Nach massiven Corona-Infektionen in Frankfurt: So sicher ist die Pfingstmesse in Rosenheim

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Dieser Pappaufsteller in einer Kirche in Berlin weist die Gläubigen auf die Pflicht, einen Nasen-Mundschutz zu tragen, hin.
  • Heidi Geyer
    vonHeidi Geyer
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Als Superspreader-Event gilt ein Frankfurter Gottesdienst, bei dem sich über hundert Menschen mit Corona angesteckt haben. Wie hoch ist das Risiko also für Gläubige im Raum Rosenheim, sich zu Pfingsten mit dem Virus anzustecken? Die Kirchengemeinden zeigen sich sensibilisiert.

Rosenheim – In einer Frankfurter Kirchengemeinde haben sich über hundert Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Mit Pfingsten steht ein hoher christlicher Feiertag vor der Tür. Können Gläubige unbesorgt Gottesdienste in Rosenheim besuchen?

Uwe Gottwald, stellvertretender Geschäftsführer der evangelisch-freikirchlichen Kirchengemeinde Rosenheim, zeigt sich bestürzt. Schließlich handelt es sich ebenso wie in Frankfurt auch bei seiner Kirche um Baptisten. Inzwischen weiß man, dass die dortige Gemeinde auf Mundschutz verzichtet hat und dennoch sang. Rund 150 Mitglieder hat die Rosenheimer Baptisten-Gemeinde, je nach Planung können derzeit maximal 70 Teilnehmer in den Gottesdienst kommen.

Mundschutz ist Pflicht

„Eine gewisse Flexibilität haben wir, schließlich sind in unserer Kirche keine Bänke, sondern Stühle, die wir mit dem nötigen Abstand platzieren“, sagt Gottwald. Familien aus einem Haushalt könnten auch näher beieinander sitzen. „Wir achten sehr streng auf die Hygienemaßnahmen und kontrollieren.“ Anders als in Frankfurt gehöre auch Mundschutzpflicht dazu.

Zwar habe man in Rosenheim nach dem Gottesdienst üblicherweise Kuchen gegessen und Kaffee getrunken, allerdings sei dies seit der Corona-Pandemie eingestellt. „Das fehlt uns natürlich sehr, zumal ein Großteil unserer Mitglieder aus dem Umkreis und nicht direkt aus Rosenheim kommt. Gemeinsam beisammen zu sein, fehle den Mitgliedern und auch Gottwald selbst: „Unsere Mitglieder leben teils 30 bis 40 Kilometer entfernt. Da läuft man sich nicht mal eben über den Weg.“

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Für Pfarrer Andreas M. Zach von der Pfarrei St. Nikolaus ist der Vorfall in erster Linie ein Warnzeichen. Es gebe noch immer keine Entwarnung, man müsse mit der Großzügigkeit der Regelung vernünftig umgehen. „Gottseidank ist das nicht bei uns passiert, denn wir halten uns strikt an die Vorgaben“, sagt Zach. Ein bisschen aufgescheucht hätte seine Gemeinde der Vorfall schon. Die Katholiken hätten aber einen etwas nüchterneren Stil als die Baptisten – in dieser Situation sei das vielleicht ein Vorteil gewesen, dass man sich dort nicht so nahe komme wie in der Freikirche.

Eingespielt habe sich die neue Art des Gottesdienstes: „Wenn nur nicht die Latexhandschuhe wären – die mochte ich schon beim Spülen im Zeltlager als Jugendlicher nicht“, sagt Zach. Die Zange hingegen passt, findet Zach. Er übergibt die Hostie nicht mehr mit den Händen, sondern lässt sie mit einer Zange in die zur Schale geformten Finger der Gläubigen fallen. „Aber das Singen fehlt uns schon“, sagt Zach. Zwar werde gesungen, aber eben mit Mundschutz und wenn auch nur eine Strophe.

Anmeldung sinnvoll

Einen Zulauf wie üblich haben seine Gottesdienste noch nicht, aber es werden immer mehr Besucher. Zu Pfingsten könnte es eng werden, er bittet um Vorabanmeldung zum Gottesdienst unter Telefon 08 03 1/2 10 50 bis Freitagmittag. Denn nur 66 Menschen dürfen teilnehmen.

Im Vergleich zur Apostelkirche fast ein Fußballstadion. Dort dürften eigentlich nur 16 Gläubige feiern, denn so groß ist die Kirche nicht. Die Gottesdienste finden daher draußen statt, bis zu 50 Menschen können teilnehmen. Auch Pfarrerin Claudia Lotz war schockiert, als sie von dem Frankfurter Gottesdienst hörte. Zunächst war nicht klar, woran es genau gelegen habe, die Gewissheit über den Auslöser erleichtert sie nun. „Ohne Mundschutz zu singen geht bei uns ohnehin nicht“, sagt Claudia Lotz. Sie vermisst selbst nicht nur das Singen, sondern generell die Rückmeldung von den Gläubigen.

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Die Schutzmaßnahmen wirken aus ihrer Sicht gut, pessimistisch blickt sie hingegen in die Zukunft. „Mit normalen Zeiten rechne ich erst, wenn es einen Impfstoff gibt“, sagt Lotz. Schon jetzt überlegt sie, wie man Weihnachten feiern kann. Doch nun steht erst mal Pfingsten an. Hoffentlich mit gutem Wetter, damit der Gottesdienst wie geplant im Freien stattfinden kann. Heidi Geyer

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