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Kirchenvertreter positionieren sich klar

Mit Stolpersteinen Rosenheimer NS-Opfern gedenken? Die Entscheidung steht bevor

Gunter Demnig, „Erfinder“ der mittlerweile europaweiten Gedenkaktion, bei der Verlegung der Stolpersteine für die Kaufmannsfamilien Wiener und Camnitzer in Rosenheim.
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Gunter Demnig, „Erfinder“ der mittlerweile europaweiten Gedenkaktion, bei der Verlegung der Stolpersteine für die Kaufmannsfamilien Wiener und Camnitzer in Rosenheim.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Seit Jahren wird in Rosenheim über die Verlegung von Stolpersteinen auf öffentlichem Grund diskutiert. Eine erste Entscheidung soll im Haupt- und Finanzausschuss fallen. Während die Meinungen bei den Stadträten auseinandergehen, haben sowohl Kirchenvertreter als auch Angehörige von NS-Opfern einen klaren Standpunkt.

Rosenheim – Vergessen kommt für Yolanda Pressler (29) nicht in Frage. Zu wichtig sind ihr die Erinnerungen an die Opfer des Nationalsozialismus, zu wertvoll die Lehren, die man aus den einzelnen Schicksalen ziehen kann. Umso erstaunter ist sie darüber, dass ein Teil der Rosenheimer Politiker immer noch gegen die Verlegung von Stolpersteinen ist.

Tagebücher der Anne frank übersetzt

„Gerade in der jetzigen Zeit ist es wichtig, sich klar zu positionieren und die Erinnerung wachzuhalten“, sagt Pressler.

Die 29-Jährige ist Jüdin und hat fast ihre gesamte Kindheit in Rosenheim verbracht. Ihre Oma ist die bekannte Kinder- und Jugendbuchautorin Mirjam Pressler, die unter anderem die Tagebücher der Anne Frank übersetzt hat. „Dadurch habe ich mich früh mit der jüdischen Geschichte beschäftigt“, sagt sie.

Sie erzählt von der Stolperstein-Verlegung für einen Teil ihrer Verwandtschaft in Braunschweig, davon, dass sie mittlerweile in Amsterdam lebt, wo sie Kriminaltechnik studiert. „Dort sind Stolpersteine ganz normal“, sagt sie. Auch deshalb ist die Situation in Rosenheim für sie unverständlich.

Ein Zeichen der Wertschätzung

„Ich finde nicht, dass bei einem Stolperstein das Gedenken mit Füßen getreten wird“, sagt die 29-Jährige. Vielmehr ist ein Stolperstein für sie ein Zeichen der Wertschätzung, eine Einladung, sich für einen kurzen Moment daran zu erinnern, wer hinter dem Namen steht und was diesem Menschen widerfahren sein könnte. Hinzu komme, dass sich viele Angehörige explizit einen Stolperstein wünschen würden.

Familie Block schreibt Brief an OB März

Wie beispielsweise die Familie Block. Wie berichtet hat deren Nachfahre Amnon Rimon einen offenen Brief an Oberbürgermeister Andreas März (CSU) und die Stadträte geschrieben und gefordert, dass vor der Schule, von der Elisabeth „Lisi“ Block im November 1938 ausgeschlossen wurde – der heutigen Mädchenrealschule an der Ebersberger Straße – ein Stolperstein an sie erinnert.

Ob dieser Stein tatsächlich verlegt wird, soll sich in der heutigen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses entscheiden. Ausschlaggebend dafür ist ein fraktionsübergreifender Antrag – unterschrieben von 16 Kommunalpolitikern aus sechs Parteien. Und doch ist der Ausgang der heutigen Diskussion ungewiss. Denn die CSU ist nach wie vor geschlossen gegen Stolpersteine und auch in den Reihen der SPD und Freien Wähler gibt es Skeptiker.

Mit Einzelschicksalen beschäftigen

Klarer positionieren sich dagegen Pfarrer Bernd Rother, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Rosenheim (ACK) und der Vorstand des Dekanats der katholischen Frauengemeinschaft. „Stolpersteine auf öffentlichem Grund halten wir für eine durchaus geeignete Form“, schreibt Pfarrer Rother in einem Brief, adressiert an Oberbürgermeister März und die Stadträte. Stolpersteine könnten seiner Meinung nach dazu anregen, mit den jeweiligen Einzelschicksalen zu beschäftigen. Vorstellbar seien – wie vom ehemaligen zweiten Bürgermeister der Stadt Anton Heindl vorgeschlagen  – auch Stelen oder andere Gebilde, die das Gedenken und Erinnern bündeln, an prominenter Stelle im öffentlichen Raum in der Innenstadt. „Keinesfalls sollte ein solcher Gedenkort auf den Friedhof ausgelagert werden oder auf anderen vom öffentlichen Leben eher abgeschiedene Orte“, schreibt Rother.

Klares Zeichen gegen Rassismus

Eine ähnliche Meinung vertritt die katholische Frauengemeinschaft des Diözesanverbandes München-Freising, die sich für die Interessen von Frauen in Kirche, Politik und Gesellschaft einsetzt. „Wir würden es sehr begrüßen, wenn in Rosenheim endlich auch auf öffentlichem Grund Stolpersteine verlegt werden könnten“, schreibt Dekanatsleiterin Astrid Handke in einem Brief an Thomas Nowotny von der Initiative „Erinnerungskultur – Stolpersteine für Rosenheim“, der auch unserer Redaktion vorliegt. Nur so könne es gelingen „ein klares Zeichen gegen Rassismus oder Rechtspopulismus“ zu setzen. Und gegen das Vergessen.

Yolanda Pressler.

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