Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Trotz zweifacher Biontech-Spritze

„Plötzlich positiv!“ Impf-Verfechter von OVB24 an Covid erkrankt: Das ist meine Geschichte

Mein erster positiver Corona-Selbsttest.
+
Mein erster positiver Corona-Selbsttest.
  • Markus Zwigl
    VonMarkus Zwigl
    schließen

So… Da hat es den nächsten Impf-Verfechter erwischt. Auch ich bin Corona-positiv und bin tatsächlich trotz zweifacher Impfung mit Biontech an Covid-19 erkrankt. Eine befremdliche Situation, die ich eigentlich nie durchleben wollte. In diesem Erfahrungsbericht von unserem Redakteur Markus Zwigl lest Ihr, wie er seine Lage beschreibt, mit welchen Beschwerden er zu kämpfen hat und welche kritischen Fragen er sich nun stellt.

Rosenheim – Irgendwoher müssen ja die hohen Inzidenzen in Stadt (314,5) und Landkreis Rosenheim (282,7) kommen (Stand 22. Oktober). Und dass es sich bei den Infizierten längst nicht mehr nur um Ungeimpfte handelt, ist auch kein Geheimnis mehr. Das RKI meldet regelmäßig weitere Impfdurchbrüche.

Doch bevor viele Impfgegner wieder laut aufschreien, will ich betonen, dass weiterhin die große Mehrzahl an Intensivbetten von Ungeimpften (knapp 90 Prozent) belegt ist und der vom RKI geschätzte Schutz durch eine Corona-Impfung vor einer Hospitalisierung bei Personen im Alter zwischen 18 und 59 Jahren bei etwa 96 Prozent liegt. Und hier ist auch der Fokus. Unser Ziel muss weiterhin bleiben, eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden und die Todesfälle durch oder mit Covid-19 zu minimieren.

Trotz doppelter Impfung positiv

Dennoch hat es mich erwischt. Trotz doppelter Impfung mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer bin ich am Dienstag (19. Oktober) per PCR-Verfahren positiv auf das Corona-Virus getestet worden und zeige auch Symptome. Das Argument, die Impfwirkung lasse mit der Zeit nach, kann ich bei mir leider auch nicht gelten lassen, da ich meine zweite Dosis erst Anfang August erhalten und so meinen vollständigen Impfschutz erst Mitte August erreicht habe.

Angst hatte ich eigentlich nie vor einer möglichen Infektion, aber aufgrund der zahlreichen Erzählungen und wissenschaftlichen Fakten einen aus meiner Sicht durchaus berechtigten Respekt. In erster Linie hatte ich jedoch in den vergangenen Monaten vor allem Angst, unwissend jemand anstecken zu können. Vor allem mit Hinsicht auf die älteren Personen in meinem Familienkreis. Ich dachte mir oft, ich will auf keinen Fall verantwortlich dafür sein, dass es jemand anderem wegen mir schlecht geht. In der Theorie einfach gesagt, in der Praxis doch schwieriger umzusetzen. Vor allem zu Beginn der Pandemie habe ich mich deshalb strikt an alle Vorschriften gehalten und in meinen Augen – um es nett auszudrücken – leichtsinnige Bürger oft verachtet.

Wie bei so vielen lag meine große Hoffnung in der Impfung. Und mit dem allgemeinen Impffortschritt nahm auch meine Lebenslust wieder deutlich zu. Ein Besuch bei Verwandten ohne vorhergehenden Test oder der Besuch im Restaurant machte das Leben wieder deutlich attraktiver.

Die Frage nach der Ansteckung

Doch habe ich mich durch die Impfung zu sicher gefühlt? Wo ich mich angesteckt habe, weiß ich wie die meisten Infizierten nicht. Natürlich gibt es verschiedene Theorien und Gedankenspiele, allerdings ohne notwendige Bestätigung. Als junger Mensch (28 Jahre) habe ich natürlich auch am Nachtleben wieder teilgenommen, eine Ansteckung in diesen Kreisen sei laut Laborbefund allerdings unwahrscheinlich.

Wie bereits geschildert, bestätigten sich am Dienstagabend per PCR-Befund meine Befürchtungen, doch für mich war es keine Überraschung mehr. Am Montag habe ich das erste Mal bemerkt, dass ich häufiger leicht husten und auch das ein oder andere Mal zum Taschentuch greifen musste. Wirklich krank oder schlapp fühlte ich mich allerdings noch nicht. Dennoch entschloss ich mich am Abend dazu einen Selbsttest durchzuführen, um auf der sicheren Seite zu sein und auch im Büro für niemanden eine Gefahr darzustellen. Und dann war es so weit. Ein zweiter Strich war auf dem Teststreifen zu sehen. Zuerst wollte ich es kaum glauben, aber es war eindeutig. Umgehend führte ich einen zweiten Test durch, aber das Ergebnis war das gleiche.

Sorge um Mitmenschen

Etwas panisch verständigte ich die ersten Kontaktpersonen. Und wie es der Teufel will, ausgerechnet an dem zurückliegenden Wochenende hatte ich eine Person getroffen, welche ich aufgrund der epidemischen Lage und ihrer gesundheitlichen Situation seit mehreren Wochen nicht mehr sehen konnte. In der Folge machte ich mir schwere Vorwürfe. Hätte ich mich anders verhalten sollen? Was habe ich vielleicht falsch gemacht? Wen habe ich möglicherweise alles angesteckt? Wer muss wegen mir in Quarantäne? Zum Glück entwickelte die betroffene Person bislang (Stand 23. Oktober) allerdings keine Symptome und auch alle Tests fielen negativ aus.

Schüttelfrost und Fieberträume

Die erste Nacht nach meinem positiven Selbsttest war bis dato tatsächlich mit Abstand auch die schlimmste. Vielleicht war dies auch so, weil mir viele Gedanken durch den Kopf gingen. An Schlaf war so gut wie gar nicht zu denken. Obwohl mir sehr heiß war, zitterte ich am ganzen Körper, hatte Fieberträume, meine Glieder schmerzten und der Kopf brummte.

Der Morgen danach war dann zum Glück deutlich angenehmer. Ich fühlte mich zwar schlapp und der Kopf schmerzte, aber ich konnte aufstehen, einen notwendigen PCR-Test vereinbaren und durchführen lassen. Dennoch war ich von der ersten Nacht etwas geschockt. Natürlich genieße ich ab und an bei einem kühlen Bier das Leben oder gönne mir einen Schweinsbraten, aber schließlich war ich doch doppelt geimpft, ein junger sportlicher Mann – manch einer aus der Muckibude würde vielleicht sagen, mit ein paar hundert Gramm zu viel – und war so gut wie nie krank in den vergangenen zehn Jahren.

Freunde auch infiziert

Im Laufe des Dienstags meldeten dann auch drei meiner Sportkameraden, mit denen ich die Tage zuvor Kontakt hatte, Corona-typische Symptome und schnell war klar, dass wir uns alle gemeinsam infiziert oder untereinander angesteckt hatten. Doch wer schlussendlich „Patient Null“ ist, ist bis heute unklar.

Den restlichen Dienstag verbrachte ich im Bett. Auch die Nacht zum Mittwoch war nicht wirklich angenehmer. Wieder hatte ich eine sehr unruhige Nacht. Doch ähnlich wie tags zuvor, ging es mir am Mittwochmorgen wieder besser. Beflügelt von dem positiven Gefühl versuchte ich sogar Fenster zu putzen – mit mäßigem Erfolg. Neben Schlieren an den Scheiben musste ich mir eingestehen, dass ich gesundheitlich angeschlagen bin. Der Schweiß triefte, mein Shirt war nass, meine Glieder schmerzten und ein Schwindelgefühl machte sich breit.

Fehlende Konzentrationsfähigkeit

Bis Freitag hat sich an diesem Zustand nicht viel verändert. Wirklich schlecht geht es mir nicht mehr, allerdings stellen längere und „schwere“ Aufgaben ein Problem dar. Was mich besonders stört, ist die fehlende Konzentrationsfähigkeit. Teilweise weiß ich nicht, was ich wenige Stunden zuvor mit einer Person am Telefon besprochen habe oder habe Probleme aufmerksam etwas durchzulesen. Auch in dem Moment, als ich diese Zeilen schreibe, tue ich mir stellenweise sehr hart. Und dann ist da noch dieser dauerhafte, teilweise schmerzhafte, Husten.

Viele werden meine Symptome mit einer „klassischen Erkältung“ gleichstellen. Allerdings kann ich das in meinem Fall verneinen. Meinen derzeitigen Zustand kann ich nur schwer beschreiben. Zum Glück bin ich nicht mehr an das Bett gebunden, aber es ist ein wirklich komisches Gefühl und ich weiß beim besten Willen nicht, wann ich wieder voll bei Kräften bin.

Viele Fragen bleiben

Natürlich stelle ich mir derzeit die Frage, ob mir die Impfung etwas gebracht hat? Diese Frage kann ich derzeit nicht wirklich beantworten. Dennoch glaube ich, dass es mich ohne Impfung noch deutlich schlimmer hätte erwischen können. Weiter ist nicht klar, ob ich ohne Impfung noch mehr Menschen angesteckt hätte. Meine Freundin, ebenfalls doppelt geimpft, habe ich zum Beispiel auch nicht angesteckt, obwohl wir im entscheidenden Zeitraum sehr engen Kontakt hatten und auch zusammen wohnen.

Corona und die möglichen Impfungen sind und bleiben ein kontrovers diskutiertes und undurchsichtiges Thema. Ich bin trotz meiner Infektion weiter von dem allgemeinen Nutzen einer Impfung überzeugt. Trotz der enorm hohen Inzidenzen in unserem Land, scheint die Lage auf den Intensivstationen stabil zu sein. Eine Überlastung des Gesundheitssystems steht offenbar nicht bevor. Allerdings ist es mir schon ein kleines Rätsel: Während im vergangenen Jahr bei deutlich niedrigeren Inzidenzen (unter 100) im November ein Lockdown light verhängt wurde, läuft das öffentliche Leben aktuell als ob nie etwas gewesen wäre. Ausgelastete Fußballstadien, gut besuchte Großveranstaltungen und kaum Einschränkungen mehr. Versteht mich nicht falsch, ich freue mich wie kaum ein zweiter auf ein Leben ohne Beschränkungen, aber in der aktuellen Situation sogar die epidemische Lage nationaler Tragweite nicht zu verlängern, halte ich für den falschen Schritt.

Vor allem weil ich aktuell am eigenen Leib erlebe, wie aggressiv das Virus sein kann. Abschließend möchte ich natürlich dennoch betonen, dass ich sehr glücklich darüber bin, „nur“ mit meinen Symptomen kämpfen zu habe. Auf diesem Wege möchte ich auch allen Erkrankten gute Besserung und schnelle Genesung wünschen.

Zu guter Letzt möchte ich mich auch noch bei den Mitarbeitern des Gesundheitsamtes für die schnelle und unkomplizierte Zusammenarbeit bedanken.

mz

Kommentare