Geständnis nach Festnahme

Millionenbeute bei den Eltern in Rosenheim versteckt: Bewährungsstrafe für 31-Jährigen

Knapp 3,5 Millionen Schweizer Franken aus einem fingierten Raubüberfall hatte der Angeklagte (31) auf dem Speicher seiner Eltern in Rosenheim versteckt.
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Knapp 3,5 Millionen Schweizer Franken aus einem fingierten Raubüberfall hatte der Angeklagte (31) auf dem Speicher seiner Eltern in Rosenheim versteckt.
  • vonChrista Auer
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Das Schöffengericht verurteilte jetzt einen 31-Jährigen wegen Hehlerei in Tateinheit mit Begünstigung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Der Wahlschweizer hatte rund 3,5 Millionen Schweizer Franken aus einem Überfall versteckt. 1,6 Millionen Franken wurden bisher sichergestellt.

Rosenheim – Rein zufällig wollte der 31-Jährige aus dem schweizerischen Bellach auf die schiefe Bahn geraten sein. Zumindest behauptete das der Mann vor dem Rosenheimer Schöffengericht. Dort musste er sich wegen Hehlerei in Tateinheit mit Begünstigung verantworten. Schon bei seiner Festnahme war der Angeklagte umfassend geständig und nannte auch die Namen seinen Mittäter.

Raubüberfall vorgetäuscht

Demnach täuschte der anderweitig Verfolgte Ali (Name geändert), der als Werttransporteur tätig war, am 1. Juli 2019 einen Raubüberfall vor und entwendete dabei aus einem Geldtransporter seines Arbeitgebers 4,5 Millionen Franken. Aus Sicht des ermittelnden Beamten der Kripo Rosenheim sollte es wohl „ein einmaliges Ding“ werden, an dem sich mehrere bereichern wollten. Doch die Personalauswahl sei unglücklich gewesen, denn zwei Mittäter seien nicht gekommen und so habe man improvisieren müssen.

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Ali wie auch der Angeklagte und dessen Schwager sowie die übrigen Täter seien alle aus dem Kosovo und das sei ein geschlossener Kreis. So sei dann wohl auch der Angeklagte ins Spiel gekommen, vermutete der Kripobeamte. Er habe seinen Schwager während der Nachtschicht auf dem Firmenparkplatz bei der Geldübergabe mit einem Mittäter beobachtet, berichtete der Angeklagte.

„Das war eine große Dummheit“

Um seine Schwester und die Kinder vor möglichen polizeilichen Ermittlungen zu bewahren, habe er quasi als Schadensbegrenzung anstatt des Schwagers das Geld übernommen. „Das war eine große Dummheit. Ich habe nur das schnellverdiente Geld im Blick gehabt“, sagte der Angeklagte. Der Geldkurier habe bei der Übergabe 450 000 Franken für sich behalten. Die restlichen Geldtaschen habe er in den Kofferraum seines Wagens geladen und anschließend über mehrere Wochen in seiner Wohnung aufbewahrt. Dort habe er das Geld gezählt und festgestellt, dass es nur 3,48 Millionen Franken waren. Vermutlich habe ein weiterer Mittäter im Vorfeld bereits eine halbe Million abgezweigt, vermutete der Angeklagte.

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Ende Juli habe er sich dann auf den Weg nach Rosenheim gemacht, um das Geld loszuwerden. Ohne Wissen seiner Eltern habe er die Beute in deren unabgeschlossenen Speicherabteil versteckt. Nachdem Ali und ein Mittäter im Februar aus der U-Haft entlassen worden seien, habe er die Anweisung bekommen, zwei Millionen Franken in Eberbach in Baden Württemberg zu übergeben.

Festnahme erfolgt einen Tag nach der Übergabe

Zur Absicherung seines Anteils habe er aber nur 1,6 Millionen Franken an die anderweitig Verfolgten übergeben. Einen Tag später wurde er festgenommen. Von den restlichen 1,88 Millionen Franken, die noch im Speicher versteckt waren und vom Bruder des Angeklagten an Ali übergeben worden sein sollen, fehlt jede Spur.

Für die Anklagevertretung war der Tatvorwurf im Wesentlichen bestätigt und ein Strafmaß von zwei Jahren auf Bewährung gerade noch ausreichend, weil der Angeklagte früh und umfassend geständig gewesen sei und keine Vorstrafen habe. Mit seinen Angaben habe er die Ermittlungen forciert.

Zur Aufklärung beigetragen

Verteidigerin Sabine Distel plädierte für eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Ihr Mandant sei durch Zufall in diese Situation geschlittert und habe wenig kriminelle Energie an den Tag gelegt. Zudem habe er große Reue gezeigt und wesentlich zur Aufklärung der Tat beigetragen.

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Das Schöffengericht folgte dem Antrag der Anklage. Nach der Tat habe der Angeklagte mit seinem kooperativen Verhalten alles richtig gemacht, das habe sich extrem strafmildernd ausgewirkt, betonte Richterin Melanie Bartschat. Die Einziehung des Wertersatzes von 1,88 Millionen Franken, also rund 1,69 Millionen Euro wurde angeordnet. Damit haftet der Angeklagte gesamtschuldnerisch mit seinen Mittätern für den fehlenden Betrag der Beute.

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