Neugestaltung des Oberlaufs und neuer Kanal zu Überlaufsammler

Opfer für Herderbach

Ab der Brücke des Friedhofswegs (unten links) läuft der Herderbach offen. Hier soll der neue Westkanal für Mischwasser nach links abzweigen. Wegen des Kanalbaus und der Sanierung des Gerinnes sollen in diesem Bereich zwischen Friedhofsmauer und dem Fußweg entlang der Herbststraße (rechts) etliche Bäume fallen.
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Ab der Brücke des Friedhofswegs (unten links) läuft der Herderbach offen. Hier soll der neue Westkanal für Mischwasser nach links abzweigen. Wegen des Kanalbaus und der Sanierung des Gerinnes sollen in diesem Bereich zwischen Friedhofsmauer und dem Fußweg entlang der Herbststraße (rechts) etliche Bäume fallen.

Rosenheim - Am "Herderbachprojekt" wird seit 2000 geplant und gebaut. Ziel ist, dass bei Starkregen nicht mehr Mischwasser in den Bach eingeleitet werden muss.

Derzeit bestehen am Oberlauf zwischen dem Regenüberlaufbecken an der Ebersberger Straße in Höhe der Gaborhalle und der Hauptfeuerwache an der Küpferlingstraße noch fünf Stellen, an denen bei Starkregen Mischwasser einfließt. Das entspricht nicht mehr dem Stand der Abwassertechnologie, und so muss ein neuer Mischwasserkanal gebaut werden.

Der Ausbau am Unterlauf wird bald abgeschlossen sein. Er umfasst das Regenüberlaufbecken Ebersberger Straße samt der Ableitung von dort in den Hammerbach. Derzeit wird noch im Bereich zwischen Rechenauer- und Erlenaustraße gebaut. Diese Arbeiten sollen im Juli 2012 abgeschlossen werden.

Im Zuge der Neukanalisierung am Oberlauf soll der Herderbach von der Hauptfeuerwache bis zum Friedhofsweg in einer neuen Rohrtrasse verlegt werden. Das bisherige verrohrte Bachbett wird zum Mischwasserkanal und ab dem Friedhofsweg bei der Einmündung Herbststraße/Heilig-Geist-Straße in einem neuen Kanal, dem "Westkanal", am Friedhofsweg entlang in Richtung Pfandlstraße und zum Regenüberlaufbecken zur Ebersberger Straße geführt.

Der neuverrohrte Herderbach wird beim Friedhofsweg in das offene Gerinne zwischen südlicher Friedhofsmauer und Herbststraße eingeleitet. Gerinne und Böschungen werden neu befestigt und das bisher abgedeckte Bachbett zwischen südlichem Friedhofseingang und Klosterweg geöffnet.

Im Zuge dieser Baumaßnahmen - Westkanal und Gerinnesanierung - sollen allein in diesem Bereich rund 40 Bäume fallen. Für die Gesamtmaßnahme der Neugestaltung des Herderbachoberlaufs sollen laut Planungen insgesamt 94 Bäume geschlagen werden - darunter auch etliche große Exemplare. Schon jetzt hat der Allee-Charakter des Fußwegs an der Herbststraße gelitten, da das Juni-Unwetter dort fünf große Bäume so beschädigt hat, dass sie gefällt werden mussten.

Anwohner befürchten nun in diesem Bereich einen nahezu kompletten Kahlschlag unter den großen Bäumen und fragen sich, ob das für die "Aufhübschung" des Gerinnes in Kauf genommen werden müsse. Auch die Fällungen entlang des Friedhofswegs sehen Anwohner kritisch. "Kann der neue Westkanal nicht unter dem Friedhofsweg anstatt bei der Friedhofsmauer verlegt werden, wo Bäume stehen?", fragt sich Brigitte Heinz, die dort wohnt. Sie stellt sich nicht gegen den Kanalneubau, bezweifelt aber die Notwendigkeit von Baumfällungen in diesem Umfang, zumal die großen Bäume gesund seien. "Wenn nachgepflanzt wird, dauert es Jahrzehnte, bis der jetzige Status wieder halbwegs erreicht ist", gibt sie zu bedenken. Es müsse doch einen verträglichere Lösung geben.

Klaus Lochner, Planer beim städtischen Eigenbetrieb Stadtentwässerung, bestätigt die Zahl der geplanten Fällungen: "Etwa die Hälfte sind größere Bäume." Die Exemplare seien im landespflegerischen Begleitplan zum Projekt aufgelistet. Auf die Frage, ob der Westkanal nicht direkt unter dem Friedhofsweg verlaufen könne, erklärte Lochner: "Wir brauchen für das Baufeld eine gewisse Breite, um mit den Baufahrzeugen durchzukommen. Der Kanal wird nicht direkt an der Friedhofsmauer, sondern in fünf bis sechs Meter Entfernung verlegt, daher werden Bäume an der Mauer auch stehenbleiben."

Die meisten Baumfällungen würden am Herderbachgerinne an der östlichen Friedhofsmauer hinter der Mädchenrealschule erfolgen: "Da hat es über viele Jahre Wildwuchs an der Böschung gegeben, die dadurch ebenso destabilisiert wurde wie auch die Mauer", so Lochner.

Derzeit läuft die Planfeststellung für das Projekt. "Wenn die Genehmigung erfolgt, kann ab Frühsommer 2012 mit dem Bau begonnen werden. In mehreren Etappen werden sich die Arbeiten dann bis Anfang 2016 hinziehen", sagt Lochner. Die Unterlagen des Planfeststellungsverfahrens liegen noch bis Ende des Monats im Rathaus beim Umweltamt aus, dort kann auch Widerspruch eingelegt werden.

Ob das Projekt auch mit weniger Baumfälllungen realisierbar ist, glaubt Lochner nicht, da es im Begleitplan bereits so abgestimmt ist. Die Bäume sind quasi die Opfer für einen saubereren Herderbach. Da bleibt als Trost wohl nur der Spruch: Die Zeit heilt Wunden - wenn auch in solchen Fällen nur sehr langsam.

hh/Oberbayerisches Volksblatt

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