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Nach 32 Jahren

Nach Neuverpachtung der Reitanlage: Steht der Rosenheimer Voltigierverein vor dem Aus?

Bangen um die Zukunft: Die Mitglieder des Rosenheimer Voltigiervereins mit den beiden Pferden Primos und Attila.
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Bangen um die Zukunft: Die Mitglieder des Rosenheimer Voltigiervereins mit den beiden Pferden Primos und Attila.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Hiobsbotschaft für den Rosenheimer Voltigierverein: Nachdem der Verein 32 Jahre lang die Reithalle am Laurentiusweg 15 mehrmals in der Woche genutzt hat, müssen sie sich jetzt aufgrund eines Pächterwechsels nach einer neuen Trainingsstätte umsehen. Sollte die nicht rasch gefunden werden, droht dem Verein das Aus.

Rosenheim – Fast eine Woche ist es jetzt her, als Anja Angstl den 110 Mitgliedern erklären musste, dass der Verein sein Gelände verliert. „Die Fassungslosigkeit war groß“, erinnerte sich die Vorsitzende. Sie steht in der Reithalle, einige Meter entfernt, traben Primos und Attila im Kreis. In wenigen Minuten beginnt die nächste Trainingsstunde und bis auf die beiden Pferde weiß jeder im Raum, dass es eine der letzten dort sein könnte. Zumindest in der Reithalle, die in den vergangenen 32 Jahre das Zuhause des Voltigiervereins war.

Seit Pandemie weniger Mitglieder

„Wir haben erst kürzlich davon erfahren, dass unser Vertrag gekündigt wurde“, sagt Anja Angstl. Für den Verein kam die Kündigung völlig überraschend. Zwar wusste Angstl, dass die Anlage neu verpachtet werden sollte, damit gerechnet, dass für die drei Pferde und die rund 110 Mitglieder kein Platz mehr sein würde, habe sie allerdings nicht. „Man hat uns zwar gesagt, dass wir die Pferde erst einmal stehen lassen können, aber ohne die Halle und die Platznutzung bringt uns das nichts. Wir leben vom Training“, sagt Angstl.

Keine Möglichkeit, Schnupperkurse anzubieten

Und davon habe es in den vergangenen Monaten aufgrund der Corona-Pandemie ohnehin schon weniger gegeben. Von neuen Mitgliedern ganz zu schweigen. „Dadurch, dass lange Zeit nur in festen Gruppen trainiert werden konnte, konnten wir auch keine Schnupperkurse anbieten“, sagt Angstl.

Sie erzählt von der Maskenpflicht beim Reiten, davon, dass es den Trainern aufgrund des nötigen Mindestabstands noch nicht einmal möglich gewesen sei, Hilfestellung beim Auf- und Absteigen zu leisten. Und trotzdem habe es so gut wie keine Kündigungen gegeben. „Selbst als kein Training stattgefunden hat, haben die Eltern weiter bezahlt“, sagt Angstl.

Mitgliedsbeiträge kommen Tieren zugute

Wie wichtig das war, bestätigt auch Hilde Markl. Sie kümmert sich um die Finanzen des Vereins, weiß, dass die Mitgliedsbeiträge sicherstellen, dass der Verein die Tiere auch weiterhin halten kann. „Wir hatten uns gerade wieder erholt“, sagt Markl. Jetzt steht der Verein vor der nächsten Herausforderung. Und die hat es in sich. Denn sollte es nicht gelingen, einen neuen Stall samt Trainingshalle zu finden, wäre das das Ende des Vereins. „Wir haben schon alle Ställe in der Nähe angefragt, aber entweder sind sie voll oder wollen keinen Verein“, sagt Angstl.

Zwar habe sie ein Angebot aus Ingolstadt erhalten, doch der mehr als 150 Kilometer entfernte Stall sei für viele der Mitglieder nicht erreichbar. „Fast alle kommen im Moment mit dem Rad zum Training“, sagt die Vorsitzende. Volljährig und im Besitz eines eigenen Autos seien nur die wenigstens. Und auch den Eltern sei es nicht zuzumuten, die Strecke mehrmals in der Woche auf sich zu nehmen. „Ideal wäre ein bezahlbarer Stall und eine Halle im Raum Rosenheim“, sagt Anja Angstl.

Gespräch mit der neuen Pächterin

In den sozialen Medien hat der Verein bereits einen Hilfeaufruf gestartet. In den kommenden Tagen soll es zudem ein Gespräch mit der neuen Pächterin Andrea John vom gleichnamigen Dressur- und Ausbildungsstall in Holzkirchen geben. Doch die Chancen, dass der Voltigierverein weiterhin in der Halle bleiben kann, sind gering.

Denn John hat große Pläne für die Anlage am Laurentiusweg 15. Zum einen will sie damit ihrer Tochter ermöglichen, im Dressur- und Springreiten Fuß zu fassen, zum anderen verkauft sie selbst Pferde und braucht den Platz. „Dafür brauche ich eine Halle, wo nicht viel los ist“, sagt John.

Reitplatz-Boden in schlechtem Zustand

In den kommenden Monaten will sie sich um die Sanierung der Anlage kümmern. Die Boxen seien im Moment zu klein, der Boden auf dem Reitplatz in einem schlechten Zustand. Ein anderer Stall sei für John nicht in Frage gekommen, auch weil sie in der Region lebt und weiterhin leben möchte. „Natürlich tut mir das Ganze rein menschlich gesehen leid.

Aber der Verein hätte die Halle ja auch pachten können“, sagt John. Dennoch habe sie ihre eigenen Interessen zurückgestellt und dem Verein in Aussicht gestellt, für die Dauer, bis etwas Neues gefunden ist, die Anlage weiterhin nutzen zu können.

Hoffen auf mögliche Lösung

„Das ändert natürlich nichts daran, dass uns offiziell zum 1. Juni gekündigt wurden und wir zeitnah auf der Suche nach einer neuen Heimat sind“, sagt Anja Angstl. Um sie herum toben die Kinder, Primos und Attila traben immer noch im Kreis. Mittlerweile haben sich auch einige Eltern am Eingang versammelt, die die Trainingsstunde beobachten. „Natürlich habe ich Angst, dass wir den Verein aufgeben müssen“, sagt die Vorsitzende. Aber noch gebe es Hoffnung. Dass sie, die 110 Mitglieder und die drei Pferde vielleicht doch noch eine neue Heimat finden. Wo auch immer die am Ende sein mag.

Wer eine Idee hat oder den drei Pferden und dem Verein selbst eine neue Heimat bieten kann, wo sie auch weiterhin trainieren können, kann sich unter E-Mail voltigierverein-rosenheim@web.de direkt mit dem Verein in Verbindung setzen.

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