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Noch 46 Prozent Katholiken

Zur Zeit der Stadtgründung vor 150 Jahren war Rosenheim faktisch ein katholischer Markt. Das hat sich grundlegend gewandelt. Heute gehören nur noch 46 Prozent der Rosenheimer der katholischen Kirche an.

Rosenheim - Über die "Situation von Kirche, Glaube und Moral in einer profanisierten Gesellschaft", sprach der Rosenheimer Pfarrer Andreas Zach in der Jahreshauptversammlung des Vereins City-Management, also in einer Gesellschaft, in der Kirche bei weitem nicht die Rolle spielt wie früher.

Zach rief die frühere enge Verzahnung von christlichem Glauben und europäischer Kultur ins Gedächtnis. Die Veränderungen von Glaube und Kirche würden sich in Rosenheim am besten in den Gottesdiensten zur Stadterhebung 1864 und heuer im Jubiläumsjahr audrücken: Vor 150 Jahren ein katholisches Hochamt in der damals einzigen Pfarrkirche St. Nikolaus, 2014 auf Anregung von Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer ein interreligiöses Gebet vor dem Kuko.

"Bei meinem Amtsantritt vor sieben Jahren wurde mir vom Erzbischöflichen Ordinariat mitgeteilt, dass es in Rosenheim inzwischen über 100 verschiedene Religionsgemeinschaften gibt", sagte Zach. Das Verhältnis der Zugehörigkeit zu einer religiösen Gruppe verschiebe sich enorm. Noch vor zehn Jahren gehörte mehr als die Hälfte der Einwohner der Stadt der katholischen Kirche an. Jetzt sind es noch 46 Prozent, Tendenz fallend.

Wenn immerhin noch 66 Prozent der Einwohner Rosenheims den beiden großen christlichen Glaubensgemeinschaften angehören, so seien doch die evangelische wie die katholische Kirche ein "Anbieter auf einem religiösen Markt geworden, der immer vielfältigere Züge annimmt". Ein nicht kleiner Teil der Gesellschaft bezweifele inzwischen die Notwendigkeit einer religiösen Prägung und Erziehung.

Durch die Wiedervereinigung und die säkularen Tendenzen in der Bundesrepublik sei heute die Gruppe derer, die offiziell keiner Glaubensgemeinschaft angehören, die größte. Sowohl die katholische wie die evangelische Kirche sind für sich genommen kleiner. "In etwa 25 Jahren wird der Punkt erreicht sein, an dem unser Staat weniger als 50 Prozent Christen zählt, ein Datum, das viel verändern kann und verändern wird, wenn der Ruf nach einer vollkommenen Trennung von Kirche und Staat sich durchsetzt", gab Zach zu bedenken und fragte: "Werden die Zeiten dann endlich besser?" Seine Antwort lautet: "Ich glaube, eher nicht."

Die Geschichte habe auch in jüngster Vergangenheit gezeigt, dass Kirchen ein bedeutender Versammlungsort und eine entscheidende Instanz des Widerstands sind, wenn es um Unrechtssysteme geht. Freilich, so Zach, hätte der Widerstand in bestimmten Fällen massiver ausfallen können, vor allem in der Zeit des Nationalsozialismus.

Die soziale Marktwirtschaft habe entschieden dazu beigetragen, dass aus einem zerstörten Deutschland eine blühende Wirtschaftsnation erwachsen ist. Vergessen sei leider, dass dieses Wirtschaftsmodell in der katholischen Soziallehre und evangelischen Ethik seinen Grund habe. Erinnerungen an die soziale Verpflichtung des Eigentums würden heute nur noch durch kirchliche Denkschriften und päpstliche Enzyklen wach gehalten: "Geiz ist geil."

Als Zach vor sechs Jahren mit einem Weihekurs Paris besuchte, stellte er in heruntergekommenen Stadtvierteln erschrocken fest, dass die Sozialsysteme im Nachbarland auch nicht nur annähernd hiesigen Standard haben. Er wagt die These: "Wo Kirchen in Deutschland noch stark vertreten sind, leben die Menschen in geschützteren und stabileren Verhältnissen." Zurzeit würden große Wertedebatten geführt. Gleichzeitig stelle er aber fest, so Zach, dass verbindliche Orientierungen nicht besonders gefragt seien. Aus Berufen würden Jobs, aus Treue und Vertrauen Nachhaltigkeit, aus Werten Vereinbarungen. Kirchen hingegen würden an langfristige Lebensentwürfe erinnern, an Zusagen, die Krisen überdauern, und an die alte Weisheit, dass "ich nur über meinen Nächsten zu meinem eigenen Glück finde". re

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