STADTGESCHICHTE MITGESCHRIEBEN

Nach 60 Jahren geht die kommunalpolitische Tradition der Familie Heindl in Rosenheim zu Ende

Einer von vielen Momenten der vergangenen Jahre: Der ehemalige Zweite Bürgermeister der Stadt Rosenheim, Anton Heindl, beim Besuch von Kardinal Marx.
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Einer von vielen Momenten der vergangenen Jahre: Der ehemalige Zweite Bürgermeister der Stadt Rosenheim, Anton Heindl, beim Besuch von Kardinal Marx.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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Es gibt Familien, die sind aus der politischen Geschichte Rosenheims nicht mehr wegzudenken. Die Familie Heindl beispielsweise. Nach fast 60 Jahren in der Politik geht die Heindl-Ära jetzt zu Ende. Anlass genug für einen Rückblick.

Rosenheim – Anton Heindl (72) ist Politiker durch und durch. Der ehemalige zweite Bürgermeister und CSU-Stadtrat hat zwar – wie berichtet – im April vergangenen Jahres nach 30 Jahren seine politische Karriere beendet, doch so ganz loslassen kann er immer noch nicht. Also hat er die vergangenen Monate genutzt, um die politische Geschichte seiner Familie zusammenzuschreiben.

Sepp Heindl im Juni 1961 zum Oberbürgermeister gewählt

Begonnen hat die Ära der Familie im Jahr 1961 mit seinem Onkel. Sepp Heindl, das dritte Kind der Metzgerfamilie Heindl, wurde am 11. Juni 1961 zum Oberbürgermeister gewählt. „In den wenigen Jahren seiner Amtszeit wurden einige große Projekte angestoßen“, erinnert sich Anton Heindl.

Sepp Heindl wurde am 11. Juni 1961 zum Oberbürgermeister gewählt.

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Er nennt als Beispiele den Neubau des städtischen Schlachthofs, die Erweiterung der staatlichen Knaben-Realschule, den Bau der Müllverbrennungsanlage, die Erweiterung und den Neubau des Klinikums sowie die Eingemeindung von Happing. „Sepp war ein Oberbürgermeister zum Anfassen und jemand, der es verstanden hat, auf die Menschen zuzugehen“, sagt Anton Heindl. Umso größer sei die Trauer über seinen Tod am 24. Juni 1964 gewesen.

20 Jahre lang Mitglied im Stadtparlament

Weil Wiltrud Heindl, die Witwe des verstorbenen Oberbürgermeisters, die Arbeit ihres Mannes fortsetzen wollte, stellte sie sich bei den Kommunalwahlen 1972 zur Wahl und war fast 20 Jahre lang Mitglied im Stadtparlament. Während dieser Zeit wurde unter anderem der Gilitzerblock umgestaltet und das Karstadthaus errichtet, sagt Anton Heindl.

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Außerdem erinnert er sich an den Bau der Luitpoldhalle, die Auflösung der Stadtpolizei, die Schließung der Partnerschaften mit Briançon und Lazise sowie die Eröffnung der Rosenheimer Fußgängerzone. „Wiltrud Heindl hat sich nicht zu jedem Thema zu Wort gemeldet, aber wenn sie sich zu Wort meldete, dann hatte das ganze Hand und Fuß und wurde vom Gremium beachtet“, sagt Anton Heindl. Doch auch ihre Geschichte nimmt kein glückliches Ende. Die Stadträtin verstarb ganz plötzlich im Jahr 1989 während ihres Südtirol-Urlaubs.

Wiltrud Heindl wurde am 19. September 1965 in den Stadtrat gewählt.

Metzgermeister und Unternehmer

„Und dann hat sich natürlich die Frage gestellt, wer die Familientradition der Familie Heindl in der Kommunalpolitik fortführt“, erinnert sich Anton Heindl. Zu dieser Zeit arbeitete er als Metzgermeister und Unternehmer. Trotz seines vollen Terminkalenders erklärte er sich bereit, in die Fußstapfen seines Onkels zu treten.

Spagat zwischen Arbeit, Familie und seiner Aufgabe als Stadtrat

Am 16. März 1990 wurde der heute 72-Jährige in den Stadtrat gewählt. „Ich wusste damals noch nicht, was auf mich zukommt.“ Und auch wenn der Spagat zwischen der Arbeit in seiner Metzgerei, der Familie und seiner Aufgabe als Stadtrat ein großer war, bereut hat er seine Entscheidung nie.

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„Die Aufgaben haben mir viel Spaß gemacht und ich habe versucht, allen Anforderungen gerecht zu werden“, sagt Anton Heindl. Er kümmerte sich unter anderem um den Ludwigsplatz, den Grünen Markt und hatte immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Bürger.

Zweitmeisten Stimmen bei der Wahl

Dass er vieles richtig gemacht hat, zeigten auch seine Ergebnisse bei den Wahlen 1996 und 2002. „2002 habe ich nach der damaligen Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer die zweitmeisten Stimmen bekommen“, sagt Heindl. Damals habe er sich auch entschieden, das Amt des Zweiten Bürgermeisters anzutreten.

30 Jahre im Stadtrat, 18 Jahre Zweiter Bürgermeister

Doch auch die schönste Zeit geht irgendwann zu Ende und so beschloss der 72-Jährige im vergangenen Jahr – nach 30 Jahren im Stadtrat und 18 Jahren als Zweiter Bürgermeister – nicht noch einmal anzutreten. Somit ist auch die 60-jährige Geschichte der Familie Heindl im Stadtparlament zu Ende gegangen. Die Erinnerungen aber bleiben. „Es war für mich eine Ehre, die Geschichte meiner Heimatstadt mitgestalten zu dürfen.“

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