Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


RS-Virus wieder auf dem Vormarsch

Neben Corona kehren die alten Bekannten zurück: Kinderärzte in der Region melden Land unter

Mehr Aufgaben, nicht unbedingt mehr Ärzte: Derzeit berichten viele Kinder-Mediziner von großen Andrang.
+
Mehr Aufgaben, nicht unbedingt mehr Ärzte: Derzeit berichten viele Kinder-Mediziner von großen Andrang.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
    schließen

Corona ist noch nicht Vergangenheit, da melden sich schon die alten Bekannten zurück: Kinderärzte in der Region Rosenheim berichten über eine wachsende Zahl von RS-Infektionen. Die können vor allem Säuglingen übel mitspielen. Bei vielen Kinderärzten ist jetzt schon Land unter.

Rosenheim – Der Chef? „Tut uns leid“, sagte die Frau am anderen Ende der Leitung, „der kümmert sich gerade um einen Krankheitsfall in der eigenen Familie.“ Und überhaupt: Sie selbst vereinbare Termine bis acht Uhr abends, danach komme die Nachbesprechung, „und um zehn Uhr geh‘ ich dann nach Hause“.

Das Gespräch mit der Sprechstunde hat so tatsächlich stattgefunden. Und man könnte noch viele Variationen davon anfügen. Mit kleinen Unterschieden, aber demselben Tenor: Die Kinderärzte im Landkreis Rosenheim melden „Land unter“. Und das liegt auch, aber bei Weitem nicht nur an Corona.

Ebenfalls interessant: Kinderkurve geht durch die Decke: Schüler haben in Region Rosenheim die höchsten Corona-Inzidenzzahlen

Manchmal werden die Ärzte des Andrangs nur noch mit Improvisation Herr. Auch Kinderärzte helfen einander aus, sagt etwa Prof. Dr. Gerhard Kluger aus Vogtareuth. Das sei aber zur Zeit nicht so einfach. „Ich habe versucht, Kollegen anzurufen. Bei einer Praxis waren es 15 Versuche, bis ich durchgekommen bin.“

Ob in Vogtareuth, Prien, Bruckmühl, Brannenburg oder in Rosenheim selbst – die Recherche-Anrufe der OVB-Heimatzeitungen erbrachten das übereinstimmende Ergebnis: Die Kinderärzte sind noch vor dem Einsetzen des richtigen Schmuddelwetters stark beschäftigt. „Ich habe keine Zeit zu klagen“, sagt etwa Dr. Thomas Nowotny aus Stephanskirchen.

Respiratorisches Synzytial-Virus auf dem Vormarsch: Es liegt nicht nur an Corona

Die Terminnot hat natürlich etwas mit der Pandemie zu tun. Nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder hätten seelisch mit der Überwindung von Stress und Isolation während der Pandemie zu tun, sagt Kluger. Außerdem kommen jahreszeitlich bedingt zusätzliche Aufgaben auf die Ärzte zu.

Lesen Sie auch: Wie schützt man Kinder vor Long Covid? Rosenheimer Kinderarzt Otto Laub redet Klartext

Viele Kinder mit Husten oder Schnupfen müssen nunmehr außerhalb der Reihentests an den Schulen zusätzlich ihre Corona-Freiheit nachweisen lassen. Schnelltests brächten zwar ein schnelles Ergebnis, bedeuteten aber für die Ärzte mehr Arbeit als PCR-Tests, sagt Nowotny. „Es ist ein Unterschied, ob sie den Test einfach nur eintüten und für den Transport ins Labor abgeben oder ob sie eine Viertelstunde aufpassen müssen, bis ein Ergebnis erscheint.“

Auch die Impfempfehlung der Stiko für junge Menschen ab zwölf Jahren mache sich bemerkbar, berichten viele Ärzte aus dem Landkreis. Impfungen für Kinder und Jugendliche bescheren den Ärzten nach Nowotnys Worten denselben Aufwand wie bei Erwachsenen. Ärzte seien angehalten, die Menge des vorbestellten Impfstoffs vollständig zu verimpfen und darüber Buch zu führen.

Lasse ein Impfkandidat den Termin verfallen, sei es mitunter schwierig, auf die Schnelle jemand anderen an seiner Stelle zu einem Impftermin zu bewegen – meistens verplanen die Ärzte da übrigens ihre sprechstundenfreie Zeit.

Dem Immunsystem fehlt Training gegen den RS-Virus

Die Pandemie wirkt sich aber auch indirekt aus. Vergangenes Jahr steckten sich wenige Kinder mit den üblichen Krankheiten an, wegen Lockdowns und Distanzunterrichts fehlte ihnen schlicht die Gelegenheit dazu – und damit auch die Chance, ihr Immunsystem zu trainieren.

Beispiel RS-Viren. „Normalerweise tauchen die RS-Fälle verstärkt Ende Oktober, Anfang November auf“, sagt Kinderarzt Otto Laub. „Vergangenes Jahr aber war da Fehlanzeige.“ Dafür seien die Praxen heuer bereits ab Juli verstärkt damit konfrontiert worden.

Auch die Romed-Kliniken registrieren derzeit ein deutlich erhöhtes Patientenaufkommen – gerade von Kindern. Hauptursachen seien vor allem Infekte der oberen und tiefen Atemwege, heißt es seitens des Romed-Verbunds.

Andere Leser interessierten sich für: Dr. Stephan Budweiser über Lektionen der Corona-Pandemie: „Ein langer Lernprozess“

RSV steht für Respiratorisches Synzytial-Virus. Fieber, Schnupfen, Husten und Atembeschwerden gehören zu den häufigsten Beschwerden. Bei Säuglingen sind die Atemwege kurz und eng – was die Probleme verstärkt. „Es sind bereits viele Babys mit schweren Beschwerden an den Bronchien zu behandeln“, sagt Thomas Nowotny. Infektionen mit dem RSV nimmt kein Spezialist auf die leichte Schulter.

Bei Kleinkindern und vor allem bei Säuglingen führen diese Beschwerden oft zu schwereren Verläufen, die eine stationäre Behandlung im Krankenhaus erfordern können.

„Schwere Atemwegsinfekte bei Säuglingen und Kindern im zweiten Lebensjahr sind im letzten Winter aufgrund der Kontaktbeschränkungen und Hygienemaßnahmen nur in vereinzelten Fällen aufgetreten“, heißt es aus dem Romed-Klinikum. Heuer seien erste Patienten schon im August erkrankt, seit Anfang Oktober nehmen die Erkrankungsfälle stark zu. Vor allem Säuglinge unter sechs Monate seien betroffen, sie werden im RoMed Klinikum stationär wegen Sauerstoffbedarfs behandelt.

Das System insgesamt ist nicht mehr fit

Im Herbst 2021 kommt einiges zusammen. Dennoch sagt Laub: „So ganz neu ist das nicht.“ Auch in diesem Bereich zeigen Corona und seine Nachwirkungen die Schwächen des Gesundheitssystems auf. „Die Kinderpraxen sind übervoll“, sagt Prof. Kluger. Und das, obwohl die Region Rosenheim so engmaschig mit Ärzten versorgt sei wie kaum eine andere in der Welt.

Das mit der Engmaschigkeit mag schon sein, hält Laub dagegen. „Nur haben wir mehr Kinder zu versorgen, mehr Impfungen, mehr Vorsorgen als vor 20 Jahren zu leisten.“ Der Schlüssel für die Ärztezahl sei aber derselbe geblieben. „Wenn Sie da nachbessern wollten, müssten Sie Geld in die Hand nehmen.“ Es ist nicht das erste Mal in den vergangenen 18 Monaten Pandemie, dass Mediziner in der Region Zweifel daran äußern, dass das Gesundheitswesen ausreichend finanziert sei.

Erleichterung für Familien mit Kita-Kindern

Bayerns Familienministerin Carolina Trautner verkündet eine neue Regelung, die Familien mit Kita-Kindern freuen dürfte - bei Husten oder Schnupfen genügt für die Kleinen künftig eine Bestätigung der Eltern über einen negativen Selbsttest zu Hause. „Viele Kinder leiden gerade im Herbst oft unter einer laufenden Nase oder ein wenig Husten sind aber dennoch körperlich fit und könnten die Kita grundsätzlich besuchen“, sagt Trautner. Nicht eingeschulte Kita-Kinder seien aktuell im Vergleich zur Gesamtbevölkerung und insbesondere im Vergleich zu Schulkindern in geringem Maße vom Corona-Virus betroffen. „Dies erlaubt es, Erleichterungen für Kita-Kinder bei den Regelungen zum Umgang mit Krankheitssymptomen in der Kindertagesbetreuung zu schaffen und die Familien hierdurch zu entlasten.“

Benötigten Kinder bislang einen negativen PCR- oder PoC-Antigen-Schnelltest, wenn sie die Kita trotz leichter Krankheitssymptome wie zum Beispiel. Schnupfen besuchen wollten, genügt für nicht eingeschulte Kinder künftig ab sofort eine Bestätigung der Eltern, dass vor dem Kita-Besuch zuhause ein Selbsttest durchgeführt wurde, der negativ ausgefallen ist.

Hierfür können die Selbsttests genutzt werden, die die Familien über die Berechtigungsscheine kostenfrei in den Apotheken für ihre Kinder erhalten. Eine Muster-Bestätigung für einen durchgeführten Test stellt das Familienministerium den Kinderbetreuungseinrichtungen zur Verfügung.

Kommentare