Kolbermoorer erhält Niere von seiner Frau

Bei Organspende kann Walter Weinzierl mitreden: Eine neue Niere ist wie ein neues Leben

Froh über die Entscheidung im Jahr 2011: Walter und Anneliese Weinzierl. Walter Weinzierl engagiert sich nicht nur in Sachen Organspende – er ist auch Ehrenvorstand des Inngautrachtenverbands und Ehrenkassier des Bayerischen Trachtenverbands sowie Träger des Bundesverdienstkreuzes und der Bezirksmedaille in Silber. Fleindl
  • vonSabine Fleindl
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Die Zahl der Organspender sinkt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die Wiederspruchslösung ins Spiel gebracht. Seine Meinung: Jeder ist Organspender, außer er widerspricht. Walter Weinzierl stimmt diesem Modell zu. Er weiß, wovon er spricht: Er hat eine neue Niere bekommen – als Lebendspende von seiner Frau Anneliese.

+++ Am Mittwoch, 15. Januar 2020, stimmt der Bundestag über ein neues Organspendegesetz ab. Aus diesem Anlass blicken wir zurück auf einen Artikel, den wir zu diesem Thema am 25. September 2018 veröffentlicht haben. +++

Kolbermoor – Bei Walter Weinzierl, Jahrgang 1952, wurde bereits 1998 festgestellt, dass etwas mit seinen Blutwerten, aus welchen sich auch die Funktion der Nieren ablesen lassen, nicht in Ordnung war. Eine Gewebeentnahme der Niere ergab aber kein negatives Ergebnis, sodass erst einmal Beobachtung angesagt war.

Behandlung mit Medikamenten war erfolglos

Im Herbst 2006 ging’s dann so richtig los: Müdigkeit, Vergesslichkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, ein Kribbeln im ganzen Körper, als wenn tausend Ameisen auf und ab laufen (im Körperinneren), Kopfschmerzen – dies ließ ihn auf Geheiß seiner Frau dann wieder zum Arzt gehen. Dieser stellte bei der Blutuntersuchung fest, dass Weinzierls Kreatininwert, also der Spiegel der Nierenfunktion, weit überhöht war. Eine Behandlung mit Medikamenten war erfolglos, sodass Weinzierl ab Juni 2007 mit der Dialyse begann. Bereits nach der ersten Behandlung spürte er Linderung – und nach drei bis vier „Sitzungen“ merkte er, wie immer mehr Gift, welches sich im Laufe der Jahre in seinem Körper eingelagert hatte, heraus gewaschen wurde.

Er fühlte sich während und nach den Dialysebehandlungen, die dreimal die Woche stattfanden und über vier Stunden dauerten, zwar gut, sagte aber: „Das ist für mich keine Lösung bis ans Ende meiner Tage.“ Die Warteliste bei Eurotransplant in Leiden/Holland, welche die Organspenden (von verstorbenen Menschen) für mehrere Länder verwaltet, war nun seine große Hoffnung.

Transplantationen mit unterschiedlichen Blutgruppen?

Weinzierls Ehefrau Anneliese hatte ihm bereits Mitte 2007 eine Niere spenden wollen, die unterschiedlichen Blutgruppen verhinderten dies aber. Auch Weinzierls Schwester Brigitte und eine weitere gute Bekannte hätten ebenfalls eine Lebendspende angeboten, aber auch hier passte es nicht.

Anfang 2011 las Weinzierl, der sich beruflich bei der Post und privat bei den Mangfalltaler Trachtlern engagierte, in einer Fachzeitschrift über inzwischen positive Erfahrungen mit Nierenlebendtransplantationen von Patienten mit unterschiedlichen Blutgruppen. Dann kam alles ins Rollen – und Weinzierl ins Münchner Klinikum rechts der Isar.

Wegen der Abstoßungsgefahr wurde sein Immunsystem heruntergefahren, und am 31. Oktober 2011 begann sein neues Leben. Von Anfang an tat die Niere an ihrem neuen Platz ihre Pflicht. Anneliese Weinzierl durfte nach fünf Tagen bereits das Klinikum verlassen. Die verbliebene Niere hatte ohne Murren die Arbeit des anderen Organs mit übernommen.

Bis an sein Lebensende Medikamente nehmen

Bis an sein Lebensende muss Weinzierl gegen die Abstoßung sowie zur Regulierung mancher Blutwerte Medikamente einnehmen. Es kommt freilich immer wieder zu kritischen Situationen, wie er nicht verschweigen will: „Ich muss Erkältungen oder Entzündungen vermeiden, damit die Niere ohne Einschränkungen arbeiten kann.

Im Jahr 2017 waren mehrere Klinikumsaufenthalte notwendig, da aufgrund einer nicht entdeckten Entzündung mein Körper die Niere abstoßen wollte; letztlich sorgte ein Darmdurchbruch für die Aufklärung des Entzündungsherdes und beendete die Abstoßungsreaktionen.“

Wer ein Organ gespendet bekommt, wird zu einem neuen Menschen

Weinzierl genießt die gewonnene Zeit sowie die Freiheit bei der Termin- oder Reiseplanung – und den wieder erweiterten Speiseplan. „Eine neue Niere ist wie ein neues Leben ....“ lacht der Kolbermoorer in Anspielung auf ein bekanntes Lied. „Wer nach oft jahrelanger schwerer Erkrankung eines Organes – sei es Niere, Leber, Lunge, Bauchspeicheldrüse, Herz – dieses ersetzt bekommt, wird zu einem neuen Menschen. So jedenfalls fühle ich mich.“

Schon vor über fünf Jahren hat er deshalb Werbung für das österreichische Modell gemacht: „Da lob ich mir unsere – oft belächelten, aber in sozialen Angelegenheiten oftmals fortschrittlicheren – österreichischen Nachbarn: Jeder ist potenzieller Organspender, außer er hat seine Ablehnung hierfür schriftlich bekundet. Deshalb ist in der Alpenrepublik die Wartezeit auf eine Niere auch nur halb so lang wie bei uns, wo es acht Jahre dauern kann. Das heißt auch, dass bei uns mehr Patienten sterben müssen, weil sie nicht rechtzeitig transplantiert werden können.“

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