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Das Rosenheimer Kleppermuseum bietet im Lockdown Visionen des Wasserwanderns

  • VonRebecca Seeberg
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In den Zeiten des Lockdowns kommt eine Erfindung offenbar wieder in Mode: das Faltboot. Im Klepper-Museum gibt es jedoch nicht nur dieses Exponat des Rosenheimer Schneidermeisters zu sehen, der später eine Werft gründete.

Rosenheim– Donald Duck schiebt ein mit Raubtierfängen bemaltes Faltboot ins Wasser. Geneigte Leser des „Lustigen Taschenbuchs“ sehen es kommen: Als das Boot die Mitte des Sees erreicht, klappt es einfach zusammen. Klar, dass dies dem tollpatschigen Comicbuch-Helden aus Entenhausen passieren muss.

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Allerdings habe auch der Vater des Klepper-Faltbootes, der Münchner Alfred Heurich, bei seiner Erstlingsfahrt nasse Füße bekommen, berichtet Sigrid Binder. Sie ist Vorstandsmitglied und Pressesprecherin des Klepper-Faltboot-Museums in Rosenheim.

Pressesprecherin Sigrid Binder testet ein Klepper-Faltboot mit Segel. Das Erstaunliche daran: Dieses Gefährt kann in vier tragbare Taschen verpackt werden.

„Die Klepper Werft war der erste kommerzielle Hersteller des faltbaren Bootes weltweit“, sagt Binder. Nachdem inzwischen jahrzehntelang an der Perfektion des Bootes gearbeitet wurde, sei das Gefährt nunmehr „unsinkbar“, davon ist zumindest die Faltboot-Expertin überzeugt.

Corona sorgt für Boom bei Booten

In einem Rundgang durch das Museum, das im Jahr 2000 vom Förderverein Klepper-Museum gegründet wurde, erzählt Binder vom Comeback des Wasserwanderns. Das Coronajahr 2020 habe zu einem Boom auf dem Faltboot-Markt geführt. Im Grund kommt dieser Trend wohl nicht überraschend.

Geschäft beschreitet neue Wege

Mit dem Boot, das sich in drei Taschen verpackt einfach im Kofferraum verstauen lässt, kann der coronamüde Deutsche einfach losfahren – rein ins Abenteuer. Auch Michael Müller, der im August 2020 den größten Teil des Vermögens sowie die relevanten Markenrechte der Aktiengesellschaft Klepper Faltbootwerft übernommen hat, ist von der Renaissance dieses Produkts überzeugt. „Klepper Lifestyle GmbH“ heißt das Unternehmen inzwischen.

Wer sich so ein Faltboot zulegt, lautet wohl die Botschaft, adoptiere auch einen Lebensstil. Während das Geschäft neue Wege beschreitet, verbleibt das Museum unter der Leitung der ehemaligen Vorstandschefin der Aktiengesellschaft, Ursula Isbruch.

Fertigung zum Teil in Polen

Die Ausstellung dokumentiert die Geschichte der Erfindung des Klepper-Faltbootes. Allerdings sind auch weitere Produkte des Konzerns wie der bekannte Gummimantel oder ein ausgeklappter Faltcaravan zu sehen. Während Sigrid Binder entlang der Exponate wandelt, erzählt sie vom ersten Faltboot-Boom Mitte des 20. Jahrhunderts.

Die 1907 vom Rosenheimer Schneidermeister Johann Klepper gegründete Werft sei damals zu einem weltweit gefragten Hersteller avanciert. Zur Hochzeit des Unternehmens habe man täglich 90 Boote produziert und rund 2.500 Mitarbeiter beschäftigt.

Der gesamte Klepper-Park gehörte damals der Firma. Nach dem Niedergang der Werft Ende der 70er-Jahre habe sich auch die Produktionsfläche erheblich reduziert. Die Fertigung einzelner Bauteile verlagerte das Unternehmen 2013 nach Polen, um die Herstellungskosten zu senken.

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Lange Zeit war das Markenzeichen der Firma ein gut erhaltenes Liebhaberstück aus alten Zeiten. Auch das Museum ist eher etwas für Nostalgiker. Doch seit vergangenem Jahr weht ein frischer Wind im Klepper-Faltboot-Kosmos.

Vom ersten Faltboot bis zum ausgereiften Modell: Das Museum dokumentiert die Geschichte der Klepper-Faltboote.

Die Nachfrage nach den Booten habe sich schlagartig erhöht – man sei gar nicht hinterhergekommen mit der Produktion, schildert Binder. Sie zieht einen Vergleich: Im Schnitt habe die Werft noch um die 100 Exemplare pro Jahr gefertigt. Für 2021 wolle Michael Müller die Produktion um das Dreifache erhöhen.

Auf deutschen Flüssen und den Weltmeeren

Die Faltboote sind also wieder voll im Einsatz. Das nicht nur auf den deutschen Flüssen, sie erobern die zudem Weltmeere. Wobei: Schon in den 50er-Jahren überquerte der Hamburger Hannes Lindemann mit einem Aerius-Zweisitzer in 72 Tagen den Atlantik.

Die Idee, ein faltbares Boot könne stabil sein, habe man anfangs belächelt, berichtet Binder. Es habe sich herausgestellt: Johann Klepper war ein Visionär – als hätte er geahnt, dass sich die Menschen mehr als 100 Jahre später nach den Freuden des Wasserwanderns sehnen würden. Und damit leicht bepackt und ungebunden einfach in See stechen zu können.

Rubriklistenbild: © Seeberg

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