JUGENDPARLAMENT ZUR ALPENKONVENTION

Mehr als ein Spiel

Begeistert vomJugendparlament der Alpenkonvention in Maribor zeigten sich auch die neuen Delegationsmitglieder vom Rosenheimer Karolinen-Gymnasiums, Jonas Gerg, Antina Thiesen, Antonia Jakob und Jonas Mattig (von links).
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Begeistert vomJugendparlament der Alpenkonvention in Maribor zeigten sich auch die neuen Delegationsmitglieder vom Rosenheimer Karolinen-Gymnasiums, Jonas Gerg, Antina Thiesen, Antonia Jakob und Jonas Mattig (von links).

Lösungen für den Alpenraum finden, zum Beispiel zum Thema Bodenerhaltung. An diesem Projekt beteiligen sich zusammen mit Delegierten des Jugendparlaments der Alpenkonvention Schüler vom Rosenheimer Karolinen-Gymnasium, darunter Kilian Schröder als „Berichterstatter“.

Rosenheim – Dr. Milan Brglez, Präsident der slowenischen Nationalversammlung, steht vor dem Podium und hält eine Rede. An sich nichts Besonderes, ungewöhnlich nur, dass er nicht vor den Abgeordneten des slowenischen Parlaments spricht, sondern vor über 80 Schülern, also Delegierten des Jugendparlaments der Alpenkonvention in Maribor. Vor Ort war auch eine Gruppe Jugendlicher vom Karolinen-Gymnasium.

Fast traditionell nimmt das Rosenheimer Gymnasium an den jährlichen Sitzungswochen des YPAC, so die Kurzform des Parlaments, teil, die jedes Jahr in einer der beteiligten zehn Schulen aus dem Alpenraum stattfinden. Ziel dabei ist, gemeinsam Lösungen für aktuelle Probleme des Alpenraums zu finden.

Das Rahmenthema in diesem Jahr war „Bodenerhaltung“. Damit wandte sich das YPAC einem Thema zu, dass in der „echten“ Politik relativ wenig Beachtung findet. Dabei sind die Probleme, die mit Bodenverbrauch einhergehen, real – speziell in Bezug auf Landwirtschaft, räumliche Planung im ländlichen sowie im städtischen Bereich und bei Naturkatastrophen. Diese „Titel“ führten dann auch die vier Komitees, auf die die Schüler aufgeteilt wurden.

Wichtig und produktiv – so charakterisiert der Schulleiter der gastgebenden Schule in Maribor YPAC. In diesem Parlament setzten sich Schüler mit aktuellen Problemen auseinander, hätten internationalen Austausch von Kultur und Weltanschauung. Ähnlich sehen das die Rosenheimer Jugendlichen, von denen viele zum ersten Mal am Projekt teilnahmen. „Das YPAC ist für mich ein Platz, auf dem ich mich mit Gleichaltrigen austauschen und über meine eigenen Grenzen steigen kann. Seitdem habe ich gelernt, Dinge weiter zu hinterfragen“, sagt Jonas Gerg, der mit 14 Jahren das jüngste Mitglied der Delegation des Karolinen-Gymnasiums war. Höhepunkt ist jeweils die Generalversammlung. In ihr stellen die vier Komitees ihre Lösungsansätze, ihre „Postulations“, dem Plenum vor und versuchen zu überzeugen – denn am Ende werden nur zehn von insgesamt 16 „Postulations“ als Resolutionen verabschiedet. Dafür müssen die Komitees Fragen beantworten, sich der Kritik stellen und Reden halten, um genug Stimmen zu erhalten.

Gehört werden von Entscheidungsträgern

Die Parlamentssitzung wird dabei oft von namhaften Politikern besucht: Neben dem Präsidenten der slowenischen Nationalversammlung nahmen diesmal Spela Berlot als Repräsentantin der CIPRA (Internationale Alpenschutzkommission) und Markus Reiterer, Generalsekretär der Alpenkonvention, teil. Das Jugendparlament ist zwar eine Simulation, doch für die Schüler bedeutet es mehr als ein Spiel. Mit ihren Ideen und den offiziellen Resolutionen wollen sie Einfluss nehmen und von tatsächlichen Entscheidungsträgern gehört werden. Schon vor einigen Jahren gründete sich deshalb die „Platform Future“. Sie will zwischen den Sitzungswochen an Politiker und Organisationen herantreten und das Projekt und seine Ergebnisse bekannt machen. Lehrer nehmen hier nur beratende Funktionen ein.

Neben dem politischen Aspekt ist der kulturelle Austausch und der persönliche Gewinn für die Schüler bedeutsam. Durch das Projekt werden Freundschaften über ganz Europa geschlossen und man verbessert – ganz nebenbei – seine Englischkenntnisse, da sämtliche Sitzungen in der Weltsprache abgehalten werden. „Am wichtigsten ist, dass es Spaß macht, und das tat es auch. Es war wundervoll, so viele neue Leute kennenzulernen, der Abschied fiel sehr schwer“, meint Ema Zecevic, die zum ersten Mal am YPAC teilnahm. Ihre Mitschülerin, Antina Thiersen, teilt diese Meinung: „Es war schön, sich mit internationalen Freunden politisch engagieren zu können.“

In Rosenheim laufen derweil die Vorbereitungen für 2020 an, wenn das Karolinen-Gymnasium gastgebende Schule ist. Das bedeutet für alle Beteiligten viel Arbeit, aber erfahrungsgemäß mindestens genauso viel Spaß. Wie wichtig das ist, weiß auch Dr. Milan Brglez, wie er in seiner Rede verdeutlichte: „Das YPAC braucht absolute Freiheit, denn wir brauchen neue Ideen.“

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