Platz mit vielen Gesichtern: So wollen Stadtbibliothek und TH den Rosenheimer Salzstadl beleben

Der Salzstadel: In einem Monat soll der Platz vor der Stadtbibliothek belebt werden. Geplant sind unter anderem ein Minihaus, ein Kaffeewagen und zahlreiche Veranstaltungen.
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Der Salzstadel: In einem Monat soll der Platz vor der Stadtbibliothek belebt werden. Geplant sind unter anderem ein Minihaus, ein Kaffeewagen und zahlreiche Veranstaltungen.

Ein Minihaus, ein Kaffeewagen und jede Menge Veranstaltungen: Die Rosenheimer Stadtbibliothek und die Technische Hochschule haben große Pläne für den Salzstadel. Die Mitglieder des Haupt-und Finanzausschusses haben dem Vorhaben jetzt grünes Licht gegeben.

von Anna Heise

Rosenheim – Von Susanne Delps Büro aus hat man einen guten Blick über den gesamten Salzstadel. Sie sieht die Hochbeete und Liegestühle, direkt am Eingang der Stadtbibliothek. Weiter hinten, dort wo von Donnerstag bis Sonntag die Bermuda-Insel stattfindet, stehen Metallzäune, Bierbänke und einige Stände. „Die müssen in einem Monat ein bisschen Platz machen“, sagt Delp.

Auftakt ist am 8. August

Der Grund: am Samstag, 8. August, beginnt das zweijährige Projekt der Stadtbibliothek, der Technischen Hochschule und zahlreicher weiterer Kooperationspartner. „Wir wollen den Salzstadel beleben“, sagt Delp. Die Idee dazu hatte sie schon lange. Jetzt hat sie auch die finanziellen Mittel, um die Idee in die Tat umzusetzen. Denn der Projektantrag, den sie gemeinsam mit der Technischen Hochschule bei der Kulturstiftung des Bundes eingereicht hatte, wurde bewilligt.

Kulturstiftung unterstützt Stadtbibliothek mit 200 000 Euro

Die Kulturstiftung stärkt mit ihrem Programm „hochdrei – Stadtbibliotheken verändern“ bundesweit öffentliche Bibliotheken. Für das Programm stellt die Kulturstiftung in den Jahren 2018 bis 2022 insgesamt 5,6 Millionen Euro zur Verfügung. Unter den 28 geförderten Institutionen, ist neben Chemnitz, Hamburg und Kempten jetzt eben auch Rosenheim. Bewilligt wurde eine Fördersumme von insgesamt 200000 Euro, bei einer zusätzlichen Eigenbeteiligung von 20000 Euro.

Raum schaffen für kreative Formate

Das Programm will, so geht es aus den Unterlagen hervor, Raum schaffen für „unkonventionelle Ideen und kreative Formate“, die es den Stadtbibliotheken auf Dauer ermöglichen, sich als „offene Orte der Begegnung zu etablieren“.

„Wir präsentieren uns seit Jahren als Dritter Ort für Menschen aus Rosenheim und dem Umland“, sagt Delp. Mit dem Projekt will sie diese Rolle weiter ausbauen und stärken. Weil die Stadtbibliothek mit ihren 1 400 Quadratmeter nur einen „begrenzten Gestaltungsraum“ bietet, soll der Salzstadel miteinbezogen werden.

Tiny House von 19 Studenten hergestellt

So sollen in den kommenden Wochen ein Tiny House, ein Kaffeewagen sowie ein Container der Firma Zosseder auf den Salzstadel platziert werden. Der Container dient laut Delp als Aktions-und Lagerfläche, soll von dem Verein „Kunst Kollektiv“ entsprechend verschönert werden.

Tiny House kommt von der Technischen Hochschule

Das Tiny House stellt die Technische Hochschule zur Verfügung. „Bis jetzt steht es noch am Tegernsee“, sagt Denise Dih, Professorin für Innenarchitektur an der Technischen Hochschule Rosenheim. Gemeinsam mit 19 Innenarchitektur-Studenten und dem Baumbaron Johannes Schelle hat sie das zehn Quadratmeter Haus vor drei Jahren entworfen. Anlass sei eine Einladung von Van Bo Le-Mentzel gewesen, dem Gründer der Tiny House University. Er bot den Studierenden an, mit ihrem Minihaus Teil des Bauhaus-Campus in Berlin zu sein.

Doppelte Böden und Wände

Das Tiny House der Rosenheimer Studenten verfügt über doppelte Böden und Wände. Hier verstecken sich unter anderem ein Bett, ein Tisch, eine Toilette, eine Pantry-Küche sowie „massenweise Stauraum“. „Das Haus bietet unheimlich viel Komfort, kann aber auch als komplett leerer Raum genutzt werden. Je nach Bedarf“, sagt Dih.

Genügend Strom, warmes Wasser

Auf dem Dach des Hauses befinden sich vier Fotovoltaikmodule, die genügend Strom für Licht, warmes Wasser und das Kühlen von Lebensmitteln produzieren – auch Handys und Tablets können dort geladen werden. Den Eingang haben die Studenten mit einer großen, klappbaren Holztreppe ausgestattet. Die bietet laut Dih Platz zum Plaudern und Verweilen.

Zusätzlicher Arbeitsplatz für Studenten

Das Minihaus soll, so der Plan, ein zusätzlicher Arbeitsplatz für Studenten werden und sie in die Innenstadt locken. Da mit den Abstandsregeln maximal zwei Leute zur gleichen Zeit das Haus nutzen können, müssten sich die Studenten vorher anmelden. Vorstellbar sei auch, dass in dem Minihaus die Vorlesestunden der Stadtbibliothek stattfinden könnten.

Strick-Kurse und Erzählcafé für Senioren

Es ist nur eine Idee von vielen. Delp spricht von einem Erzählcafé für Senioren, von Strick-Kursen, Vorträgen und Ausstellungen. Die Themenbreite reicht von Ökologie, Nachhaltigkeit und Mobilität bis hin zu kultureller Vielfalt, politischer Partizipation und der Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. „Es hängt von unseren Kooperationspartnern ab“, sagt Delp. Bis jetzt hätten unter anderem das Stadtmarketing, der Förderverein Stadtbibliothek, das Kulturamt, die Vielfaltsgestalter, das Katholische Bildungswerk, der Stadtjugendring, das City-Management, das Stadtplanungsamt sowie die Volkshochschule ihre Unterstützung zugesagt.

Bürger können selber Ideen einbringen

Jeder sei aufgefordert, sich selbst mit Ideen und Konzepten einzubringen – auch die Rosenheimer Bürger. „Wir arbeiten als Vermittler und bieten den Menschen an, die Bibliothek und das Minihaus als Plattform zu nutzen und eigene Ideen zu kreieren“, sagt Delp.

Projektkoordination wird gesucht

In den zwei Jahren sollen aber nicht nur zahlreiche Veranstaltungen stattfinden, sondern auch ein Nutzungskonzept für den Salzstadel entwickelt werden. „Wir wollen sehen, welche Chancen und Möglichkeiten der Platz hat“, sagt Delp. So seien die Studenten der Hochschule beauftragt wurden, eine temporäre Rauminszenierung zu planen und zu entwerfen. Die könnte dann in zwei Jahren das Tiny House ablösen.

Auftakt: 8 August

Bis dahin aber ist es noch ein weiter Weg, und Susanne Delp hat, bis zum Auftakt am 8. August noch alle Hände voll zu tun. So sei sie beispielsweise immer noch auf der Suche nach einer Projektkoordination. Eine Stelle, die auf zwei Jahre befristet ist. „Es müssen noch viele Detailfragen geklärt werden.“ Die Grundidee aber steht.

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Läuft alles nach Plan, wird Susanne Delp, in einem Monat aus ihrem Bürofenster schauen und ein Minihaus, einen Kaffeewagen und einen dekorierten Container sehen.

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