93 GRAD

Neue Rösterei in Pang: Zwei Männer, ein Ziel und das Geheimnis hinter gutem Kaffee

Sebastian Wolfarth steht am Röster
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Der Mann der Bohnen: Sebastian Wolfarth steht an dem Röster, der über Kabel mit einem Computer verbunden ist. Hier kann er genau sehen, wann die richtige Temperatur erreicht ist und die Bohnen fertig sind.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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In die Räume des ehemaligen Keramikbetriebs Vogt in Pang ist neues Leben eingekehrt. Vor einigen Tagen hat hier die Rösterei „93 Grad“ eröffnet. Warum Kaffeerösten eine Kunst ist, die erst perfektioniert werden muss.

Rosenheim – Sebastian Wolfarth (48) und Johannes Nowak (30) haben ein Ziel. Sie wollen den besten Kaffee Rosenheims machen. Das sagen sie gleich zu Beginn des Gesprächs. Während Johannes Nowak den ersten Kaffee aufsetzt, führt Sebastian Wolfarth durch die Räume der Rösterei.

Dort, wo fast 50 Jahre lang Keramikkrüge und handbemalte Taufteller hergestellt wurden, stehen jetzt Säcke mit Kaffeebohnen aus Peru, Brasilien und Guatemala. Es gibt einen Verkaufsraum, in dem – sobald es die aktuelle Situation wieder zulässt – Kaffeeverkostungen und Barista-Kurse stattfinden sollen.

Kaffeeduft riecht man auch durch FFP2-Maske

Über eine Treppe geht es zu dem Herzstück des Ladens, dorthin wo Sebastian Wolfarth und Johannes Nowak den Kaffee rösten, verkosten und sich neue Rezepte überlegen.

In der Mitte des Raumes steht ein Holztisch, auf dem mehrere Tassen aufgereiht sind. Den Kaffeeduft riecht man auch durch die FFP2-Maske.

Vom Hufschmied zum Kaffeeröster

Während Sebastian Wolfarth einen Sack Bohnen in den Röster kippt, mahlt Johannes Nowak die fertigen Bohnen mit einer Kaffeemühle. Hier sind die Männer in ihrem Element. Jeder Handgriff sitzt, jeden Schritt haben sie schon hunderte Mal zuvor gemacht. Wer den Beiden zusieht, erahnt, wie viel Spaß das Rösten ihnen macht.

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„Ich bin eigentlicher gelernter Hufschmied“, sagt Wolfarth, während er den Blick auf seinen Computer gerichtet hat, der über Kabel mit dem Röster verbunden ist. Hier kann er genau sehen, wann die Bohnen fertig sind.

Wolfarth musste Leben umstellen

Während er wartet, erzählt er seine Geschichte. Von der Zeit, als er „gesundheitlich und seelisch am Ende war“. Man habe ihm damals gesagt, dass er sein Leben umstellen muss. Er machte eine Liste, überlegte, welche Dinge er gerne mache. „Da blieb eigentlich nur der Kaffee“, sagt er und lacht.

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Er sei von Wasserburg nach Rosenheim gezogen, habe sich immer tiefer in die Kaffeegeschichte eingelesen und in verschiedenen Cafés gearbeitet. Irgendwann habe er dann Johannes Nowak kennengelernt. „Für uns war schnell klar, dass wir etwas zusammen machen müssen.“

Qualität so hoch wie möglich

Weil Beide genug davon hatten, in der Gastronomie zu arbeiten, entschieden sie sich „an die Basis zu gehen“. Sie wollten wissen, wo die Bohnen herkommen und unter welchen Verhältnissen sie geerntet werden. „Unser Anspruch war immer, dass die Qualität so hoch wie möglich ist“, sagt Nowak.

Ein eingespieltes Team: Sebastian Wolfarth (links) und Johannes Nowak.

Er selbst habe schon immer in Cafés gearbeitet, machte schließlich – gemeinsam mit Wolfarth – eine Barista-Ausbildung. Mittlerweile ist Nowak ein zertifizierter Barista-Trainer und kennt sich aus in der Welt des Kaffees. Er weiß, was einen guten Kaffee ausmacht, welche Temperatur das Wasser haben sollte, bevor man es über den gemahlenen Kaffee gießt.

Vorsichtig nimmt er einen Schluck von dem frisch aufgebrühten Getränk. Er nickt zufrieden, weist auf den Schoko-Nuss-Geschmack hin.

Zusammenarbeit mit dem „Bücher Johann“

Es ist nur eine von zahlreichen Geschmacksrichtungen, die in der Kaffeerösterei „93 Grad“ angeboten werden. In den kommenden Monaten soll das Geschäft kontinuierlich ausgebaut werden. Trotz Corona-Krise.

Wolfarth und Nowak wollen im Moment vor allem über „Click und Collect“ ihren Kaffee unter die Leute bringen. Es gibt die Möglichkeit, die Bohnen abzuholen oder sich direkt nach Hause liefern zu lassen. „Wir arbeiten innerhalb Rosenheims mit dem Bücher Johann zusammen“, sagt Wolfarth.

Maßarbeit: Johannes Nowak mahlt den Kaffee mit der Hand und misst das Pulver genau ab.

Denn neben der Rösterei auch noch die Auslieferung zu übernehmen, wäre für die Beiden im Moment kaum zu stemmen. Aufstocken wollen sie trotzdem nicht. „Wir bleiben erst mal zu zweit“, sagt Nowak. Das garantiere auch, dass Service und Qualität nicht zu kurz kommen.

Pop-up-Store in der Fischküche

Dass beides stimmt, kann Christine Haldig von der Fischküche bezeugen. Sie habe dem Duo kurzerhand ihren Pavillon angeboten, um dort einen Pop-Up-Store einzurichten. Bis Ende Februar. „Wir haben sofort zugeschlagen“, sagt Wolfarth. Von Mittwoch bis Samstag gibt es hier zwischen 11 und 15 Uhr Kaffee.

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