EIN ÖSTERLICHER BESUCH

Mit Schlappohren zum Erfolg: Rosenheimer Kaninchenzüchter Willi Maier über seine große Liebe

Willi Maier könnte sich ein Leben ohne seine Kaninchen nur schwer vorstellen. Seit etlichen Jahren züchtet der 69-Jährige die Deutschen Riesenschecken.
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Willi Maier könnte sich ein Leben ohne seine Kaninchen nur schwer vorstellen. Seit etlichen Jahren züchtet der 69-Jährige die Deutschen Riesenschecken.
  • vonJohannes Thomae
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Im Leben von Willi Maier dreht sich nicht nur in der Osterzeit vieles um Hasen. Der 69-Jährige ist Kaninchenzüchter und verrät, warum die Welt der Züchter eine für sich ist.

Rosenheim – Um es gleich vorwegzunehmen – vorstellen könnte man es sich schon. Dass es die rund fünfzig Langohren in Willi Maiers Obhut sind, die für Stadt und Landkreis Rosenheim die Ostereier färben.

Als man ihnen näherkommt, schauen sie nämlich aus ihren einzelnen Ställen genau so heraus, als wären sie die Mitarbeiter einer Ostereiermanufaktur, hätten eben Pinsel, Farben und Eier noch schnell unterm Stroh versteckt und prüften, wer sie da in ihre Arbeit stört.

Tiere sind auf ihren Besitzer fixiert

Für Willi Maier ist diese Neugier ein gutes Zeichen, denn dann weiß er, dass des den „Deutschen Riesenschecken“, die er züchtet, gut geht. Und er nimmt dabei die leichteste Veränderung wahr. Für den Beobachter von außen sind alle gleich munter und zutraulich-neugierig, doch Willi Maier stellt fest, dass eine Kaninchendame ein klein wenig zurückhaltender als sonst ist.

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Das kann durchaus an dem ungewohnten Besucher liegen, denn die Kaninchen sind sehr wohl auf Willi Maier fixiert, der sonst ja meist alleine zu ihnen kommt, oder schlicht an der Tagesform – aber ihrem Züchter fällt es auf.

Ein möglichst vollkommendes Fell

Eine Fürsorge, die ihm die Tiere danken – sie sind durchweg prächtig anzuschauen, mit weichem, seidigem Fell, lebhaft schnuffelnd und aufmerksam die Ohren stellend: Alle, so scheint es, mit ihrem Dasein schwer zufrieden. Und auch sonst sehen sie für den Laien ziemlich gleich aus, weiß mit einer schwarzen Zeichnung, von der die schwarze Nase, die schwarzen Ohren und die schwarzen Ringe um die Augen das auffälligste sind. Nicht so für Willi Maier.

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Er kann einem schnell die Unterschiede erklären, auf die es ankommt: Die Zeichnung soll möglichst symmetrisch über den gesamten Körper verlaufen und mit scharfen Rändern abgegrenzt sein. Der Traum eines Züchters dann ein rundum gesundes Tier mit einem möglichst vollkommenem Fell.

Zwölf aktive Mitglieder

Die Erfolge auf dem Weg dahin möchte man als Züchtern natürlich mit Gleichgesinnten teilen und das ist der Zweck des Rosenheimer Kaninchenzuchtvereins, dessen Vorsitzender Willi Maier ist. Zwölf aktiv züchtende Mitglieder hat der Verein derzeit im ganzen Landkreis, vor drei Jahren waren es noch achtzehn.

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Für Willi Maier kein Wunder: „Das Durchschnittsalter in unserem Verein beträgt 67 Jahre“, sagt er, der selbst auch schon 69 ist, „da ist es nur logisch, dass einer nach dem anderen aus Altersgründen aufhört“. Dabei ist es nicht so, dass Vereinsnachwuchs gar nicht vorhanden wäre: „Für die Enkel unserer Züchter sind die eigenen Kaninchen mit das Höchste, das war auch bei meinen eigenen Enkeln so“, erzählt Willi Maier.

Der Traum eines Züchters: Rundum gesunde Tiere mit einem möglichst vollkommenem Fell.

Rund 50 passive Mitglieder

„Ein Interesse, das naturgemäß etwas nachlässt, wenn die Kinder fünfzehn, sechzehn werden, aber im Untergrund schlummert es bei vielen weiter“. Das zeigt sich auch daran, dass der Verein neben den zwölf aktiven noch rund fünfzig passive Mitglieder hat. Irgendwann würde es bei dem einen oder anderen auch wieder ganz wach werden, nur dann stellt man fest, dass Platz und Zeit fehlen.

Zwei Stunden täglich bei den Langohren

Denn Kaninchen zu halten ist aufwendig. Etwa zwei Stunden täglich verbringt Willi Maier bei seinen Langohren und am Wochenende, wenn es ans Ausmisten geht, ist schnell auch ein ganzer Vormittag weg. Das wird sofort verständlich, wenn man seinen blitzsauberen Stall sieht, in denen die Kaninchen wie in einer gut gepflegten Apartmentanlage wohnen.

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„Ohne diesen Aufwand aber geht es nicht“ sagt er, und auch, dass sein Verein Mitglieder, die ihre Tiere nicht optimal unterbringen und pflegen, nicht dulden würde. Dafür sei in der Vereinssatzung extra ein Kontrollrecht für Vorstand und Zuchtwart vorgeschrieben: „Die Tiere sind ein Lebewesen wie Du und ich – für das hat man Verantwortung übernommen und der muss man auch gerecht werden“.

„Ostereier klauen? Bei mir? Kommt gar nicht in die Tüte!“ scheint diese Kaninchendame zu sagen.

Tiere sind auf Halter fixiert

Urlaub als Züchter ist also nur schwer möglich. Denn selbst wenn man jemand hat, der in der Zeit für die Pflege einspringt – „so hundertprozentig wohl ist einem dabei nie“, sagt Willi Maier, „denn man weiß ja, dass die Tiere durchaus auf einen fixiert sind und darauf, dass man sich selbst täglich um sie kümmert.“

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Auch der Platz ist oft ein Problem: Der Mist der Kaninchen müsste ja irgendwo gelagert werden – Grundstücke, die so groß sind, oder in einer Lage, dass sich deswegen kein Nachbar beschweren könnte, sind aber selten. Bliebe also nur die Entsorgung auf dem Wertstoffhof oder bei einem Landwirt, der eine Biogasanlage hat. Das aber erfordert wieder zusätzliche Zeit, womit sich der Problemkreis schließt.

Vereinstreffen seit einem Jahr ausgesetzt

Trotzdem hätte der Verein derzeit zwei neue Interessenten, die gerne aktiv züchtende Mitglieder werden wollen. Das Problem dabei: Man kann sie im Moment wegen Corona nicht aufnehmen. Das würde nämlich die Versammlung aller Mitglieder voraussetzen, denn man will ja wissen, ob „die Neuen“ auch alle Voraussetzungen erfüllen.

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Seit Februar vergangenen Jahres aber mussten alle Vereinstreffen ausgesetzt werden.

Auch bei den großen Landes- und Bundesschauen, die in Straubing und Karlsruhe stattfinden und die als Leistungsschau aber auch Verkaufsmarkt dienen, ist mehr als unsicher, ob sie wenigstens dieses Jahr stattfinden können.

Umgang mit den Tieren bleibt

Immerhin bleibt Willi Maier wie allen anderen Züchtern wenigstens ein wesentlicher Teil des Hobbys erhalten: der Umgang mit den Tieren. „Könnte ich in der Früh nicht als erstes zu ihnen gehen, dann würde mir wirklich etwas entscheidendes in meinem Leben fehlen“, meint er. Ob zu dieser Morgenbegegnung jetzt in der Vorosterzeit auch tatsächlich das Abnehmen der fertig bemalten Eier gehört, verrät er jedoch nicht.

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