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Stefan Trageser aus Rosenheim musste wegen des Lockdowns sein Reisebüro aufgeben

Stefan Trageser
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Der Rosenheimer Stefan Trageser, 55, musste Anfang des Jahres sein Reisebüro „My Perfect Holidays“ in Bruckmühl wegen der Corona-Pandemie aufgeben.

Der Rosenheimer Stefan Trageser, 55, musste Anfang des Jahres sein Reisebüro „My Perfect Holidays“ in Bruckmühl wegen der Corona-Pandemie aufgeben. Nach sieben Jahren als selbstständiger Unternehmer ist er jetzt Verkaufsleiter bei Berr Busreisen in Bruckmühl.

Rosenheim – Um sich finanziell über Wasser zu halten, arbeitete Stefan Trageser von April bis Dezember 2020 in drei Jobs gleichzeitig: morgens als Zeitungsausträger, tagsüber im Reisebüro und abends in einem Fahrradgeschäft.

„Im März 2020 hatte ich ein gut gehendes und etabliertes Reisebüro in Bruckmühl, mit vier Mitarbeiterinnen. Bei uns war auch der Buchungsstand für die Saison 2020 enorm und ließ uns optimistisch in die Zukunft sehen. Dieser Optimismus wurde mit den Grenzschließungen und Flugverboten jäh beendet.

In 95 Prozent der Fälle gingen wir komplett leer aus.

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Die nächsten 3 Monate waren wir fast ausschließlich damit beschäftigt, unsere Kunden durch das Chaos zu begleiten: Buchungen wurden abgesagt und mussten rückabgewickelt werden, sodass die Kunden wieder an ihr Geld kamen. Diese Arbeit war so aufwühlend, da der Druck immer größer wurde. Auf der einen Seite der Veranstalter oder die Airline, die aufgrund von Kurzarbeit und kompletter Überforderung praktisch nicht mehr erreichbar waren. Auf der anderen Seite die Kunden, die langsam die Geduld verloren. Für unsere Arbeit wurden wir tatsächlich nur entlohnt, wenn der Kunde verreiste oder kostenpflichtig stornierte.

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In 95 Prozent der Fälle gingen wir komplett leer aus. Mir war von Anfang an klar, dass diese Situation existenzbedrohend für mich ist. Mit jeder verlorenen Buchung versiegten die Einnahmen immer weiter, bis sie im Oktober 2020 praktisch zum Erliegen kamen. All die Corona-Hilfen haben einen Schönheitsfehler, der in Bayern nie behoben wurde: Die Firmen werden durch den Tropf am Leben erhalten, doch die Personen dahinter gehen komplett leer aus.“

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