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„Cyber-Grooming“

Missbrauch im Netz: Das rät der Fachmann vom „Weißen Ring“ Eltern und Kindern

Mit Komplimenten oder als vermeintlicher Kummerkasten bringen zumeist ältere Personen Kinder und Jugendliche beim „Cyber-Grooming“ dazu, körper und/oder Seele bloß zu legen.
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Mit Komplimenten oder als vermeintlicher Kummerkasten bringen zumeist ältere Personen Kinder und Jugendliche beim „Cyber-Grooming“ dazu, körper und/oder Seele bloß zu legen.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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Soziale Medien haben auch eine dunkle Seite. Besonders Kinder und Jugendliche machen negative Erfahrungen. Und vertrauen sich ihren Eltern nicht an – aus Angst, dann nicht mehr ins Internet zu dürfen. Das rät der Fachmann vom „Weißen Ring“.

Rosenheim – Vor allem das sogenannte „Cyber-Grooming“ – die sexuelle Belästigung im Netz – ist seit der Corona-Pandemie wieder in den Vordergrund gerückt. Ein Gespräch mit Günter Schwarz, Präventionsbeauftragter der Hilfsorganisation „Weißer Ring“, über Kriminalität im Netz und warum sich viele nicht trauen, nach Hilfe zu fragen.

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Kriminalität im Netz aus?

Günter Schwarz: Gerade in den Zeiten von Ausgangssperren und Kontaktverboten werden Chat-Plattformen und Kontaktseiten im Internet weit mehr für soziale Kontakte genutzt als vor der Pandemie. Dies ist zwar grundsätzlich gut und wünschenswert, öffnet aber leider auch die Türen für Täter, die auf diesem Wege Verbindung zu ihren meist jugendlichen Opfern suchen.

Ist das Schreiben allein schon strafbar?

Schwarz: Nein. Erst wenn dieser Kontakt dazu dient, das Vertrauen des Kindes oder Jugendlichen zu gewinnen, um sie im weiteren Verlauf sexuell zu missbrauchen zu können, bewegen wir uns im strafbaren Bereich.

Wissen Sie, wie viele Betroffene es gibt?

Schwarz: Im Bereich „Cyber-Grooming“ gibt es keine genauen Statistiken, da dieser Straftatbestand lediglich im Gesamtbild der Internetkriminalität auftaucht, dort aber nicht separat aufgeschlüsselt wird. Deshalb kann man auch die Dunkelziffer nicht seriös abschätzen.

Günter Schwarz.

Und dabei wäre das wahrscheinlich wichtig.

Schwarz: Fakt heute ist, dass mittlerweile nahezu jedes Kind wenigstens einmal Kontakt zu solchen Tätern hat. Das heißt jedoch nicht, dass sie dabei gleich zu Opfern werden. Um Opfer zu werden, muss das auch so erkannt werden. Und gerade das Verschleiern und Verbergen wahrer Identitäten und Absichten ist ja Bestandteil des „Cyber-Groomings“.

Wer sind die Opfer?

Schwarz: Vom Alter her gibt es wohl keine großen Einschränkungen. Sobald ein Kind in der Lage ist, sich selbstständig im Internet zu bewegen, zu schreiben und zu posten, läuft es Gefahr, zum Opfer zu werden. Mädchen sind hier sicherlich weitaus mehr betroffen als Buben.

Sprechen Betroffene das Thema offen an?

Schwarz: Viele Kinder und Jugendliche trauen sich nicht, mit Eltern oder sonstigen Vertrauenspersonen darüber zu sprechen, weil sie Angst vor möglichen Repressalien haben. „Wenn ich sage, dass mir so etwas passiert ist, muss ich mein Handy abgeben und darf nicht mehr ins Internet!“ Hier sind Eltern und Erziehungsberechtigte gefordert. Die Kinder sind an solchen „Grooming-Attacken“ niemals schuld.

Wie wahrscheinlich ist es, dass die Täter gefasst werden?

Schwarz: Es gibt vergleichsweise nur wenige Anzeigen. Eben weil nicht darüber gesprochen wird, weil die Eltern oft nicht Bescheid wissen, weil man sich auch schämt. Dafür ist aber die Aufklärungsquote bei den gemeldeten Fällen recht hoch. Die Täter wähnen sich oft in Sicherheit und denken, im Internet keine Spuren zu hinterlassen. Dem ist jedoch nicht so und somit können die meisten Täter auch ermittelt und zur Verantwortung gezogen werden.

Gibt es Tipps, wie man „Cyber-Grooming“ entgehen kann?

Schwarz: Ja. Ganz wichtig: Vertrauen zu den Kindern schaffen. Eltern müssen mit ihren Kindern darüber reden und Ihnen klar machen, dass sie keine Schuld tragen. Wenn Kindern sich auf solchen Chat-Plattformen tummeln oder neue Internetspiele nutzen wollen, sollten die Eltern vielleicht diese Software erst mal auf dem eigenen Rechner installieren und alles probieren, um zu sehen und zu erkennen, welche Gefahren möglicherweise dort lauern. Dann mit den Kindern in Ruhe darüber sprechen. Das ist vielleicht etwas aufwendig, aber ich denke, die Sicherheit der Kinder ist die Mühe allemal wert.

Wohin soll ich mich wenden, wenn ich mir nicht sicher bin ob ich ein Opfer von Kriminalität im Netz bin?

Schwarz: Die erste und beste Ansprechstation ist sicherlich die Polizei. Aber auch andere Organisationen wie das Jugendamt, der Kinderschutzbund, entsprechende Beratungsstellen oder auch der „Weiße Ring“ können in solchen Fällen kontaktiert werden und man wird immer versuchen, den Opfern und den Eltern weiterzuhelfen.

Was bedeutet „Cyber-Grooming“?

Das gezielte Ansprechen Minderjähriger im Internet mit dem Ziel sexueller Kontakte nennt man „Cyber-Grooming“. Täter nutzen verschiedene soziale Netzwerke, wie beispielsweise Facebook, Instagram oder Snapchat und suchen über diese Plattformen den Kontakt zu Kindern und Jugendlichen, erklärt Günter Schwarz.

Dabei werden Minderjährige oft anonym oder unter falschen Angaben angesprochen und beispielsweise zu Nacktaufnahmen oder sexuellen Handlungen aufgefordert. Die Täter geben sich häufig als Gleichaltrige aus und versuchen über Komplimente, als mitfühlender Zuhörer oder als Anlaufstelle bei persönlichen Problemen das Vertrauen des Kindes zu gewinnen. Ziel ist es, ein persönliches Treffen anzubahnen, um die Minderjährigen dann missbrauchen zu können.

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