Ins neue Jahr gesegelt

Sissi Behamer singt „Mackie Messer“, hinten links Andi Kulot, rechts Hans Anker.
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Sissi Behamer singt „Mackie Messer“, hinten links Andi Kulot, rechts Hans Anker.

Rosenheim – Das Tam-Ost im Gewerbegebiet an der Chiemseestraße hat ein treues Publikum. Der Theatersaal fasst gerade mal 100 Personen. Karten für die Silvestervorstellung sind regelmäßig spätestens im November ausverkauft.

Für manche Gäste ist es also geradezu ein Ritual in der letzten Nacht des Jahres. Erst bedienen sie sich am üppigen Büfett, dann genießen sie die Show, die die Zeit bis Mitternacht auf vernügliche Weise verkürzt.

Weitere Termine

Ab 27. Februar ist das Programm im Tam-Ost als Faschingsshow zu sehen: an allen Freitagen, Samstagen und Sonntagen und vom unsinnigen Donnerstag bis Rosenmontag täglich.

Reservierung unter der Telefonnummer 0 80 31/2 34 18 0 oder im Internet unter www.tam-ost.de. Es gibt bereits viele Vormerkungen.

Wer Jahr um Jahr dabei ist, kennt den Ablauf also schon gut. Doch den Theaterleuten ist es gelungen, sie zum Jahresende 2011 zu verblüffen, nach dem Motto: „Wir können auch anders“. Diesmal sind nicht nur Pop-Ohrwürmer in das Programm eingebaut, die man von Michael Jackson oder Lady Gaga kennt. Hans Anker mischt für seine kleinen Theaterszenen einer märchenhaften Seefahrt ungewohnterweise Opernchöre, Verdi, Wagner, Flotow und Carl Orff darunter, auch Friedrich Holländer. Die Seefahrt mit dem Titel „Klabauter und die Piraten“ kam vor der Pause etwas langsam in Gang, nahm danach aber kräftig Fahrt auf und erreichte sicher ihren Höhepunkt mit Hans Anker im wehendem Gewand am Bug der „Titanic“. Er und der in Frauenkleidern bezaubernd schöne Andi Kulot sorgen für die altbewährte Travestie-Komik. Maat Hermann Hager gesellt sich mit gewollt derber Putzfrauen-Eleganz als Dritter hinzu.

Es tummeln sich schöne Mädchen und „Damen“ in Häfen und Kneipen und vor allem auf dem Piratenschiff, das mit ein bisschen Reling und einem großen Rahsegel in die blaue Weite fährt. Die Mannschaft befiehlt der leicht trottelige Käptn-Chef Andi Altmaier mit rosarotem Flamingo auf der Schulter. Er selbst, seine Piraten (Mani Altmaier und Andy Rebisz) und der Maat werden vom Klabauter an der Nase herumgeführt. Der hat sich als Schiffsjunge Finn in die Mannschaft eingeschlichen, gespielt von Serafin Schumann, dem jüngsten und neuesten Ensemblemitglied. Seine kleinen Verse dürfte er ein bisschen langsamer sprechen, damit das Publikum dem Sinn des Textes folgen kann.

Hübsche Piratinnen und Markfrauen erweitern die Schiffscrew: Jutta Schmidt, Aurelie, Jo und Valerie Schumann. Sie glänzen aber auch niedlich in Hula-Kostümen oder gespenstisch als „Dirty Dianas“. Jutta Schmidt tanzt mit eleganten Bewegungen in der Hafenbar einen burlesken Federtanz mit dezent-erotischem Ministrip. Jo Schumann gibt als Barmusikerin am Akkordeon, am Klavier und mit dem Saxofon die Begleitung zu den auf der Bühne gesungenen Liedern. Und wie das so ist bei einer Amateurtruppe: Einer trifft den Ton, beim anderen klingt es ein wenig schräg.

Hafenkneipenbesitzerin Sisi (Sissi Behamer) interpretiert Lieder von Curt Weill. Die rauchige Stimme verrät ein gelebtes Leben, zu Silvester leider auch eine Erkältung. Hier singt eine „Frau mit Vergangenheit“.

Ingo Hoborn, Ninette und Gerhard Sellmair gaben Licht und Ton zu der Show, die sich wieder Hans Anker ausgedacht und als Regisseur in Szene gesetzt hat. Die Choreografien dafür erdachten Hermann Hager und Jutta Schmidt mit Valerie und Aurelie Schumann.

Ein wenig abrupt erscheint zunächst der Schluss. Doch dann mündet die Show doch noch in ein stimmungsvolles Finale. Bis zur Wiederholung im Fasching (siehe Kasten) haben sicher alle ihren Text gelernt.

rm/bi/Oberbayerisches Volksblatt

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