Drei rumänische Arbeiter auf Diebestour - Jeweils 18 Monate Strafe

Missglückte Arbeitssuche

Rosenheim - Vor dem Schöffengericht waren drei rumänische Bauarbeiter - 23, 37 und 38 Jahre alt - angeklagt, wegen schweren Bandendiebstahls nach Deutschland eingereist zu sein. Was sich nach Aktenlage wie die klassische Diebestour darstellte, wies dann doch andere Eigenschaften auf.

Aus ihrem Heimatland waren die drei Angeklagten aus der Region nördlich von Bukarest nach Deutschland gefahren. Ein anderer Rumäne, der in Deutschland ein Bauunternehmen betreibt, hatte sie aufgefordert, hierher zum Arbeiten zu kommen. Bereits im vergangenen Jahr hatten sie nachweislich mehrere Monate für ihn in Pforzheim gearbeitet.

Als die nun Angeklagten am 17. August über Salzburg in die Bundesrepublik kamen, meldeten sie sich bei ihrem Landsmann telefonisch, um dabei zu erfahren, dass es gar nicht sicher sei, ob er sie wirklich beschäftigen könne. Die Drei überlegten, dass es möglicherweise sinnlos sei, nach Pforzheim zu fahren und verließen bei Rosenheim die Autobahn, um die eventuelle Zusage abzuwarten. Ohne große Geldmittel und frustriert kamen sie nun auf die Idee, keinesfalls vergeblich in Deutschland gewesen zu sein: Sollten sie wirklich wieder nach Hause fahren müssen, so wollten sie wenigstens etwas "mitbringen". Am nächsten Morgen machten sie sich im Aicherpark auf Beutezug.

Keine ehrgeizigen Ziele bei Diebestour

Ehrgeizige Ziele hatten sie dabei nicht. In einem Supermarkt waren es drei Kilo Kaffee, die sie mitgehen ließen, im nächsten ein Pfund Kaffee und eine Tube Zahnpasta. Im dritten wurden sie dann schon dreister: Dort stahlen sie drei Flaschen teuren Whisky und Kosmetikartikel für die Frauen daheim. Im vierten, noch frecher geworden, übertrieben die drei Rumänen es dann: Zwölf Flaschen Champagner und diverse Kosmetika führten dazu, dass die Männer ertappt wurden. Insgesamt 545 Euro war die Beute wert, die umgehend wieder an die Geschäfte zurückging.

Ihre Vorgehensweise stellte sich nach und nach immer mehr als dilletantisch heraus. Dennoch stolperten zwei der Angeklagten beinahe darüber, dass sie sich schon erhebliche Vorstrafen in Rumänien eingehandelt hatten.

Die Staatsanwältin gestand den geständigen Angeklagten zu, dass es sich wohl tatsächlich um einen ungeplanten Gelegenheitsdiebstahl gehandelt habe. Dennoch sei das zu dritt ein gemeinsam - wenn auch kurzfristig - geplanter Bandendiebstahl. Dem 37-jährigen unbescholtenen und etwas einfältigen "Mitläufer" billigte sie eine Bewährungsstrafe von 18 Monaten zu. Den anderen beiden rechnete sie deren Vorstrafen an, die sie nicht von weiteren Straftaten abgehalten hätten. 21 und 24 Monate Gefängnis lautete hier der Strafantrag, die sie auch nicht zur Bewährung ausgesetzt wissen wollte.

Verteidiger Rechtsanwalt Peter Dürr erinnerte für seinen Mandanten, den 38-jährigen Organisator der Arbeitssuche, an die Tatsache, dass dessen Vorstrafe bereits 15 Jahre zurücklag. Dazu könnten die Umstände dieser rumänischen Verurteilung von Deutschland aus nur schwerlich beurteilt werden. Er schlug eine Gefängnisstrafe von 18 Monaten vor, die auch in diesem Fall getrost zur Bewährung ausgesetzt werden könnte.

Rechtsanwalt Jakob Gerstmeier stimmte für seinen Mandanten der Staatsanwältin zu, dass hier eine Bewährungsstrafe angemessen sei. Allerdings seien 15 Monate Gefängnis völlig hinreichend. Rechtsanwalt Dominik Brunkow verwies darauf, dass die Taten der drei typisch für jemanden seien, der mit kleinen Diebereien beginnt und sich allmählich steigert, aber ganz und gar nicht wie eine professionelle Diebesbande. Dass sie zu dritt waren, sei der reine Zufall gewesen und juristisch für sie großes Pech. Auch er empfahl eine Bewährungsstrafe, die mit 18 Monaten Gefängnis ausreichend bemessen sei, für angebracht.

Das Gericht unter Vorsitz von Jacqueline Aßbichler rang lange um eine angemessene Bestrafung. Auch ein Rechtsgespräch mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung brachte keine Klärung. Schlussendlich sprach das Gericht gegen alle drei Angeklagten eine Strafe von 18 Monaten aus, die es zur Bewährung aussetzte. Die Vorsitzende: "Als Bewährungsauflage erhalten Sie eine Geldbuße von 3000 Euro. Da ich davon ausgehe, dass Sie diese nicht bezahlen werden, müssen sie wissen, dass dann die Bewährung widerrufen wird. Sobald Sie wieder einen Fuß nach Deutschland setzen, werden Sie sofort verhaftet und gehen ins Gefängnis." au

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