Töppel: „Die Lage ist katastrophal“

Rosenheimer ÖPNV leidet unter „Lockdown light“ – Stadt verspricht finanzielle Hilfe

Die Fahrgastzahlen in den Rosenheimer Stadtbussen sind durch den neuen Lockdown weiter eingebrochen.
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Die Fahrgastzahlen in den Rosenheimer Stadtbussen sind durch den neuen Lockdown weiter eingebrochen.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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Der „Lockdown light“ hat den Rosenheimer Stadtverkehr hart getroffen. Die Fahrgastzahlen sind niedrig, die finanziellen Verluste groß. Die Stadt Rosenheim will den ÖPNV deshalb weiterhin finanziell unterstützen. Vorerst bis zum Ende des Jahres.

Rosenheim – Ingmar Töppel ist ein geborener Optimist. Das sagt er selbst. Aber die Situation der vergangenen Monate ist auch an dem Geschäftsführer des Rosenheimer Stadtverkehrs nicht spurlos vorbeigegangen. „Die Lage ist katastrophal“, sagt er am Telefon. So seien die Fahrgastzahlen durch die Verschärfung des Corona-Geschehens stark zurückgegangen. Während vor der Krise rund 15.000 Fahrgäste täglich den Bus nutzten, sind es jetzt gerade einmal 4500. „Am Samstag waren es sogar nur 1200“, sagt Töppel. Eine Verbesserung sei nicht in Sicht.

Eigenwirtschaftlicher Betrieb nicht mehr möglich

„Auch die Aussage von Bundeskanzlerin Angela Merkel, nur noch im Notfall mit Bus und Bahn zu fahren, war nicht wirklich hilfreich für den ÖPNV“, sagt Oberbürgermeister Andreas März (CSU) im Haupt- und Finanzausschuss. Er bezweifle, dass ein eigenwirtschaftlicher Betrieb des Unternehmens ohne finanzielle Unterstützung im Moment möglich sei.

Die Höhe der finanziellen Verluste wollen weder die Stadt noch Töppel genau beziffern. Der Geschäftsführer sagt nur so viel: „Normalerweise liegen die Kosten pro Woche knapp unter 100.000 Euro.“ Man dürfte also von finanziellen Verlusten im hohen fünfstelligen Bereich ausgehen.

Haushaltsmittel sollen umgewandelt werden

Doch neu ist das Problem nicht. Bereits im Oktober einigten sich die Stadträte darauf, den ÖPNV finanziell zu unterstützen. Dafür mussten Haushaltsmittel umgewandelt werden. Die 400.000 Euro, die im Haushalt zur Umsetzung des im November 2019 beschlossenen Nahverkehrsplans eingestellt wurden, sollten jetzt dem ÖPNV zugutekommen. Die Stadträte stimmten im Oktober dafür, die Finanzierung zeitlich zu begrenzen und an Bedingungen zu knüpfen.

So sollte beispielsweise sichergestellt werden, dass alle Schüler pünktlich und ohne Umwege in die Schule kommen. Auch sollten zusätzliche Verstärkerbusse eingesetzt werden, um überfüllte Busse zu vermeiden. „Die Beschwerden sind deutlich zurückgegangen“, lobte März, schlug deshalb vor, den ÖPNV bis zum Ende des Jahres weiterhin finanziell zu unterstützen.

„Probleme nicht zu 100 Prozent gelöst“

Doch nicht alle Stadträte teilten seine Meinung. „Die Probleme sind nicht zu 100 Prozent gelöst“, kritisierte Peter Rutz (Grüne). So würden nach wie vor Schüler in Pang zu spät zum Unterricht kommen. März entgegnete: „Es gab eine Zeit, da habe ich täglich zehn Beschwerde-Mails bekommen, in den vergangenen sechs Wochen gab es keine einzige.“

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Er stimmte aber zu, dass es immer noch Stellen gebe, „an denen es hakt“. Dennoch laufe es deutlich besser, und der Betreiber sei „sehr kooperativ“.

Im Bus herrscht keine Mindestabstandspflicht

Der Fraktionsvorsitzende der SPD, Abuzar Erdogan, erkundigte sich, ob in den Bussen die Abstandsregeln eingehalten werden. Auch hier habe es immer wieder Beschwerden gegeben. Doch eine konkrete Mindestabstandspflicht gibt es laut Dezernent Herbert Hoch gar nicht. Vielmehr gelte die Regelung, dass bei einer Überfüllung der Busse zusätzliche Verstärkerbusse eingesetzt würden. Eine Maßnahme, die der Stadtverkehr bereits umsetze.

Gedanken darüber, wie es weitergehen soll

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Franz Opperer, fragte, wie es mit den Maßnahmen weitergehe. So sei die finanzielle Unterstützung vorerst bis Ende des Jahres begrenzt. „Wir haben ein Konzept, wie wir weitermachen wollen“, erklärte Hoch. Sollte eine Eigenwirtschaftlichkeit auch im kommenden Jahr nicht gewährleistet sein, müsse eine weitere Notvergabe sichergestellt werden, für die Vergleichsangebote eingeholt werden.

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„Interessant wird, wie es 2021 weitergeht“, sagt auch Töppel. Mit der Unterstützung der Stadt werde sein Unternehmen bis zum Jahresende über die Runden kommen. Dann sei wieder alles offen.

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Endgültige Entscheidung am Mittwoch

Einstimmig sprachen sich die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses für den Vorschlag aus, den ÖPNV bis zum Ende des Jahres finanziell zu unterstützen. Eine endgültige Entscheidung fällt am Mittwoch, 25. November, im Stadtrat. Beginn ist um 17 Uhr im Kultur- und Kongresszentrum.

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