50 Jahre Arzt

Dr. Dieter Meckl: Rosenheimer Mediziner geht in den Ruhestand

Ein letztes Mal am Arbeitsplatz: Auch im Ruhestand möchte der Internist noch für seine Patienten da sein.
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Ein letztes Mal am Arbeitsplatz: Auch im Ruhestand möchte der Internist noch für seine Patienten da sein.
  • vonAnna Hausmann
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Er war ein Arzt für die inneren Werte: Dr. Dieter Meckl aus Rosenheim war ein halbes Jahrhundert lang Ansprechpartner für seine Patienten. Nun blickt er auf ereignisreiche Berufsjahre zurück. Doch selbst im Ruhestand will er noch Alles für seine ehemaligen Patienten geben.

Rosenheim – Für seine Patienten war er mehr als nur ein Arzt, sondern auch ein Berater in allen Lebenslagen. Mit 76 Jahren geht der Internist Dr. Dieter Meckl aus Rosenheim in den Ruhestand. Der Mediziner blickt auf ein bewegtes Berufsleben zurück.

Briefe zum Abschied

Bis zu vier Generationen einer Familie saßen schon bei Meckl auf der Behandlungsliege. Noch steht sie, gemeinsam mit den restlichen Möbeln, in der Königsstraße 9. Bald wird der Mediziner hier sein Sprechzimmer räumen. Auf seinem Schreibtisch liegt noch ein Teil der Briefe, die ihm seine langjährigen Patienten geschrieben haben. Meckl ist, so sagt er, niemand, der sich selbst lobt. Aber: „Als ich die Briefe gelesen habe, ist mir klar geworden, dass ich meinen Job anscheinend doch ganz gut gemacht habe.“ Vergangene Woche hat er die letzten Patienten bei sich empfangen. Wenn er über seine Arbeit und seine Patienten spricht, merkt man, wie sehr er seinen Beruf liebt.

Als Facharzt im städtischen Klinikum

Über viele Jahre begleitete er seine Patienten.

Ein wenig wehmütig klingt er, als er von früher erzählt: In Rosenheim aufgewachsen besuchte er das Humanistische Gymnasium, das später das Ignaz-Günther-Gymnasium werden sollte. Schon als Bub habe er sich ein Mikroskop gewünscht. „Mich hat alles Lebendige immer interessiert.“ Da lag die Entscheidung für ein Medizinstudium in München nicht fern. Nach dem Studium zog es ihn 1969 zurück in die Heimatstadt. Am heutigen Romed-Klinikum machte er seinen Facharzt für innere Medizin. „Damals war es noch das städtische Krankenhaus, über die Jahre ändert sich doch so einiges“, sagt er und lächelt.

Erinnerungen an die Klinikumszeit

Er zeigt ein Schwarz-Weiß-Foto, darauf zu sehen: Ärzte in Kitteln, gebeugt über einen Patienten, sie sind mitten in einer Operation. Mittendrin er selbst. Es ist ein Foto mit Erinnerungswert. Am Klinikum wurde Meckl Oberarzt. Damals waren es noch andere Zeiten, mit deutlich weniger Personal als heute. „Wir waren gerade mal vier Ärzte in einer Abteilung.“

Ein Blick ins Fotoalbum: Dr. Dieter Meckl (Zweiter von links) operierte in den 70er-Jahren am Romed-Klinikum – eine Zeit, an die er sich gerne erinnert.

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Die erste eigene Praxis

1977 dann der Schritt zur Selbstständigkeit: Der Mediziner eröffnete am Max-Josefs-Platz 34 – eine Adresse, die manchen Rosenheimern auch als das Sontheimhaus bekannt ist – seine eigene Praxis für innere Medizin. „Das war für mich schon immer die Königsdiziplin, es ist beinahe wie Detektivarbeit.“ Ein Patient komme zu ihm mit einem Problem und er suche die Ursache.

Die Arbeit als Generalist

Meckl ist ein Arzt der alten Schule. Heute gebe es in der Medizin viele Teilgebiete. „Aber Generalisten gibt es immer seltener.“ Er habe die Patienten geleitet, auch an Spezialisten verwiesen. Dabei sei er immer konstanter Ansprechpartner für sie geblieben.

Die Behandlung von Privatpatienten

Vor sechs Jahren entschied Meckl sich dazu, das Ganze etwas ruhiger anzugehen. Seine Praxis gab er auf und zog in die Räume von Dr. Niedermaier. Er gab seine Kassenzulassung zurück, behandelte nur noch Privatpatienten. „So konnte ich mir für sie noch mehr Zeit nehmen.“

Eine Mischung aus Alternativ- und Schulmedizin

Als Arzt war er auch alternativer Medizin wie Homöopathie nicht abgeneigt. „Ich habe gemerkt, dass die Schulmedizin auch Lücken hat.“ Immer wieder gebe es auch Patienten mit Beschwerden, bei denen sich aber keine Krankheitsdiagnose stellen könnte. Meckl bildete sich fort, bot Präventivmedizin an, um Krankheiten vorzubeugen. Immer im Blick: die Gesundheit seiner Patienten.

Die Krankheitsgeschichte im Blick

„In der Medizin ist es aber viel schwerer, mal nichts zu tun.“ Zu schnell würden manche Ärzte operieren, ohne sich ein Bild über die Krankheitsgeschichte der Patienten zu machen. Dafür brauche man lange Erfahrung im Beruf, so Meckl. Jeder Tag sei für ihn ein Erlebnis gewesen. Seine Patienten hatten nicht nur um seinen medizinischen Rat gebeten, auch die privaten Sorgen vertrauten sie ihm an. Meckl lächelt. Der Rest ist Arztgeheimnis.

Meckl bleibt ein Ansprechpartner

Auch im Ruhestand lässt ihn die Medizin aber nicht los: „Das ist noch nicht ganz angekommen bei mir.“ Viele Patienten haben ihn noch in der Praxis besucht, sogar die eine oder andere Träne ist geflossen. Neben ihren Briefen liegt auch sein eigener Abschiedsbrief. Darin schrieb Meckl seine Nummer, unter der sie ihn erreichen können. Für eine Zweitmeinung oder einen ärztlichen Rat.

Zu wenig Hausärzte

In vielen deutschen Städten sind Hausärzte rar. Das weiß auch Dr. Fritz Ihler, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands Rosenheim. Rosenheim sei attraktiv durch die Nähe zu München und Innsbruck, und stehe deshalb besser da als andere Regionen. Zumindest auf dem Papier, so Ihler. Denn: „Auch wir haben eine Überalterung von Ärzten. Der Großteil der Hausärzte ist über 60 Jahre alt.“ Es gebe wenig Nachwuchs. Auch manche weibliche Ärzte würden lieber nur eine Teilzeitstelle annehmen.

Das Problem mit den Nachfolgern

„Viele Ärzte haben das Problem, dass sie für ihre Praxis keinen Nachfolger finden können.“ Mittlerweile schlössen sich Ärzte oft zusammen. Selbstständige Mediziner hingegen gebe es immer seltener. Mit Meckl gehe nun ein altbekannter Arzt in Rosenheim in den Ruhestand, so Ihler. Er habe weit über das Rentenalter hinaus gearbeitet. „Auch im ärztlichen Kreisverband war Dr. Meckl ein sehr wertvolles Mitglied.“ In der Klinik sei der Mediziner immer sehr zugewandt und kollegial gewesen. „In seiner Praxis kann sich keiner so lange halten, der nicht empathisch ist.“

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