"Noch schöner als vorher"

Die Kinder des Kindergartens "Sonnenschein" konnten im November ihr Domizil in Oberwöhr wieder in Besitz nehmen. Die Renovierungsarbeiten der vergangenen Monate haben sie aber noch nicht vergessen, wie eine der Vorführungen am Samstag beim "Tag der offenen Tür" bewies. Foto : Schlecker
+
Die Kinder des Kindergartens "Sonnenschein" konnten im November ihr Domizil in Oberwöhr wieder in Besitz nehmen. Die Renovierungsarbeiten der vergangenen Monate haben sie aber noch nicht vergessen, wie eine der Vorführungen am Samstag beim "Tag der offenen Tür" bewies. Foto : Schlecker

Die Hochwasser-Katastrophe im Juni hatte den Kindergarten "Sonnenschein" in Oberwöhr komplett geflutet. Das Wasser hatte den Boden aufgeschwemmt, die Trockenbauwände zerstört und alle Einrichtungsgegenstände unbrauchbar gemacht. Der Kummer bei Eltern, Kindern und Erzieherinnen war groß. Die Hilfsbereitschaft, die darauf folgte, war überwältigend. Beim "Tag der offenen Tür" am Samstag erstrahlte die Einrichtung im neuen Glanz.

Rosenheim - Der Kindergarten "Sonnenschein" ist ein Teil der konduktiven Tagesstätte. Träger ist der Verein "Fortschritt Rosenheim". Die Einrichtung hatte gerade ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert, die erste Renovierung lag noch nicht lange zurück, als die Fluten alles zerstörten. Der Schaden wurde bereits in den ersten Tagen auf über 150000 Euro beziffert. Es stand die bange Frage im Raum: "Wie soll es jetzt weitergehen?".

Die enorme Welle der Hilfsbereitschaft, die folgte, wird auch Einrichtungsleiterin Andrea Papné nie vergessen. "Das war unglaublich", erinnert sie sich. Viele Spender und Sponsoren von nah und fern sicherten sofort finanzielle Unterstützung zu. Andere kamen, um beim Aufräumen und Renovieren tatkräftig mitanzupacken.

Betreut nach der Petö-Methode - benannt nach einem ungarischen Professor - werden in der Einrichtung rund 20 körper- und mehrfach behinderte Kinder. Für ihre Betreuung musste nach der Flut eine Übergangslösung gefunden werden. Fünf Monate kamen sie mitsamt ihren Erzieherinnen im Kindergarten der Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit in Kolbermoor unter.

"Dort war es sehr schön. Wir wurden herzlich aufgenommen. Inklusion wurde erlebbar", erzählt Papné über diese Zeit. Trotzdem ist sie jetzt froh, dass der Kindergarten "Sonnenschein" nun wieder nutzbar ist: "Daheim ist eben daheim."

Seit November werden die Kinder bereits wieder in Oberwöhr betreut. Sämtliche Räumlichkeiten sind renoviert. "Es ist sogar noch schöner geworden als vorher", freut sich Elternbeirätin Beate Niedermayr. Ihr dreijähriger Sohn Hannes stimmte ihr da am "Tag der offenen Tür" statt vieler Worte mit einem strahlenden Lächeln zu. Wie alle anderen Buben und Mädchen auch, fühlt er sich wieder rundum wohl in seinem Kindergarten.

"Durch die enorme Spendenbereitschaft haben unsere Kinder nun die bestmögliche Gestaltung und Einrichtung bekommen", freut sich Sylvia Rieder, die in der Tagesstätte für die Verwaltung zuständig ist. Neu ist zum Beispiel eine Fußbodenheizung. "Die tut den Kindern besonders gut, denn viele von ihnen bewegen sich viel auf dem Boden", so Rieder. Holzböden sorgen für Helligkeit. Frische, kräftige Farben an den Wänden strahlen Fröhlichkeit aus. Völlig umgestaltet wurde auch das Bad: Die Dusche ist jetzt barrierefrei.

Besonders stolz ist der Verein "Fortschritt" aber auf seinen "Snoezelen-Raum". Das Konzept dafür stammt aus den Niederlanden und wurde in den 1970er-Jahren entwickelt, um Menschen mit sensorischen Störungen und Behinderungen einen behaglichen Ort der Ruhe und Entspannung zu bieten. Es gibt eine gemütliche Sitz- und Liegelandschaft, ruhige Musik im Hintergrund, eine kleine Wassersäule und Farbprojektionen an den Wänden.

Beim "Tag der offenen Tür" konnten nicht nur die neuen Räumlichkeiten inspiziert werden, die Besucher durften auch erleben, wie der Alltag in dieser Einrichtung aussieht. Es gab Voträge über die konduktive Förderung ebenso wie die Möglichkeit zum persönlichen Erfahrungsaustausch mit den Konduktoren.

Betreut und gefördert werden in dieser Petö-Einrichtung Kinder mit unterschiedlichen Behinderungsbildern ab sechs Monaten bis ins Schulalter. Im Mittelpunkt der ganzheitlichen Förderung steht die Selbstständigkeit in allen Lebensbereichen. Aber auch Spiel, Musik, Theater und Kreativität haben im Petö-Kindergarten einen hohen Stellenwert. Zusätzlich werden Kooperationen in den Bereichen Logopädie, Neurologie und Orthopädie einschließlich Orthopädietechnik angeboten. Die Kosten für einen Kindergartenplatz werden in der Regel vom Bezirk Oberbayern übernommen. Wer sich dafür interessiert, kann sich mit dem Konduktiven Förderzentrum in Oberwöhr unter der Telefonnummer 809040 in Verbindung setzen.

Für die Einrichtungsleiterin Andrea Papné zählt jetzt nur noch der Blick nach vorn: "Alle Arbeiten sind geschafft. An das Hochwasser wollen wir nun nicht mehr denken."

Kommentare