Neues Bauland in Sicht

Nach mehr als zwei Jahren fand jetzt wieder eine Bürgerbeteiligung zum Stadtentwicklungskonzept 2025 statt. "Bauen Sie nicht einfach die nächste Streuobstwiese zu, weil Siedlungsfläche gebraucht wird", riet Professor Dr. Franz Pesch den Rosenheimern im Kultur- und Kongresszentrum. Foto : bi
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Nach mehr als zwei Jahren fand jetzt wieder eine Bürgerbeteiligung zum Stadtentwicklungskonzept 2025 statt. "Bauen Sie nicht einfach die nächste Streuobstwiese zu, weil Siedlungsfläche gebraucht wird", riet Professor Dr. Franz Pesch den Rosenheimern im Kultur- und Kongresszentrum. Foto : bi

In Rosenheim bezahlbaren Wohnraum zu finden, wird immer schwieriger - und die Stadt wächst. Um den Bedarf zu decken, müssen in den nächsten Jahren jährlich 400 Wohnungen entstehen.

Wo die Stadt dafür Bauland ausweisen will, hält sie derzeit noch geheim. Man will keine Grundstücksspekulanten anlocken und vor allem erst Gespräche mit den Eigentümern führen.

Rosenheim - Nach mehr als zwei Jahren hatte die Stadtverwaltung wieder zu einer Bürgerbeteiligung zum Stadtentwicklungskonzept 2025 eingeladen. Baudezernent Helmut Cybulska begründete im Kultur- und Kongresszentrum die lange Pause damit, dass man die ungemein wichtigen Themen der Stadtentwicklung aus dem Kommunalwahlkampf habe heraushalten wollen. Die Arbeit sei intern durchaus weitergegangen.

"Intern" nütze nichts, hielten ihm Kritiker entgegen, die sich von neuen Erkenntnissen im Rahmen des Planungsprozesses abgeschnitten fühlen. Sie fürchten, die Bürgerbeteiligung sei nur eine Fassade. Der Stadtrat werde das von Fachleuten und Bürgern gemeinsam erarbeitete Konzept ohnehin nicht umsetzen. Im Sommer nächsten Jahres soll es präsentiert werden. "Wirklich fertig ist es aber tatsächlich nie. Das Konzept wird die Grundlage sein für einen dauerhaften Planungsprozess mit ständiger Überprüfung der Zielsetzung", hob Cybulska hervor. Dies hatte auch Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer bei der Begrüßung betont.

Rund 150 Besucher wollten wissen: Wie geht es weiter mit Rosenheim? Als Koordinator des gesamten Prozesses wies Professor Dr. Franz Pesch zunächst darauf hin, die Stadt stehe nicht schlecht da. 98 Prozent der Befragten hatten bei einer Erhebung der Hochschule angegeben, sie würden gerne hier leben, "ein überwältigend gutes Ergebnis". Geht man jedoch ins Detail, schälen sich Schwachpunkte heraus. Dazu gehört vor allem die Wohnraumsituation.

Rosenheim hat jetzt rund 61000 Einwohner. 2030 werden es voraussichtlich 1800 mehr sein. Für sie zusätzlich Wohnraum zu schaffen, erscheint auf den ersten Blick nicht so schwierig. Doch tatsächlich ist der Bedarf wesentlich größer, weil alte Menschen heute nach dem Tod des Partners nicht mehr in eine kleinere Wohnung ziehen, sondern dort bleiben, wo sie immer gelebt haben. Wohnraum ist also vorhanden, steht aber für andere nicht zur Verfügung.

Dies wirkt sich so aus, als würden weitere 4300 Einwohner nach Rosenheim drängen. Damit wären in den nächsten 15 Jahren etwa 6100 Menschen mit etwa 3000 Wohnungen zu versorgen. Günstig sollen sie auch sein. Das fordern vor allem junge Familien, die sich die jetzigen Preise kaum mehr leisten können.

Wo neues Bauland ausgewiesen werden könnte, hat der Stadtrat bereits diskutiert und sogenannte noch geheime "Flächensteckbriefe" erarbeitet. "Jede öffentliche Diskussion wirkt sich auf den Wert potenzieller Bauflächen aus", warnte Baudezernent Cybulska. Erst will die Stadt mit den Eigentümern Vereinbarungen schließen. Später wolle man die Diskussion mit den Bürgen in den einzelnen Stadtteilen führen, damit sie die zukünftige Entwicklung mitbestimmen können.

Wichtige Grundsätze für Neubau und Wohnen fasste Professor Pesch zusammen. Dazu gehört eine stärkere Durchmischung der Gebiete mit verschiedenen Gebäudegrößen oder auch sozialem Wohnungsbau: "Es soll nicht mehr heißen, hier wohnen die einen, dort die anderen." Zu berücksichtigen sei auch, dass etwa zehn Prozent der Bevölkerung auf Barrierefreiheit angewiesen ist und ältere Menschen in einer sich wandelnden Gesellschaft neue Wohnformen wünschen. Zudem seien Familien zu fördern.

"Bauen Sie aber nicht einfach die nächste Streuobstwiese zu, weil Siedlungsfläche gebraucht wird", gab Pesch den Rosenheimern mit auf den Weg. Auch auf Frischluftschneisen und Korridore, die die einzelnen Stadtteile trennen, sei Rücksicht zu nehmen.

Landschaftsarchitektin Ursula Hochrein hatte die Freiflächen in der Stadt untersucht und eine insgesamt gute Qualität festgestellt. Doch lasse sich noch einiges verbessern, schützen und weiter entwickeln. So plädiert sie für die Stärkung der Grünbereiche entlang der Gewässer. Wer diese mehr nutzen könne, müsse nicht erst mit mit Auto die Stadt verlassen, um woanders Erholung zu finden.

Ein alteingesessener Rosenheimer beklagte in der Diskussion, Einheimische hätten gegen die "geldigen" Münchener kaum eine Chance, ein Grundstück zu kaufen. Unter anderem deshalb ist die Stadt derzeit dabei, ein neues Einheimischenmodell zu prüfen.

Mehrfach sprachen Besucher in der Diskussion das geplante sogenannte Nahversorgungszentrum (Nvz) im Norden der Stadt an. Gegner des Projekts hielten der Verwaltung entgegen, damit würden alle Zielsetzungen des Stadtentwicklungskonzepts zunichte gemacht, noch bevor es überhaupt beschlossen ist.

Entwurfskonzept

im Internet

Der vom Architekturbüro Pesch und Partner zusammengestellte Entwurf für das Stadtentwicklungskonzept 2025 vom Dezember 2014 lässt sich unter dem Stichwort "Rosenheim 2025" auf der Homepage der Stadt unter www.rosenheim.de aufrufen. Den Dialog mit den Bürgern will die Stadt ab Herbst 2015 mit weiteren Veranstaltungen fortsetzen.

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