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OVB-Serie zur Saurier-Ausstellung

Paläontologe Dr. Simone Maganuco hat die Rosenheimer Saurier miterschaffen

Frisch ausgegraben von Dr. Simone Maganuco: Ein Knochen des Fußgelenks eines Spinosaurus.Ambrasciano, L./Bignami, L./Dal Sasso, C. Mattarelli, D
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Frisch ausgegraben von Dr. Simone Maganuco: Ein Knochen des Fußgelenks eines Spinosaurus.Ambrasciano, L./Bignami, L./Dal Sasso, C. Mattarelli, D

Rosenheim – Dr. Simone Maganuco arbeitet für das Museum für Naturkunde von Mailand und ist Mitbegründer der Firma Prehistoric Minds. Er hat in Marokko wichtige Teile des Spinosaurus entdeckt – und spricht anlässlich der OVB-Serie zur Ausstellung „Saurier – Giganten der Meere“ über seine Arbeit.

von Albrecht Pfrommer

Herr Dr. Maganuco, Sie erforschen Saurier. Was genau machen Sie?

Dr. Simone Maganuco:„Ich reise um die Welt und suche Fossilien. Ich untersuche meine Fossilfunde, tausche mich mit anderen Paläontologen über meine Ergebnisse aus und außerdem halte ich öffentliche Vorträge über meine Entdeckungen. Und dann arbeite ich noch mit Zeichnern und Bildhauern zusammen. Wir bauen Sauriermodelle, die wissenschaftlich begründet sind.“

Wie kam es, dass Sie Paläontologe wurden?

Dr. Maganuco:„Als ich vier Jahre alte war, bekam mein Lieblingscousin ein Buch zu Weihnachten geschenkt mit Bildern von rätselhaften und erstaunlichen ausgestorbenen Tieren. Und dazu bekam er noch zwei Dino-Roboter. Damit haben wir dann die ganze Zeit gespielt. Ein paar Monate später haben wir einen Dino-Park in Norditalien besucht. An dem Tag habe ich beschlossen, Paläontologe zu werden.“

Woher wissen Sie, wo Sie nach Fossilien suchen müssen?

Dr. Maganuco:„Man muss in Gebiete gehen, wo es Sedimentgesteine eines bestimmten Alters gibt. Die enthalten Fossilien. Wir wählen die interessanten Orte mit Hilfe von geologischen Landkarten aus, in denen es Angaben zu den Gesteinen und deren Alter gibt. Wir gehen auch an Orte, wo bereits Fossilien gefunden wurden. Wir fragen oft die Einheimischen, denn häufig wissen die, wo etwas Sonderbares aus dem Boden herausschaut. Auch in den alten Sammlungen in Museen kann man aufregende Entdeckungen machen. Manchmal findet man dort versteinerte Knochen, die bisher keiner beachtet hat.“

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Welche Werkzeuge benutzen sie bei Ausgrabungen?

Dr. Maganuco:„Eine Menge! Am Häufigsten benutze ich im Gelände einen Geologenhammer und Meißel, um Fels zu entfernen. Ab und zu brauchen wir sogar einen Presslufthammer. Mit Schaufeln und Schubkarren schaffen wir Steine fort. Wir sieben den Steinschutt durch, damit wir kein Fossil übersehen. In der Feinarbeit benutze ich eine Zahnbürste zum Freilegen. Bruchstücke kleben wir schon vor Ort zusammen. Mit Markern schreiben wir uns Notizen auf den Fels, der zunächst noch am Fossil bleibt. Und natürlich müssen wir mit einem GPS die Position des Fundorts genau vermessen.“

Wie bringen Sie Fossilien heil vom Ausgrabungsort ins Labor?

Dr. Maganuco:„Wir schützten sie mit einer Hülle aus Gipsmantel und mit Jute. Stabile Fossilien hüllen wir in Toilettenpapier, das reicht. Dann werden sie in Holzkisten verpackt und mit dem Geländewagen abtransportiert.“

Und was machen Sie dann im Labor mit den Fossilien?

Dr. Maganuco:„Dort müssen wir erstmal den restlichen Fels entfernen. Dazu braucht es Geduld und Zeit. Wir benutzen leichte Hämmer und feine Meißel, arbeiten mit Nadeln unter der Binokularlupe, oder mit einem feinen Sandstrahlgerät. Manchmal ist es im Labor auch besser, den Stein um das Fossil mit Chemikalien zu entfernen. Teilweise untersuchen wir die Versteinerungen mit Röntgenaufnahmen.“

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Was war Ihr bestes Erlebnis auf einer Expedition?

Dr. Maganuco:„Es ist immer ein magischer Moment, wenn ich ein Fossil finde, weil es mir wie eine Zeitreise vorkommt. Das beste Erlebnis war, als ich Knochen vom Spinosaurus gefunden habe und noch beim Ausgraben bemerkte, dass ich einen noch völlig unbekannten Körperteil des Spinosaurus entdeckt hatte. Das war toll, auch weil die Leute um mich herum nicht nur Kollegen waren, sondern auch meine guten Freunde.“

Und das schlechteste Erlebnis?

Dr. Maganuco:„Wir mussten einmal eine Fundstelle verlassen, weil wir keine Zeit und kein Geld mehr zum Weitergraben hatten. Das ist fürchterlich, denn während du versuchst, das Geld für die nächste Expedition aufzutreiben, kann jemand die Fundstelle plündern. Es gibt leider viele Leute, die so etwas machen und die Fossilien auf dem Schwarzmarkt verkaufen.“

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Was mögen Sie am Meisten an ihrer Arbeit?

Dr. Maganuco:„Mein Arbeitstag ist sehr vielfältig und interessant. Ich muss mit vielen verschiedenen Leuten zusammenarbeiten. Das ist manchmal eine Herausforderung, aber sehr bereichernd.“

Haben Sie einen Lieblingssaurier?

Dr. Maganuco:„Unter den Meeres-Sauriern liebe ich besonders Archelon. Ich finde diese Meeresschildkröte so unerwartet groß. Und dann liebe ich Spinosaurus. Ihn studiere ich jetzt schon viele Jahre und ich konnte dazu beitragen, dass man seine Lebensweise heute völlig anders sieht als früher.“

Albrecht Pfrommer, Saurier – Giganten der Meere, das Familien-Mitmachbuch zur Ausstellung, Nünnerich-ASMUSVerlag & Media

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