Nach 30 Jahren: Ursula Flohr-Brumm verlässt Rosenheimer Caritas-Seniorenbegegnungsstätte

Blumen vom Nachfolger: 30 Jahre hat Ursula Flohr-Brumm die Senioren-Begegnungsstätte der Caritas geleitet und sie zu einer festen Institution in Rosenheim gemacht. Sie ist froh in Markus Reimann einen Nachfolger zu haben, bei dem sie die Einrichtung in guten Händen weiß. Thomae
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Blumen vom Nachfolger: 30 Jahre hat Ursula Flohr-Brumm die Senioren-Begegnungsstätte der Caritas geleitet und sie zu einer festen Institution in Rosenheim gemacht. Sie ist froh in Markus Reimann einen Nachfolger zu haben, bei dem sie die Einrichtung in guten Händen weiß. Thomae

In den 30 Jahren ihres Wirkens hat sie die Caritas-Seniorenbegegnungsstätte in Rosenheim zu einer festen Institution in der Stadt gemacht. Jetzt hat Ursula Flohr-Brumm die Leitung an Markus Reimann übergeben. Eine Rückschau auf ihren „Traumberuf“, den sie zunächst gar nicht als solchen erkannt hatte.

Von Johannes Thomae

Rosenheim – „Älter werden ist das große Abenteuer unserer Zukunft“ mein Ursula Flohr-Brumm. Ein optimistischer Satz, den man sowohl auf die ganze Gesellschaft als auch auf jeden Einzelnen von uns beziehen kann. Und dafür, dass er den positiven Unterton auch zurecht trägt, hat sich die Sozialpädagogin ein halbes Leben lang eingesetzt. 30 Jahre lang leitete sie die Seniorenbegegnungsstätte der Caritas in Rosenheim, hat sie zu einer festen Anlaufstelle für Menschen gemacht, die schon älter sind, sich deshalb aber noch lange nicht zum alten Eisen zählen lassen wollen.

Das „Alter“ hat sich gewandelt

Das gilt heute mehr denn je, denn 30 Jahre Arbeit für die Begegnungsstätte – das heißt auch, dass Ursula Flohr-Brumm besser als jede andere weiß, wie sehr sich in dieser Zeit das „Alter“ gewandelt hat. Als sie 1990 anfing, so erzählt sie, waren ihre Besucher zu einer Zeit jung gewesen, in deren Begleitumstände man heute nur noch schwer hineinversetzen kann. Wer in den 50er- und frühen 60er-Jahren in den „besten Jahren“, also um die 30 war, für den war allein von seiner Lebenserfahrung her Aktivität im Alter und späteres Knüpfen neuer Kontakte noch keine Selbstverständlichkeit.

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„Wir haben deshalb damals viele Spaziergänge und Wanderungen angeboten, die begeistert angenommen wurden. Die Teilnehmer – gerade die Frauen – waren froh, einmal aus den vier Wänden herauszukommen, dabei zu ratschen und sich zu unterhalten, Unternehmungen, die sie von sich aus nicht bewerkstelligt hätten“, sagt sie.

Noch mehr galt das für die längeren Fahrten, in denen Flohr-Brumm mit ihren Senioren ganz Europa bereiste. Für nicht wenige der damaligen Teilnehmer waren diese Fahrten die erste Gelegenheit in ihrem Leben, einmal richtig über Deutschlands Grenzen hinauszukommen: Urlaubsreisen ins Ausland waren selbst in den 70er-Jahren noch nicht jedermanns Sache. Österreich war da oft schon Ausland genug.

Die Senioren haben sich verändert – und mit ihnen das Programm

Mittlerweile haben sich die Senioren geändert – und mit ihnen auch das Programm. Die Wanderungen gibt es nicht mehr, wer heute 70 oder 80 ist, ist mobil und unternehmungslustig genug, um hier für sich selbst aktiv zu werden. Gefragt sind dagegen Angebote, die man nicht so ohne Weiteres alleine auf die Füße stellen könnte.

Sprachkurse etwa, die einer der Renner im Programm der Begegnungsstätte sind, die insgesamt gut 45 verschiedene Veranstaltungen anbietet und das obwohl man Sprachkurse ja auch bei den Volkshochschulen belegen könnte. Hier aber zeigt sich, worauf es bei der Arbeit von Ursula Flohr-Brumm ankam: ein Gespür für die Wünsche ihrer Senioren zu haben und deshalb die richtige Balance zwischen Anforderung und Spaß treffen zu können.

Für sie selbst waren die vergangenen 30 Jahre natürlich auch viel Arbeit, sagt Ursula Flohr-Brumm, mit jeder Menge Organisation, allein schon, wenn man an den großen Höhepunkt des Sommers denkt, die Kulturtage, in denen seit zehn Jahren über 14 Tage hinweg ein bunter Veranstaltungsreigen stattfindet.

Diese wie viele andere Angebote sind nur möglich, weil die Begegnungstätte sei 2009 tatkräftig von einem Förderverein unterstützt wird und Zuwendungen von der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling wie auch der Volksbank-Raiffeisenbank enthält. Trotz aller Arbeit waren die 30 Jahre in der Rückschau für Ursula Flohr-Brumm aber eine Erfüllung: „Dieser Beruf, in dem ich mit Senioren für Senioren arbeiten konnte, hat sich wirklich als mein Traumjob herausgestellt, auch wenn mir das, als ich hier anfing, noch gar nicht so bewusst war“, sagt sie.

Verständlich, dass sie nicht weiß, ob sie sich nun mit einem lachenden oder weinenden Auge in den Ruhestand verabschieden soll, schon allein, weil ihr die gut vierzig Referenten und ehrenamtlichen Mitarbeiter in der Begegnungstätte eng ans Herz gewachsen sind.

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Ein Trost ist für sie immerhin, dass sie in ihrem Nachfolger, Markus Reimann, jemand hat, von dem sie sicher sein kann, dass er den Geist der Begegnungsstätte bewahren wird. Das ist umso wichtiger, weil sich der Wandel des Alters zusehends beschleunigt: Senioren werden gewissermaßen nicht nur immer jünger, sondern das auch immer schneller. Wer heute 70 Jahre alt ist, ist so fit und agil wie man zu Flohr-Brumms Anfängen vielleicht mit 50 war.

Kontinuierlich anpassen

Die Begegnungsstätte muss sich deshalb kontinuierlich anpassen, will sie mit ihren junggebliebenen Senioren Schritt halten. Für Markus Reimann heißt das, dass er in Zukunft einen der Schwerpunkte auf jeden Fall auch bei der Digitalisierung sehen wird. Auch Seniorinnen und Senioren sind mittlerweile für die Nutzung von Smartphone und Tablet und damit des Internets zu haben, es fehlt bisweilen nur die passende Hinführung.

Jederzeit ein offenes Ohr

Wichtig aber ist ihm, dass bei aller Anpassung einer der ehernen Grundsätze von Flohr-Brumm auf jeden Fall erhalten bleibt: Dass die Caritas-Begegnungsstätte ein Ort ist, bei dem der einzelne Besucher keine Nummer, sondern ein Individuum ist, das wirklich auch als eigene Persönlichkeit gesehen wird, die jederzeit für jedes Anliegen ein offenes Ohr erwarten darf.

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