Baubeginn frühestens 2022

Ohne Fugen und Stolperfallen: Beschluss wird Max-Josefs-Platz in Rosenheim verändern

Schwieriges Pflaster: Der Rosenheimer Max-Josefs-Platz soll barrierefrei gestaltet werden. Eine erste Entscheidung ist jetzt im Ausschuss für Verkehrsfragen und ÖPNV gefallen.
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Schwieriges Pflaster: Der Rosenheimer Max-Josefs-Platz soll barrierefrei gestaltet werden. Eine erste Entscheidung ist jetzt im Ausschuss für Verkehrsfragen und ÖPNV gefallen.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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Es ist ein Thema, das Rosenheim seit fast drei Jahren beschäftigt: Die barrierefreie Gestaltung des Max-Josefs-Platzes. Im Ausschuss für Verkehrsfragen und ÖPNV haben sich die Stadträte jetzt darauf geeinigt, wie es in den kommenden Jahren weitergehen soll. Nur die Grünen haben andere Pläne.

Rosenheim – Jahrelang haben sich Josef Kugler, der Vorsitzende des Seniorenbeirates, die Stadtratsfraktion der Freien Wähler/UP und ÖDP-Stadtrat Horst Halser für eine Verbesserung eingesetzt. Jetzt scheint sich ihre Hartnäckigkeit ausgezahlt zu haben. „Manche Wünsche dauern halt einfach mal länger“, sagt Kugler.

Der Grund für seine gute Laune ist der Vorschlag der Stadtverwaltung, den gesamten Max-Josefs-Platz bis zum Mittertor neu zu pflastern. „Das vorhandene Pflaster soll durch ein an der Oberfläche ebenflächiges Pflaster ausgetauscht werden“, heißt es von Seiten der Stadt.

Breite Fugen und leichte Erhebungen: Die Beschaffenheit des Max-Josefs-Platzes bereitet Rollstuhlfahrern, Menschen mit Rollator aber auch jungen Müttern mit ihrem Kinderwagen große Probleme.

Breite Fugen sorgen für enorme Probleme

Dadurch könnte Rollstuhlfahrer und Menschen, die nicht gut zu Fuß sind, die Fortbewegung erleichtert werden. Denn bisher sorgen die breiten Fugen zwischen den Pflastersteinen und auch die leichten Erhebungen auf dem Max-Josefs-Platz für enorme Probleme.

Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollator bleiben mit den Rädern in den Zwischenräumen stecken. Krücken und Blindenstöcke bleiben am Pflaster hängen.

Kosten betragen rund 1,2 Millionen Euro

Bereits im vergangenen Jahr stellte deshalb der Münchner Städteplaner Jochen Baur verschiedene Ausbauvarianten zur Verbesserung der Barrierefreiheit vor. Zwei Varianten stießen damals auf Zustimmung. Zum einen die komplette Neupflasterung, zum anderen ein Pflasterweg mit großen Platten. Eine Abstimmung erfolgte nicht, dafür wurde die Verwaltung beauftragt, dem Gremium eine Kostenaufstellung für die beiden Varianten vorzulegen.

Diese wurde im jüngsten Ausschuss für Verkehrsfragen und ÖPNV vorgestellt. So betrügen die Kosten bei einer kompletten Neupflasterung rund 1,2 Millionen Euro. Die Plattenstreifen wären mit 400.000 Euro zwar deutlich günstiger, allerdings sprach sich die Stadtverwaltung – aus optischen und technischen Gründen – gegen diesen Vorschlag aus.

Acht Quadratmeter große Musterfläche fand keine Zustimmung

Auch die ursprüngliche Idee, die Pflastersteine abzuschleifen, wurde schnell wieder verworfen. Hierzu hatte es im Sommer vergangenen Jahres eine acht Quadratmeter große Musterfläche auf Höhe der Heilig-Geist-Straße gegeben. Doch schon bei einem Ortstermin zeigte sich: Das Abschleifen der Steine und das Auffüllen der Fugen bringt zwar eine leichte Verbesserung. Die Räder von Rollstühlen und Rollatoren bleiben aber auch weiterhin in den Unebenheiten hängen.

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Und so scheint wohl alles auf eine komplette Neupflasterung des Platzes hinauszulaufen. Die Ausführung soll, laut Oberbürgermeister Andreas März (CSU) aber frühestens 2022 erfolgen. „Die Gastronomen und Einzelhändler haben es durch die Corona-Krise schon schwer genug“, sagte er. Eine Großbaustelle sei das Letzte, was sie im Moment bräuchten, so März.

Um eine Idee davon zu bekommen, wie die Neupflasterung aussehen könnte, plant die Stadt eine Musterfläche. Die soll es, wenn es nach OB März geht, bereits 2021 geben. Denn genau dann verlegen die Mitarbeiter der Stadtwerke im Bereich der Heilig-Geist-Straße Leitungen. Die Wiederherstellung der Oberfläche soll dann als Musterfläche ausgeführt werden.

Grüne stehen Variante kritisch gegenüber

Doch nicht allen gefällt die Idee, den Max-Josefs-Platz komplett neu zu pflastern. „Wir stehen dieser Variante sehr kritisch gegenüber“, sagt der Fraktionsvorsitzender der Grünen, Franz Opperer. Er gab zu bedenken, dass eine Neupflasterung, die „Gesamtgestaltung der guten Stube“ veränderte und erinnerte im gleichen Atemzug an den Denkmalschutz.

Das Problem sei, so der gelernte Steinmetz Opperer, die Pflege. „Das Pflaster muss mit Hand gereinigt werden und nicht mit einer Straßenkehrmaschine. Irgendwas machen wir in Rosenheim falsch“, sagt der Fraktionsvorsitzende. Er regte an, sich für keine der Variante auszusprechen und dafür eine Stelle zu schaffen, für jemanden, der sich um die Pflege der Fußgängerzone kümmert. Dadurch würde gewährleistet werden, dass „der Charakter erhalten bleibt“.

Falsche Pflege des Pflasters

Doch nicht nur die falsche Pflege ist für die immer größer werdenden Fugen verantwortlich. Laut Amtsleiter Hans-Joachim Stein wurden in den vergangenen 35 Jahren etliche Leitungen auf dem Max-Josefs-Platz verlegt. „Bei der Wiederherstellung des Pflasters sind immer wieder Steine übrig geblieben“, sagte er.

Dadurch seien die Fugen größer geworden und zahlreiche Unebenheiten entstanden. Auch er sprach sich für eine komplette Neupflasterung aus, „damit es für die nächsten 30 Jahre hält“.

Ergebnis: 7:3 Stimmen

Der Fraktionsvorsitzende der CSU, Herbert Borrmann, befürwortete die Idee einer Musterfläche. Regte aber auch an, sie deutlich größer „als zwei Quadratmeter“ auszulegen, „damit auch Rollstuhlfahrer drüber fahren können“.

Mit 7:3 Stimmen sprachen sich die Stadträte für eine Neupflasterung des Max-Josefs-Platzes aus. Sie beauftragten die Verwaltung, die hierzu notwendigen Planungen zu erstellen, die Förderung zu beantragen und für das kommende Jahr eine Musterfläche anzulegen.

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