Operation durch die Seifenmembran hindurch: Rosenheimer Schüler nehmen an Physikwettbewerb teil

Zwei, die gerne miteinander tüfteln: (von links) Viktoria Seewald und Jana Bergmann.

Während viele Jugendliche derzeit aufgrund der Ferien der Schule wenig abgewinnen können, tauchen vier Schüler des Rosenheimer Ignaz-Günther-Gymnasiums ganz tief in die Physik ein. Sie vetreten Deutschland beim Wettbewerb „Austrian Young Physicists‘ Tournament“ – aufgrund der Corona-Krise aber nur online.

Von Kilian Schroeder

Rosenheim – Wäre dieses Frühjahr wie jedes andere, würden Schüler des Ignaz-Günther-Gymnasiums in das österreichische Leoben fahren, um am „Austrian Young Physicists‘ Tournament“ (AYPT) teilzunehmen. Doch die Corona-Pandemie beeinträchtigt auch den internationalen Physikwettbewerb, der nun über Videokonferenzen läuft und noch bis Samstag dauert. Die vier Jugendlichen aus Rosenheim sind die einzigen Teilnehmer aus Deutschland.

Fachgespräche in Englisch

Für das „Team Germany Rosenheim“ treten Miriam Mosbach (17), Jana Bergmann (16), Viktoria Seewald (16) und Norman Spaeth (16) an. Sie haben in der Vorbereitung auf den Wettbewerb jeweils eines von 17 physikalischen Problemen bearbeitet, die eine Expertenjury vorgegeben hatte. Ihre Lösungsansätze müssen die Schüler dann vorstellen und sich einer wissenschaftlichen Debatte dazu stellen.

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Alle Gespräche finden auf Englisch statt. Die Bewertung übernimmt eine Jury aus Wissenschaftlern und Professoren. Das Ignaz-Günther-Gymnasium vertritt Deutschland seit 2016 beim Wettbewerb. Lehrer Thomas Grillenbeck (51) leitet das Projekt am Ignaz-Günther-Gymnasium. Er findet den Wettbewerb sehr realitätsbezogen. Denn: „In der Forschung schreibt man ja auch keine Klausuren, sondern muss seine Ergebnisse vorstellen und sie wissenschaftlich diskutieren.“ Dazu gehört auch, dass die Schüler zwar untereinander und beim Lehrer rückfragen können, aber ihre Projekte selbstständig bearbeiten müssen. Für den Wettbewerb nehmen die Schüler ihre Präsentationen auf und fertigen zwölf Minuten lange Videos, die anschließende Diskussion erfolgt in einer Live-Schalte.

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Viktoria Seewald etwa untersucht Seifenmembranen. Während schwere Objekte durch die Membrane hindurch fallen, bleiben leichte darauf liegen, die Membran insgesamt bleibt bestehen. „Theoretisch könnte man auf diese Weise vielleicht einmal Operationen in Krisengebieten durchführen, indem man die Wunde mit einer Membran steril abschließt und dann durch sie hindurch operiert, ohne dass die Membran zusammenbricht“, erklärt sie.

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Norman Spaeth untersucht ein physikalisches Phänomen, in dem ein Stab auf zwei gegeneinander rotierende Zylinder gelegt wird. Theoretisch müssten sich die Kräfte aufheben und die Zylinder zum Stillstand kommen, im Versuch aber schwingt der Stab. „Ich konnte die Technik zuhause bauen und die Versuche auch zu Hause durchführen“, sagt Spaeth. „Corona beeinflusst weniger unsere Arbeit, als den Wettbewerb selbst.“

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Nicht zuletzt die Kontakte, die man bei der Veranstaltung knüpfen könnte, gingen verloren, sagt Miriam Mosbach, die bereits mehrfach an dem Wettbewerb teilgenommen hat. „Ich bin sehr traurig“, sagt die 17-jährige. „Beim AYPT sind einige meiner besten Freunde dabei.“

Situation hat nicht nur Nachteile

Trotzdem hat die Situation offensichtlich nicht nur Nachteile: „Da ich meine Präsentation jetzt auf einem Video aufnehme, habe ich mehrere Versuche und kann nachbessern, wenn ich beispielsweise zu schnell rede“, sagt Jana Bergmann. Die 16-Jährige vertritt die Gruppe vom Ignaz-Günther-Gymnasium offiziell als „Team-Captain“. In den vergangenen Jahren konnte das Rosenheimer Team beim AYPT meist Plätze im Mittelfeld der 15 bis 16 Mannschaften erreichen. Dem Gewinner winkt ein Geldpreis.

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