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„Sehe auch Kunden in der Verantwortung ...“

Als Einzelhändler ein Standbein online? - Drei Erfahrungsberichte aus Rosenheim

Von links: Peter Horner, Inhaber des „Weinhaus am Esbaum“ im gleichnamigen Viertel in Rosenheim, Inhaber Bernhard Breit und Sales & Marketing-Managerin Marina Hantschel von „BB-Spiele“ und  Johann Struck von Bücher Johann in Rosenheim.
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Von links: Peter Horner, Inhaber des „Weinhaus am Esbaum“ im gleichnamigen Viertel in Rosenheim, Inhaber Bernhard Breit und Sales & Marketing-Managerin Marina Hantschel von „BB-Spiele“ und Johann Struck von Bücher Johann in Rosenheim.
  • Heinz Seutter
    VonHeinz Seutter
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Online-Versandriesen wie Amazon sind die immer größer werdende und viel beklagte Konkurrenz des lokalen Einzelhandels. Was, wenn man aber den Spieß umdreht und als Geschäftsinhaber selbst online einsteigt? Wir haben uns drei erfolgreiche Beispiele aus Rosenheim angeschaut.

Rosenheim - Platz, so viel Platz! Der Unterschied lässt einen sofort ins Aufmerken kommen, wenn man die alten Räumlichkeiten von „BB-Spiele“ in der Ebersberger Straße kannte. In den ehemaligen Räumlichkeiten der Discothek „Loft“ in der Kolbermoorer Straße im Aicherpark konnte sich das Geschäft sehr großzügig ausbreiten. Zwischen den Regalen, die sich meterweit erstrecken, kann man bequem hindurchgehen. Aus großen Fenstern flutet Licht die neuen Verkaufsräume. „Die Scheiben haben eine Spezialbeschichtung, sodass das UV-Licht gefiltert wird und nicht zu einem Ausbleichen der Verpackungen führt“, berichtet sichtlich stolz Marina Hantschel, Sales & Marketing-Managerin des Geschäfts.

Bilder: Der alte Standort von BB-Spiele in der Ebersberger Straße und der neue im Aicherpark

Im Juli diesen Jahres zog „BB-Spiele“ von der Ebersberger Straße in die ehemaligen Räumlichkeiten der Discothek „Loft“ in der Kolbermoorer Straße im Aicherpark um. Hier seht Ihr das alte Geschäft.
Im Juli diesen Jahres zog „BB-Spiele“ von der Ebersberger Straße in die ehemaligen Räumlichkeiten der Discothek „Loft“ in der Kolbermoorer Straße im Aicherpark um. Hier seht Ihr das alte Geschäft.
Im Juli diesen Jahres zog „BB-Spiele“ von der Ebersberger Straße in die ehemaligen Räumlichkeiten der Discothek „Loft“ in der Kolbermoorer Straße im Aicherpark um. Hier seht Ihr das alte Geschäft.
Im Juli diesen Jahres zog „BB-Spiele“ von der Ebersberger Straße in die ehemaligen Räumlichkeiten der Discothek „Loft“ in der Kolbermoorer Straße im Aicherpark um. Hier seht Ihr das alte Geschäft.
Bilder: Der alte Standort von BB-Spiele in der Ebersberger Straße und der neue im Aicherpark

Seit 2014 gab es das Geschäft am alten Standort. In der Corona-Krise machten sie dann aus der Not eine Tugend, wie sich Inhaber Bernhard Breit im Gespräch mit unserer Redaktion erinnerte: „Marina hatte mich schon länger gedrängt, doch mal richtig mit einem Webshop einzusteigen. Also haben wir uns an die Arbeit gemacht und können sagen: Es war ein voller Erfolg. Inzwischen listen wir dort über 10.000 Produkte. Unsere Retourenquote ist unter drei Prozent, was in der Branche als praktisch unmöglich gilt und wir fahren enorm gute Kundenbewertungen ein.“ Doch die immer umfangreichere Versandtätigkeit brauchte immer mehr Platz für Lagerung, Verpackstationen und so weiter. Dies führte letztlich im Juli diesen Jahres zum Umzug in den Aicherpark, wo 600 Quadratmeter Fläche, davon 400 Spiel- und Verkaufsfläche, bezogen werden konnten.

Den Spieß umdrehen und selbst online verkaufen? Drei Geschäfte aus Rosenheim berichten

Anhand von diesem und anderen Beispielen aus der Region fragt man sich: Wäre das nicht eine ideale Entwicklung, um der immer größeren und vielfach in der Branche beklagten Konkurrenz von Online-Versandriesen wie Amazon Herr zu werden? „Grundsätzlich haben über 90 Prozent der Geschäfte in Oberbayern inzwischen eine eigene Homepage, was wir auch dringend als absolutes Minimum einer Online-Präsenz anraten. Wiederum etwa 35 Prozent verkaufen ihre Produkte auch online. Das bedeutet aber nicht, dass sie auch einen eigenen Webshop haben“, berichtet Bernd Ohlmann, Pressesprecher des Handelsverbands Bayern, „Gerade für kleine Betriebe wäre das teils viel zu teuer. Viele nutzen daher Plattformen wie Amazon, Otto, Ebay, Zalando und so weiter. Das hat denen einen totalen Schub gegeben.“

„Insgesamt hat sich, gerade in der Pandemie, bewiesen, dass es nicht mehr ohne ein Online-Standbein geht. Denn man muss dort sein, wo der Kunde ist. Viele Kollegen unterschätzen leider noch wie wichtig es ist, dass jemand spontan schnell erfahren kann, wo ein Fachgeschäft ist, dass sie oder er gerade braucht!“, fährt Ohlmann fort, „Gerade Touristen informieren sich lange vorher wo es was zu kaufen gibt. ‚Wo gibt es da denn Trachten?‘, fragt sich beispielsweise der Japaner, der Amerikaner, der Saudi. Die sind dann auch teils einen gewissen Standard bei der Gestaltung gewöhnt. Öffnungszeiten, Parkplätze, Erreichbarkeiten, Anfahrtskizzen, all so etwas ist das absolute Minimum. Bei einem Online-Shop darf man auch nicht unterschätzen, dass viele Leute die ins Geschäft vor Ort wollen, sich dort vorher über Preise, Angebot und so weiter informieren.“

Handelsverband sieht Online-Präsenz als absolutes Muss in der heutigen Zeit

„Was wir natürlich auch merken, ist, dass umgekehrt auch zuvor reine Online-Händler auf einmal stationär werden: Da gibt es namhafte Beispiele wie Globetrotter oder Zalando. Auch bei der Gestaltung eines Online-Shops unterschätzen leider noch viele, was dabei alles wichtig ist. Der Kunde muss auch dort ein Mehrwertgefühl haben und inzwischen übliche Komfortfunktionen und -angebote finden. Rückgaberecht, Rückversand und so weiter müssen dazugehören“, schließt Ohlmann seine Ausführungen und betont: „Insgesamt ist mein dringender Appell an die Kollegen: Wir dürfen den Online-Handel nicht länger als Bedrohung sehen sondern müssen ihn als Chance begreifen!“

Peter Horner, Inhaber des „Weinhaus am Esbaum“ im gleichnamigen Viertel in Rosenheim.

In der Pandemie online kreativ wurde auch Peter Horner, Inhaber des „Weinhaus am Esbaum“ im gleichnamigen Viertel in Rosenheim. „Wir bieten jetzt Online-Weinverkostungen an. Dabei kriegt man die zu verkostenden Weine zugeschickt und trifft sich dann per Video-Konferenz“, berichtete Horner damals. „Daneben haben wir auch einen E-Mail-Newsletter und eine ständig gepflegte Website mit Online-Shop.“ Das Geschäft damit laufe gut. 2020 profitierte er mit vom damaligen Boom des Weinhandels, auch wenn das Kerngeschäft die Belieferung der Gastronomie bleibe, die schlicht größere Mengen abnimmt. Inzwischen sei die „Versandabteilung“ vom Hauptraum des Geschäfts in den Keller umgezogen. „Das auch, weil wir im Laden inzwischen einen großen Bereich für Verkostungen reserviert haben.“ Er erlebe es immer wieder, dass, wie von Handelsverbandssprecher Ohlmann beschrieben, Leute über seine Webpräsenz zu ihm finden würden. „Wein ist ja im wahrsten Sinne des Wortes auch eine Geschmacksfrage. Selbst wenn die Leute nicht online bestellen, wollen sie bevor sie hier her kommen durchaus wissen, was wir überhaupt im Angebot haben. Der eine mag lieber einen trockenen Weißwein, die andere einen fruchtigen Rosé.“

Bücher Johann fing als Online-Angebot an, nun konzentriert er sich auf seine beiden stationären Geschäfte

Johann Strucks „Bücher Johann“, der inzwischen Ladengeschäfte in Rosenheim und Bad Aibling hat, fing ursprünglich komplett als Online-Angebot an. Die erste Buchhandlung in der Kaiserstraße sei noch als eine Art „Popup-Store“ gedacht gewesen. Doch der Erfolg zeigte dann, dass daraus etwas dauerhaftes werden könnte. „Vor vier Jahren dann also, am 26. November 2016, ging es hier in der Gillitzerstraße, im Esbaum-Viertel los“, erinnerte er sich in einem Gespräch mit uns Ende November 2020 anlässlich seiner damaligen Auszeichnung als „hervorragende Buchhandlung“. Dass ihm die Corona-Krise nicht viel nicht ausmachte, sei nicht von ungefähr gekommen. „Da wir den Laden hier komplett neu aufgemacht hatten, waren wir von Anfang an dahinter uns, vor allem Online, bekannter zu machen. Beispielsweise bei Instagram und Facebook.“

Johann Struck von Bücher Johann in Rosenheim

Während der Lockdowns hatten wir teils enorme Mengen an Büchern, die es zu versenden galt“, berichtet Struck nun rückblickend. „Inzwischen ist das wieder zurückgeblieben, ist aber auf einem ordentlichen Niveau stabil.“ Er, der mit einem reinen Online-Versand anfing, wolle sich nun mehr auf seine beiden Buchläden konzentrieren. „Das war, soweit ich das bisher sagen kann, auch die richtige Entscheidung.“ Er könne all die beschriebenen Vorzüge, Wechselwirkungen und Wachstumspotenziale nur bestätigen, sieht aber auch letztlich den Kunden in der Verantwortung: „Am Ende stimmen Sie mit ihrem Geldbeutel ab! Das Wehklagen ist immer groß, wenn wieder ein Geschäft schließt, die Innenstädte verwaisen und so weiter. Wenn nun wir Einzelhändler uns bemühen, ebenfalls Online-Angebote aufzubauen, dann müssen das die Leute auch nutzen!“

hs

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