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Wahlen am 20. März

Pfarrgemeinderäte: Warum es Rosenheimer Pfarreien schwer haben, genügend Kandidaten zu finden

Nicht genügend Kandidaten gefunden: Die Mitglieder der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Raubling können am 20. März keinen Pfarrgemeinderat wählen.
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Nicht genügend Kandidaten gefunden: Die Mitglieder der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Raubling können am 20. März keinen Pfarrgemeinderat wählen.
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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  • Franz Ruprecht
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Sie organisieren einen wichtigen Teil des katholischen Gemeindelebens: die Pfarrgemeinderäte. Am 20. März steht das ehrenamtliche Gremium erneut zur Wahl. Aber auch in der katholisch geprägten Region ist nicht leicht, genügend Kandidaten zu finden. In Raubling muss die Wahl gar entfallen.

Rosenheim – Hannelore Maurer weiß, was sie an den Mitgliedern ihres Pfarrgemeinderates hat. Die Gemeindereferentin der Stadtteilkirche Rosenheim-Inn kann gar nicht genug betonen, wie wichtig die Arbeit des Gremiums für ein lebendiges Gemeindeleben ist.

Ohr für Ideen der Mitglieder

Vieles, was der Pfarrgemeinderat ehrenamtlich organisiere, könnten die Pfarreien mit ihrem hauptamtlichen Personal gar nicht allein stemmen: Veranstaltungen für Senioren, die Jugendarbeit. Jenen Menschen, die sich alle vier Jahre der Wahl stellen, attestiert sie ein großes Engagement. Aber auch die Möglichkeit, ein Ohr für die Ideen der Gemeindemitglieder zu haben, ist etwas, das den Pfarrgemeinderat als Gremium für Maurer so wichtig macht.

In ihrer Rosenheimer Stadtteilkirche sei die Situation noch günstig, es hätten sich genügend Kandidaten gefunden, die sich wieder für den Pfarrgemeinderat haben aufstellen lassen. Es sei nicht mühsam, solche Freiwilligen zu finden, „aber es ist schon nicht ganz einfach, Kandidaten zu finden“, sagt Maurer.

Kopfzerbrechen habe ihr insbesondere die Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens bereitet. „Meine große Sorge war, dass uns dann Kandidaten wieder abspringen, aber nichts davon ist passiert“, berichtet Maurer. Und dass obgleich großer Ärger und große Empörung geherrscht hätten.

Neue Herausforderung für Pfarreien

Manche Pfarreien scheitern gar daran, genügend Gemeindemitglieder für Arbeit zu begeistern. Zum Beispiel in Raubling, wo der Wahlausschuss den Urnengang vorerst mangels Kandidaten abgesagt hat. Wie schon zur jüngsten Wahlperiode.

„In Raubling hat dies unter anderem sicher mit der extremen Siedlungsentwicklung im Ballungsraum Rosenheim zu tun, die auch eine Pfarreistruktur auf den Kopf und vor ganz neue Herausforderungen stellt“, mutmaßt Michael Bayer, Diözesanrat der der Erzdiözese München und Freising.

Wahlen im Großteil der Pfarreien

Dabei sehe die Situation mit Blick auf die Freiwilligen im Landkreis Rosenheim nicht allzu schlecht aus, wie Bayer berichtet. 788 Gemeindemitglieder aus den fünf Dekanaten des Landkreises und der Stadt Rosenheim hätten sich zur Verfügung gestellt.

Auch in der Erzdiözese insgesamt bleibt die Zahl an Pfarreien, in denen heuer keine Pfarrgemeinderatswahlen mangels Kandidaten zustande kommen, überschaubar. Betroffen sind hiervon, schildert die Kirchenverwaltung, 27 von 755 Pfarreien – also nicht mal vier Prozent.

Unterschiedlich aufwendige Suche

Wie viele Gemeinden zumindest damit zu kämpfen haben, Ehrenamtliche für den Pfarrgemeinderat zu begeistern, vermag die Erzdiözese nicht zu sagen. Man wisse aber, dass sich die Suche nach Kandidaten in den Pfarreien unterschiedlich aufwendig gestalte. Manche hätten sich schwergetan, auf die Mindestzahl von vier beziehungsweise sechs Kandidaten – je nach Größe der Gemeinde – zu kommen. Andere Pfarreien hätten mehr als die doppelte Anzahl an Kandidaten zusammenbekommen.

Knapp besetzte Listen

Der Rosenheimer Dekan Daniel Reichel zumindest hat den Eindruck, es geht aufwärts. Inzwischen könnten sich wieder mehr Gemeindemitglieder für ein Engagement im Pfarrgemeinderat begeistern. Zumindest sei während der jüngsten Dekanatsvollversammlung angeklungen, dass sich heuer mehr Kandidaten gefunden hätten als noch vier Jahre zuvor. Das kann Reichel auch für seine Gemeinden bestätigen.

Auch der Vorsteher des Pfarrverbands Brannenburg-Flintsbach, Dekan Helmut Kraus, kann berichten: In allen drei Gemeinden des Verbunds könne eine Pfarrgemeinderatswahl stattfinden. Wenngleich in zwei der drei Gemeinden gerade mal so viele Kandidaten auf dem Wahlzettel stünden, wie sie für das Gremium vorgeschrieben seien.

Probleme mit Geistlichen vor Ort

Die Zahl jener, die sich in den Pfarrgemeinderäten engagieren, stehe und falle mit der Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamt, ist Paul Deutschenbauer überzeugt. Namentlich die Zusammenarbeit der engagierten Gemeindemitglieder mit dem örtlichen Geistlichen.

Hierin könnte auch ein Grund liegen, warum die Kirchenmitglieder des Raublinger Pfarrverbands die ehrenamtliche Gemeindearbeit meiden. Dort hatte es augenscheinlich Probleme mit dem Geistlichen vor Ort gegeben, der jedoch inzwischen ersetzt wurde.

Scheu vor langfristiger Bindung

Die Gemeindereferentin der Rosenheimer Stadtteilkirche, Hannelore Maurer, sieht zudem einen weiteren Faktor, der einfließt. Ein Wandel in der Gesellschaft, der Menschen Abstand davon nehmen lässt, sich langfristig ehrenamtlich zu binden. Denn für einzelne Projekte, berichtet Maurer, fänden sich meist problemlos Freiwillige, die sich engagierten. Dafür aber von der Gremienarbeit die Finger ließen.

Ähnlich sieht das Dekan Helmut Kraus. Es sei heutzutage grundsätzlich schwieriger, Menschen langfristig für ein Ehrenamt zu begeistern. „Auf vier Jahre möchte sich kaum jemand festlegen“, sagt er mit Blick auf den Pfarrgemeinderat. „Die Menschen wollen punktuell mithelfen, aber nicht mehr kontinuierlich.“

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