Mutig in die Selbständigkeit: Solveig Bleyl aus Rosenheim gründet Schreibwerkstatt für Kinder

Haut jeden Tag in die Tasten: Solveig Bleyl vom Stammtisch „Rosenheimer Autoren“ hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Schlecker
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„Hexentod“, „Gottlos“ und „Geschichten für Kinder“: Schriftstellerin Solveig Bleyl vom Stammtisch „Rosenheimer Autoren“ hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Die Corona-Krise hat sie genutzt, um eine Schreibwerkstatt für Kinder ins Leben zu rufen.

Rosenheim – Ihren Notizblock hat Solveig Bleyl (49) immer dabei. Wenn sie mit dem Auto unterwegs ist und eine Idee hat, fährt sie rechts ran, holt den Block aus der Tasche und schreibt. Manchmal ist es nur eine Idee, manchmal eine ganze Passage. „An Ideen hat es noch nie gemangelt“, sagt die 49-Jährige. Sie lacht viel, spricht mit einer ruhigen Stimme.

Kolumnen, Gedichte und Kurzgeschichten

Sie habe schon als Jugendliche gern geschrieben. Als Erwachsene versuchte sie sich an Kolumnen, Gedichten und Kurzgeschichten. Doch das Schreiben sei immer nur etwas für zwischendurch gewesen, ein Hobby für die Zeit zwischen Arbeit und Familie. Über die Jahre aber wuchs der Wunsch nach Mehr. „Ich habe schon lange mit der Idee gespielt, mich selbstständig zu machen“, sagt sie. Doch der Mut habe damals gefehlt, auch weil sie ihre beiden Kinder großzog.

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Also entschied sie sich für den sicheren Weg. Sie machte eine Ausbildung zur Buchhändlerin und Heilerzieherin in Rosenheim. Lebte erst in England, später in Berlin und Dresden, bevor es sie zurück in die Heimat zog.

Mittlerweile stehen die Kinder auf eigenen Beinen und Solveig Bleyl hat den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. „Ich wollte nicht länger warten. Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Ihr ganzer Stolz: Vier Bücher hat Solveig Bleyl bereits geschrieben. Darunter ein Krimi, ein Fantasy-Roman und ein Jugendbuch.

Die Entscheidung hat sie nicht bereut

Bereut hat sie ihre Entscheidung nicht – trotz des fehlenden festen Einkommens. „Ohne die Unterstützung meines Mannes wäre das nicht möglich“, sagt sie. Er habe jedes Manuskript gelesen, mit einem Rotstift Passagen raus- und Rechtschreibfehler angestrichen. „Er lässt mir nichts durchgehen“, sagt sie.

Mittlerweile hat sie drei Bücher veröffentlicht. Den Krimi „Hexentod“, den Fantasy-Roman „Gottlos“ und das Jugendbuch „Das Rad der Zeit“. Jedes Buch hat sie selbst layoutet, illustriert, und über einen Eigenverlag veröffentlicht – ein Eigenverlag bietet Autoren die Möglichkeit, ihre Werke selbst zu veröffentlichen.

Täglich zwischen drei und vier Stunden

Stolz hält sie ihre Bücher in der Hand. In jedem stecken Jahre voller Arbeit und etliche beschriebene Blöcke. Sie weiß, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hat. Sie merkt es, wenn sie im Garten sitzt, mit ihrem Laptop und einem leeren Word-Dokument. Wenn sie die Seiten füllt mit den Ideen der vergangenen Tage und dann, wenn sie ihr fertiges Buch in den Händen hält.

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„Ich schreibe täglich zwischen drei und vier Stunden“ sagt sie. Das Geheimnis: „Einfach draufloszuschreiben“, „ohne zu Denken“. Am nächsten Tag liest sie sich das Geschriebene durch, verhindert somit, dass sie sich „in Kleinigkeiten verliert“. Das fertige Manuskript wandelt sie in eine PDF-Datei um, lädt es auf der Seite des Eigenverlages hoch und bekommt einige Wochen später ein Vorabexemplar zugeliefert. Weil sie keine Lektorin hat, liest sie selbst Korrektur – mit der Unterstützung ihres Mannes, aber auch von Freunden und Bekannten. Im Anschluss schaltet sie ihr Manuskript frei und gibt den Druck in Auftrag. Anschließend kommt der Moment, auf den sie sich am Meisten freut: Sie hält ihr eigenes Buch in den Händen.

Mit Auge aufs Detail: Die 49-jährige Autorin illustriert ihre Bücher selbst. Hier zu sehen ist das Cover von dem Jugendbuch „Das Rad der Zeit“.

Corona macht ihr einen Strich durch die Rechnung

Um ihre Werke unter die Leute zu bringen hatte sie vor, Lesungen zu geben. Zahlreiche seien bereits geplant gewesen. Doch dann kam Corona und machte ihren Plänen einen Strich durch die Rechnung. Statt sich also auf ihre Lesungen vorzubereiten, nutzte sie die Zeit, um an ihrem neuen Buch „Geschichten für Kinder“ zu arbeiten. Und an einer neuen Idee zu feilen.

Entstanden ist eine Schreibwerkstatt für Kinder. „Mir ist schon seit Längerem aufgefallen, dass Kinder ab zehn Jahren immer weniger zum Buch greifen“, sagt sie. Mit der Schreibwerkstatt will sie genau das ändern. Solveig Bleyl ist wichtig, dass dabei die Fantasie und der Spaß im Vordergrund stehen.

Ein Hut gefüllt mit Begriffen

Sie hat sich bereits in Bibliotheken und Schulen vorgestellt, nachgefragt, ob ein Interesse besteht. Die Resonanz sei positiv gewesen. Einen genauen Termin aber gebe es noch nicht. Bis es soweit ist, arbeitet Bleyl weiter an ihrem Konzept.

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Zu Beginn der Schreibwerkstatt will sie einen Hut rumgehen lassen, gefüllt mit kleinen Zetteln auf denen Begriffe wie „Hexe“ oder „Wassermann“ stehen. Die Kinder sind dann aufgefordert, alles aufzuschreiben, was sie mit diesen Begriffen verbinden. Daraus sollen im Anschluss kleine Geschichten entwickelt werden. „Es gibt keine falschen Geschichten. Mein Ziel ist es, die Kreativität herauszukitzeln“, sagt sie.

Sie träumt davon, ein Angebot für Legastheniker und Lesemuffel zu schaffen. Die Ideen dafür stehen, fein säuberlich zusammengetragen auf einem ihrer Blöcke.

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