Ohne E-Bike, aber mit viel Schwung: Gruppe aus Rosenheim radelt in die Partnerstadt Lazise

Erinnerungsfoto: die Radlergruppe aus Rosenheim bei einem Zwischenstopp.
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Erinnerungsfoto: die Radlergruppe aus Rosenheim bei einem Zwischenstopp.
  • Anton Hötzelsperger
    vonAnton Hötzelsperger
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Es war anstrengend, aber für die Teilnehmer ein unvergessliches Erlebnis: Eine Gruppe aus Rosenheim ist jetzt mit dem Rad über die Alpen bis in die Rosenheimer Partnerstadt Lazise gefahren. Unter ihnen auch ein 79-Jähriger, der mit unglaublicher Kondition überzeugte.

Rosenheim/Prien – „Eine einfache Alpenüberquerung mit dem Tourenfahrrad“ – so lautete das Motto einer geführten Fahrradtour von Rosenheim bis zur Partnerstadt nach Lazise in Italien. Dem Aufruf „Wer radelt mit?“ von Reinmund und Josefine Hobmaier aus Prien folgte eine bunt gemischte siebenköpfige Radlertruppe. Mit dabei war unter anderem auch ein Teilnehmer aus Fehmarn an der Ostsee, der die weite Anreise bis Rosenheim nicht scheute, sowie ein 79-jähriger Radler.

Ohne E-Bikes auf die Tour

Aufgesattelt waren Tourenräder, Rennräder und Mountainbikes – alle ohne Strom und mit eigenem Gepäcktransport auf dem Rad. Der Start erfolgte frühmorgens bei tiefstem Nebel am Rosenheimer Bahnhof. Nach einer kurzen Sicherheitsunterweisung ging es 95 Kilometer am Innradweg entlang bis zum ersten Tagesziel nach Schwaz. Bereits in Kufstein zur Mittagspause war der Nebel verschwunden, und die Sonnenstrahlen erwärmten die hungrigen Radler. Ein zweiter Kaffee-Stopp folgte 30 Kilometer später in der historischen Altstadt von Rattenberg. Noch einmal 20 Kilometer, und die Unterkunft in Schwaz war erreicht.

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Der zweite Tag begann recht flach bis Hall in Tirol. Aber danach begann der lange Anstieg auf der alten Römerstraße bis hinauf zum 1370 Meter hoch gelegenen Brennerpass. Über Ampass und Patsch bis zum Etappenziel nach Steinach am Brenner führte die mit herrlichen Ausblicken gespickte Strecke.

Bis dahin waren es zwar nur 55 Kilometer, aber schon 850 Höhenmeter. Die Gruppe war recht fit, insbesondere der 79-Jährige beeindruckte mit seinem 40 Jahre alten Fausto-Coppi-Rennrad die übrigen Mitradler. So wurde schon recht früh die Unterkunft in Steinach erreicht. Was tun mit der restlichen Zeit? Kurzentschlossen hielt eine Teilnehmerin eine Gymnastikstunde mit Mobilisations- und Dehnungsübungen auf der Hotelwiese ab, um die strapazierten Muskeln für die nächsten Tage wieder auf Vordermann zu bringen. Im beheizten Schwimmbad konnten sich dann alle vollends entspannen.

Aufregendster Abschnitt am dritten Tag

Der dritte Tag ist der aufregendste Abschnitt für die Teilnehmer. Nach 14 Kilometern und 300 Höhenmetern ist der Brennerpass erreicht. Ein bisschen Stolz ist dabei schon in den Gesichtern der Radler zu erkennen. Ab da führt der perfekt ausgebaute Brenner-Verona-Radweg weiter über die Fußgängerzonen von Sterzing, Brixen und Klausen. Gerade recht für Mittag- und Kaffeepausen.

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Und zu sehen und fotografieren gab’s auch eine ganze Menge. Aber als alle meinten, das Tagesziel in Blumau, kurz vor Bozen, gleich erreicht zu haben, stoppte ein Überraschungseinkehrschwung bei Pius die Radlergruppe. Pius ist ein alter Austragsbergbauer, der an der Radstrecke eine kleine Verpflegungsstation betreibt. Man könnte fast versumpfen dort, aber Reinmund Hobmaier mahnte dann doch wieder zum Aufbruch für die restlichen sieben Kilometer. Schließlich will man ja nicht bei Dunkelheit ankommen. Und letztendlich kam ein Tagespensum von 98 Kilometern zusammen.

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Tags darauf regnete es beim Aufbruch. Eigentlich hätte eine Alternativroute für die anspruchsvolleren Radfahrer über Kaltern und den 1362 Meter hoch gelegenen Mendelpass bis zum Ziel nach Trento führen sollen, das fiel dann leider im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. So blieb die ganze Gruppe die 75 Kilometer zusammen auf dem Etschradweg bis Trento. Zu regnen hörte es zum Glück kurz nach Bozen auf, aber dafür forderte ein heftiger Gegenwind die ganze Kraft der Radler. Von Trento waren alle sehr begeistert, zumal es den meisten unbekannt war.

Schlussetappe über 90 Kilometer

Der fünfte und letzte Tag der Tour forderte noch einmal einiges an Kondition. Sehr wellig führte die 90 Kilometer lange Etappe durch Weinberge, Kiwi- und Apfelplantagen, ehe das Ziel am Stadttor von Lazise erreicht war. Rund 420 Kilometer in fünf Tagen – eine stolze Leistung! Überglücklich und froh, Lazise ohne Pannen oder Stürze erreicht zu haben wurde ausgelassen gefeiert. Der Folgetag war zur freien Verfügung. Ausruhen, bummeln und manche hängten gleich noch eine Radtour dran, so viel Spaß machte das Pedalieren.

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