Mütter lassen sich Zeit

Die Verteilung der Geburten je nach dem Alter der Mutter in der Stadt Rosenheim. Grafik zs
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Die Verteilung der Geburten je nach dem Alter der Mutter in der Stadt Rosenheim. Grafik zs

War es vor Jahren noch ungewöhnlich, wenn eine über 40-Jährige ihr erstes Kind bekam, machen derzeit die über 50-Jährigen von sich reden: Gianna Nannini bekam Anfang Dezember 2010 ihr erstes Kind mit 54 Jahren und die Mutter von Sängerin Sarah Connor bekam mit 50 noch einmal Zwillinge. Ob dies Schule macht, wird sich zeigen. Fakt ist, in Bayern hat mittlerweile fast jedes vierte Neugeborene eine Mutter, die 35 Jahre und älter ist. In der Stadt Rosenheim liegt dieser Anteil bei 22,4 Prozent.

Rosenheim - Die Statistiker vom Landesamt haben nachgerechnet: Ende der 1980er-Jahre wurden die Frauen in Bayern im Schnitt mit 28 Jahren Mutter, heute erst mit rund 31 Jahren. Noch deutlicher wird der Trend zur späten Mutterschaft, wenn man den Anteil der über 35-jährigen Mütter betrachtet: Ende der 80er betrug er rund neun Prozent, Ende der 1990er- Jahre bereits 15 Prozent und kletterte nun auf knapp 24 Prozent. In der Stadt Rosenheim hatten 2009 von insgesamt 549 Neugeborenen 123 eine Mutter, die 35 Jahre und älter war. Das ist ein Anteil von rund 22,4 Prozent, also etwas weniger als im bayernweiten Durchschnitt. Ihren 40. Geburtstag hinter sich hatten davon bereits 23 Frauen (4,2 Prozent).

Durchwachte Nächte mit 40 ertragen und Pubertätsausbrüche mit Mitte 50 verkraften - leicht ist der Alltag der späten Mütter nicht. Frauenärzte bescheinigen den "Risikoschwangeren", wozu alle über 35 Jahre alten Frauen zählen, allerdings, besonders sorgsame Schwangere zu sein. "Sie halten die Kontrolltermine ein, essen gesund, rauchen nicht, trinken keinen Alkohol und meiden Stress", erklären die Mediziner. Unter Umständen sind sie gelassener als junge Mütter, weil sie mehr Lebenserfahrung haben, ihre Partnerschaft gefestigt ist und die Karriere läuft.

Auf der anderen Seite schießen manche bei der Konzentration auf das meist einzige Kind übers Ziel hinaus: Helikopter-Eltern nennt die Wissenschaft jene, die das "Projekt Kind" wie Manager mit einem Optimierungsplan angehen. So wie sie sich im Beruf bewiesen haben, wollen sie nun allen beweisen, dass sie auch beim Sohn oder bei der Tochter alles richtig machen. Oft handelt es sich dabei um Mütter, die für ihr einziges Kind aus dem Beruf ausgestiegen sind.

Karriere vor der Familiengründung

Warum sich die Frauen so viel Zeit mit dem Kinderkriegen lassen? Viele wollen zuerst Karriere machen, bevor sie sich der Familiengründung widmen, zumal auch das Studium nicht für die Katz gewesen sein soll. Meist korreliert deshalb ein hoher Akademikerinnenanteil unter den Erwerbstätigen mit einem höheren Anteil älterer Mütter.

Wenn auch der Trend in Bayern in Richtung "später Mutterschaft" geht, zeigen sich doch regionale Unterschiede: So gibt es vor allem im Süden Bayerns hohe Anteile von über 35-jährigen Müttern. Spitzenreiter war der Landkreis Starnberg (36 Prozent), gefolgt vom Landkreis München und der Stadt München. Im Norden überwiegen die jüngeren Jahrgänge. So hatte im Kreis Wunsiedel oder in Schweinfurt nur rund jedes siebte Neugeborene eine über 35-jährige Mutter.

Ob es künftig mehr ältere Mütter gibt, wird sich zeigen. Jedenfalls hat sich in den letzten zwei, drei Jahren der Anteil bayernweit bei knapp 24 Prozent eingependelt. In der Stadt Rosenheim verlief die Entwicklung wie folgt: 2007 hatten hier noch 19,6 Prozent der Babys eine Mutter, die aufgrund ihres Alters in die Gruppe der Risikoschwangeren fiel, ein Jahr später lag der Anteil bei 22,5 Prozent und im Jahr 2009 waren es 22,4 Prozent. zs

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