Wer war ihr Retter in der Not?

Nach Unfall: Marga Leingartner aus Rosenheim sucht nach ihrem Ersthelfer

Ist auf der Suche nach ihrem Ersthelfer: Marga Leingartner aus Rosenheim hatte vor zwei Monaten einen Unfall. Ein junger Mann hat sich um sie gekümmert und die Polizei verständigt. Jetzt will sie ihn finden.
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Ist auf der Suche nach ihrem Ersthelfer: Marga Leingartner aus Rosenheim hatte vor zwei Monaten einen Unfall. Ein junger Mann hat sich um sie gekümmert und die Polizei verständigt. Jetzt will sie ihn finden.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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An ihren Unfall vor zwei Monaten kann sich Marga Leingartner aus Rosenheim noch ganz genau erinnern. Nicht nur wegen der Verletzungen – sondern auch wegen des Mannes, der ihr direkt nach dem Unfall beigestanden hat. Jetzt sucht die 68-Jährige nach ihrem Ersthelfer.

Rosenheim – Marga Leingartner ist eine Frohnatur. War sie schon immer. Sie erzählt Witze, lacht gerne und viel über sich selbst. Nur wenn sie über ihren Unfall am 26. August spricht, wird sie ernst. Sie war damals auf dem Weg zur Post. An der Ecke Happinger-/Isarstraße sei es dann passiert: „Eine Autofahrerin ist in mein Fahrrad reingefahren“, sagt Leingartner. Ihre Stimme ist leise, die Hände hat sie in den Taschen ihres roten Mantels vergraben.

Bruch des rechten Schlüsselbeins und zahlreiche Prellungen

Nach einer kurzen Pause spricht sie weiter. „Ich bin gestürzt, habe mir das rechte Schlüsselbein gebrochen und mir zahlreiche schwere Prellungen zugezogen.“ Aus ihrem Rucksack holt sie ein Fotoalbum, zeigt auf Bilder, die nur wenige Tage nach dem Unfall entstanden sind. Ihre komplette rechte Seite ist blau und geschwollen. Ihr rechter Arm steckt in einem Verband. Das Lächeln ist auf diesen Bildern schon zurück in ihrem Gesicht.

Ersthelfer hat Polizei und Krankenwagen gerufen

Auch dank der schnellen Hilfe, die sie nach dem Unfall erhalten hat. „Ein lieber Mensch hat sofort sein Auto abgestellt und sich um mich gekümmert“, sagt sie.

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Er habe die Polizei und den Krankenwagen gerufen, habe ihr die gesamte Zeit gut zugeredet. Über was die beiden gesprochen haben, daran kann sie sich nicht mehr erinnern. Und auch sonst weiß sie nichts über den Mann, der ihr zur Seite gestanden hat.

Leingartner will sich persönlich bei Ersthelfer bedanken

Nur eines weiß sie sicher: Sie will sich bei dem Ersthelfer bedanken – am liebsten persönlich. „Es ist nicht selbstverständlich. Er hätte sich nicht um mich kümmern müssen“, sagt sie. In der vergangenen Woche habe sie versucht, ihren Ersthelfer auf eigene Faust ausfindig zu machen.

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Doch auch die Rosenheimer Polizei konnte ihr nicht weiterhelfen. „Wir haben keine Daten von dem Ersthelfer aufgenommen“, bestätigt Polizeihauptkommissar Robert Maurer. Also entscheidet sich Leingartner dazu, sich mit einem Brief mit dem Betreff „Danke an einen lieben Ersthelfer“ an die Redaktion zu wenden.

Seitdem nie wieder aufs Rad gestiegen

Auf diesen Weg hofft sie nun, ihren Ersthelfer aufzuspüren. Denn mit dem Unfall kann sie immer noch nicht abschließen. „Ich habe mich seitdem nicht wieder aufs Fahrrad getraut“, sagt sie. Und das obwohl die 68-Jährige eine begeisterte Fahrradfahrerin ist. Sie spricht von Rennrad-Touren nach Rom, Hamburg und Genf. Passiert sei ihr auf diesen Reisen nichts. Zum Glück, wie sie sagt. „Ich bin froh, dass es in Rosenheim passiert ist. Sonst hätte ich nicht gewusst, was zu tun ist.“

Acht Tage im Krankenhaus

Mittlerweile geht es der 68-Jährigen besser, aber Schmerzen hat sie noch immer. Spaziergänge seien deshalb erst einmal vom Tisch – für Leingartner ein schwerer Schlag. Denn sie liebt die Natur und die Berge. Und auch sonst ist ihr Terminkalender gefüllt. Sie spielt Akkordeon, ist Fotografin und kümmert sich um Demenzkranke. Und irgendwann, wenn sie Zeit hat, will sie sich ein neues Rad kaufen, um nicht ständig an den Unfall erinnert zu werden. Jetzt aber will sie vor allem eins: ihren Ersthelfer finden.

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