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Ein Blick in andere Städte

Wie oft soll die Biotonne in Rosenheim geleert werden? Warum die Meinungen hier auseinandergehen

Seit zehn Jahren wird in Rosenheim über die Einführung einer Biotonne diskutiert. Zwar haben sich die Stadträte mehrheitlich für eine wöchentliche Leerung ausgesprochen, Kritik gibt es trotzdem.
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Seit zehn Jahren wird in Rosenheim über die Einführung einer Biotonne diskutiert. Zwar haben sich die Stadträte mehrheitlich für eine wöchentliche Leerung ausgesprochen, Kritik gibt es trotzdem.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Die geplante Einführung der Biotonne schlägt weiterhin hohe Wellen. Vor allem die geforderte wöchentliche Abholung sorgt für Kritik. Ein Blick nach Frankfurt und Esslingen zeigt, dass das Konzept – zumindest teilweise – durchaus Sinn macht. Gegenargumente gibt es aus Wasserburg.

Rosenheim – Vor Sandra Ramming liegen anstrengende Monate. Jedenfalls scheint es so, wenn man einen Blick auf die Liste mit den Auswirkungen wirft, die eine wöchentliche Leerung der Biotonne mit sich ziehen würde. „Wir benötigen drei neue Müllfahrzeuge und neun neue Mitarbeiter, um diesen Antrag zu realisieren“, teilte die Leiterin des Baubetriebshofs während der jüngsten Sitzung des Werkausschusses mit. Der Investitionsbedarf für die drei Fahrzeuge liege allein bei circa 900.000 Euro.

„Wir werden – mit dem endgültigen Stadtratsbeschluss – die Bestellung der neuen Fahrzeuge im Dezember im Werkausschuss behandeln und sind im Moment dabei, die Angebote der verschiedenen Fahrzeughersteller, verschiedene Antriebsmöglichkeiten und die genauen Lieferzeiten zu evaluieren“, teilte Ramming während der Sitzung mit.

Schon jetzt stehe fest, dass mit der Lieferung der Fahrzeuge frühestens im Dezember 2023 gerechnet werden kann. Für die neuen Fahrzeuge müssten zudem Unterstellmöglichkeiten geschaffen und neue Mitarbeiter gefunden werden.

Einführung für das Jahr 2024 geplant

Mit der Einführung der Biotonne kann also frühestens 2024 gerechnet werden. Das bestätigt auch Christian Schwalm, Pressesprecher der Stadt Rosenheim. „Derzeit wird der Neuerlass der Rosenheimer Abfallwirtschaftssatzung erarbeitet. Darin wird entsprechend der gefassten Beschlüsse auch der Einsatz der Biotonne geregelt“, teilt er auf Nachfrage mit.

Während sich die Stadträte 2021 noch darauf geeinigt hatten, dass sowohl die Bio-, als auch die Restmülltonne nur alle zwei Wochen geleert werden, sprachen sich CSU, SPD und die Freien Wähler/UP im April 2022 dafür aus, dass beide Tonnen einmal pro Woche abgeholt werden – der Hygiene wegen. Zwar setzt man in Städten wie Berlin, München und Wasserburg auf die 14-tägige Leerung, aber ein Blick nach Frankfurt zeigt, dass es auch anders geht.

Erster Modellversuch im Jahr 2019

Die Biotonne gibt es in Frankfurt bereits seit 32 Jahren. Während die Bürger zu Beginn auf eine 14-tägige Leerung setzten, startete man 2019 erstmals den Modellversuch „Wöchentliche Biosammlung“ in zehn Stadtteilen im Norden und Westen der Stadt.

Mithilfe des Versuchs wollten die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH und das Umweltamt der Stadt nicht nur herausfinden, inwieweit sich mit der wöchentlichen Abholung während der Sommermonate die Menge an eingesammeltem Bioabfall steigern lasse, sondern auch die Akzeptanz in der Bevölkerung. „Der erste Versuch lief in den eher ländlich geprägten Stadtteilen“, teilte Pressesprecher Michael Werner auf Nachfrage mit. Zwar musste man in diesem Zusammenhang feststellen, dass trotz einer wöchentlichen Leerung ein Teil des Restmülls nach wie vor in der Biotonne landet, dennoch sei eine deutliche Verbesserung zu erkennen gewesen.

14.000 Biotonnen werden einmal die Woche abgeholt

Aus diesem Grund entschied man sich im Rahmen der Frankfurter Bioabfall-Kampagne dafür, einen zweiten Modellversuch zu starten. Seit dem 1. April werden rund 14.000 Biotonnen in den am dichtesten besiedelten Gebieten in Frankfurt – wie Bornheim, Seckbach oder Ostend – einmal wöchentlich geleert.

Dafür brauche es zwei zusätzliche Fahrzeuge plus sechs Mitarbeiter. Die zusätzlichen Kosten belaufen sich laut Werner auf circa 450 000 Euro. Neben der Leerung liegt der Fokus zudem auf der Frage, was die Trennung von Bio-Abfall bei Bewohnern von dichten Siedlungsstrukturen im Vergleich zu denen in ländlich geprägten Wohnverhältnissen fördert beziehungsweise hemmt. „Wir begleiten den Versuch auch mit Werbemaßnahmen und vielen persönlichen Gesprächen“, sagt Pressesprecher Werner. Generell falle sein Fazit – trotz der gestiegenen Kosten – positiv aus: „Die Akzeptanz in der Bevölkerung hat auf jeden Fall zugenommen“, ist er sich sicher. Der Modellversuch „Wöchentliche Biosammlung“ habe sich in seinen Augen also bereits bewährt.

Finanzieller Mehraufwand steht im Einklang mit Mehrheit für Kunden

Ein ähnliches Konzept gibt es im Landkreis Esslingen. „Die Leerung erfolgt in einem zweiwöchentlichen Turnus, in den Monaten Mai bis Ende Oktober wöchentlich“, sagt Andrea Wagner vom Abfallwirtschaftsbetrieb Esslingen. Der Landkreis hatte die wöchentliche Leerung wegen der starken Nachfrage seiner Kunden eingeführt.

Viele hätten sich während der Sommermonate eine zeitnahe Leerung der Biotonnen gewünscht. Dies sei zunächst für die Monate Juni bis September, seit diesem Jahr für die Monate Mai bis Oktober eingeführt worden. „Der finanzielle und personelle Mehraufwand steht dabei im Einklang mit dem Mehrwert der Leistung für die Kunden“, sagt Wagner.

Keine Option für die Wasserburger

Dass es auch anders geht, zeigt ein Blick nach Wasserburg. „Bei uns war die wöchentliche Leerung nie eine Option“, sagt Bernhard Schachner vom Amt für Abfallwirtschaft bei der Stadt Wasserburg. Zwar habe es anfangs Beschwerden über Gerüche und Maden gegeben, das habe sich aber gelegt.

„Mittlerweile wissen die Leute, wie die Biotonne zu befüllen ist, damit solche Probleme nicht entstehen“, sagt Schachner. Seiner Meinung nach würde in der kühleren Jahreszeit vermutlich sogar eine dreiwöchige Leerung ausreichen. „Eine wöchentliche Leerung verursacht die doppelten Sammelkosten und macht in meinen Augen keinen Sinn.“

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