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Zu teuer, zu unsicher

Planungen zu Brenner-Nordzulauf: Verknüpfungsstelle im Tunnel wohl aus dem Rennen

Haus mit großem Symbolwert für Ostermünchen und Tuntenhausen: Der alte Bahnhof dient zwar nur noch als Wohngebäude, steht aber für kurze Wege zur Bahn.
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Haus mit großem Symbolwert für Ostermünchen und Tuntenhausen: Der alte Bahnhof dient zwar nur noch als Wohngebäude, steht aber für kurze Wege zur Bahn.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Der Brenner-Nordzulauf in der Region ist von der Schlussgeraden noch weit entfernt, eine Alternativplanung ist aber wohl schon aus dem Rennen. Was sich sonst noch tut in den Planungen der Bahn. Und welche Gemeinde sich Hoffnungen machen darf.

Rosenheim – Tendenzen zeichnen sich ab, Entscheidungen sind aber noch nicht gefallen. Ausnahme: Das Projekt einer Verknüpfungsstelle im Massiv des Wildbarren ist bei der Vorplanung zum Brenner-Nordzulauf in der Region Rosenheim offenbar vom Tisch. Die Bahn wird das Projekt im Inntal nicht weiter verfolgen.

Zu unsicher sei die Genehmigungsfähigkeit einer unterirdischen Zusammenführung, sagte Projektleiter Christian Tradler bei einem Infogespräch am Freitag in Rosenheim. Das Bundesverkehrsministerium als Auftraggeber der Nordzulauf-Planungen gewähre auch keine Mittel für weitere Überprüfungen. Damit ist zumindest eine Vorentscheidung gefallen.

Gutachten äußert schwere Zweifel

Zu dem Tunnel für eine unterirdische Zusammenführung von Bestands- und Neustrecke hatte das Deutsche Zentrum für Schienenverkehrsforschung im Februar ein Gutachten vorgelegt.

Wie berichtet war das Urteil des DZSF skeptisch ausgefallen. Eine klare Absage an die unterirdische Verknüpfungsstelle will Christian Tradler gar darin erkennen. Das Institut hatte das Projekt allerdings nicht als grundsätzlich unmöglich bezeichnet. Wohl aber waren in dem Gutachten schwere Zweifel geäußert worden, unter anderem wegen hoher Kosten schon für eine Planung und Überprüfung eines so komplizierten Vorhabens.

Für das viele Geld hätte die Bahn nicht einmal eine Garantie, dass ein Tunnel mit der Zusammenführung von Gleisen dann genehmigt werden könnten. Jedenfalls fehlten in Europa vergleichbare Bauwerke, an denen man sich orientieren könne. Fazit: Einen Tunnel irgendwo im Berg zwischen Flintsbach und Oberaudorf wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht geben, dafür eine oberirdische Verknüpfungsstelle im Flaschenhals unterhalb der Burgruine Kirnberg.

Bahnhalt Ostermünchen könnte im Ort bleiben

Seit Vorstellung der Vorzugstrasse Violett vor gut einem Jahr läuft die Vorplanungsphase. „Wir verfeinern und optimieren“; sagte Tradler. Vor allem bei Ostermünchen, am Inn bei Stephanskirchen und zwischen Riedering und Rohrdorf ist noch Detailarbeit nötig. 2024 soll die Phase der Vorplanung abgeschlossen sein. 2025 werden die Planungen dem Bundestag vorgelegt.

Was man bereits sagen kann: Die Chancen, dass der Bahnhalt Ostermünchen – oder vielmehr der Halt – im Ort bleibt, stehen nicht schlecht. Aus technischer Sicht sei das eine gute Lösung, sagte Tradler. Die Bestandsstrecke würde erhalten bleiben, wohingegen die Neubaustrecke in gerade Linie rund 500 Meter entfernt im Süden verläuft .„Vorsichtig optimistisch“ äußert sich auch Tuntenhausens Bürgermeister Georg Weigl auf Anfrage.

Der Vorschlag des Erhalts der Bestandsstrecke in diesem Abschnitt war von der Gemeinde angeregt worden. „Der Halt dort ist wichtig für unsere Infrastruktur“, sagt Weigl. Für Abschnittsplaner Manuel Gotthalmseder ein gutes Beispiel für den Beteiligungsprozess. Einige Gemeinden wie Oberaudorf und Flintsbach brächten sich da stark ein, andere „überhaupt nicht“, wie Gotthalmseder sagte.

Damit könnte der Planer Stephanskirchen und Rohrdorf gemeint haben, deren Gemeinderäte sich mit Beschlüssen gegen die Neubauplanungen gestellt haben. Man sei häufig zu Treffen vor Ort unterwegs, sagte Tradler, der das deutsche System der Beteiligung „wirklich toll“ nannte. Ein hilfreicher, wenn auch in letzter Konsequenz unverbindlicher Prozess. Man hole Anregungen ein, sagte Gotthalmseder, nicht aber eine Erlaubnis.

Tunnel unterm Inn wird gleichberechtigt geprüft

Daher ist auch die Wunschlösung für die nördliche Querung des Inns alles andere als ausgemachte Sache. Die benachbarten Gemeinden ziehen einen Tunnel vor, die Bahn denkt eher an eine Brücke. Sogar über die Konstruktion hat man sich Gedanken gemacht: Die Brücke könnte auf dem westlichen Ufer des Inns gefertigt und Stück für Stück Richtung Stephanskirchen über den Inn geschoben werden, sagte Tradler.

Auf der anderen Seite betonen die Planer immer wieder, wie schwierig eine Tunnelstrecke, die vielleicht 30, möglicherweise aber auch 40 Meter tiefer läge, in Richtung Ostermünchen fortzuführen sei. Die beiden Planer versicherten aber, dass auch die Tunnellösung genau geprüft werde. Nach den Sommerferien soll Konkreteres verkündet werden.

Insgesamt geht es nun verstärkt um das Höhenprofil. Auch zwischen Riedering und Rohdorf machen sich die Planer Gedanken, ob sie die Strecke quasi im Erdgeschoss oder im Keller verlaufen lassen. Die Tunnellösung, die den Tunnel Ringelfeld bei Stephanskirchen und den südlichen Tunnel Steinkirchen zu einem Riesentunnel von 24 Kilometern Länge verbinden würde, wird ebenso geprüft wie die mehr oder weniger oberirdische Variante weiter westlich.

Auch da grübeln die Planer übers Drüber oder Drunter: Je nachdem, ob sie die Sims unterqueren oder mit Brücke überqueren, verändert sich das Höhenprofil entscheidend. Eine Überquerung wäre deutlich sichtbarer, würde aber ein „oberflächennahes“ Bauen erlauben. Eine Unterquerung würde zahlreiche Einschnitte nach sich ziehen. „Schöner anzuschauen für Menschen, die da wohnen“, sagt Tradler. Aber eben auch schlecht für den Landwirt, der durch Böschungen Flächen verliert. Auch die Natur soll berücksichtigt werden. Einschnitte, so sagt Tradler, könnten Wasserläufe beeinträchtigen.

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