosenslam“ findet am Mittwoch, 25. August, um 20 Uhr in der Chiemseestraße 8 in Rosenheim statt. Tickets gibt es an der Abendkasse oder unter www.theaterinsel.de.

Wollen Sie mit diesen „Shows“ das Format Poetry Slam in Rosenheim bekannter machen? Momentan fliegen solche Veranstaltungen eher unterm Radar.

Eiwen : Ich kann mir vorstellen, dass ganz viele Leute das Konzept kennen, aber gar nicht wissen, dass es das in Rosenheim gibt. Im Umkreis gab es ab und zu ein paar Slams und bei der Rosenheimer Stadtbibliothek natürlich. Mein Traum wäre, eine richtige Slam-Gemeinschaft in Rosenheim aufzubauen.

Dazu gehören auch lokale Poetry Slammer.

Eiwen : Bei jedem Slam will ich einen lokalen Künstler dabei haben. Ich finde es schön, sie zu unterstützen. Leute aus der Region, die Lust haben, können sich jederzeit bei uns melden. Slams können nur erfolgreich werden, wenn die lokale Szene sie unterstützt.

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