Beschlüsse im Verkehrsausschuss

Mehr Platz für Radler: Warum sich der Rosenheimer Fahrradbeirat trotzdem mehr wünscht

In der Brianconstraße in Rosenheim soll ein einseitiger Radfahrstreifen eingerichtet werden. Dadurch fallen die zehn Stellplätze fallen dann weg.
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In der Brianconstraße in Rosenheim soll ein einseitiger Radfahrstreifen eingerichtet werden. Dadurch fallen die zehn Stellplätze fallen dann weg.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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Das Radfahren gewinnt in Rosenheim immer mehr an Bedeutung. In der jüngsten Sitzung des Verkehrsausschusses haben die Mitglieder gleich vier Maßnahmen zur Verbesserung der Situation für die Radfahrer beschlossen. Doch bei den Vertretern des Fahrradbeirats hält sich die Freude darüber in Grenzen.

Rosenheim – Eigentlich hat Armin Stiegler von der Initiative „Radentscheid Rosenheim“ mehr erwartet. „Viele Anträge wurden verschoben“, sagt er. Er sei enttäuscht, hätte sich mehr Mut bei der Umsetzung gewünscht. Und doch will er nicht alles schlecht reden.

Einseitiger Radfahrstreifen in der Brianconstraße

„Vier Maßnahmen wurden immerhin beschlossen“, sagt er. So soll beispielsweise in der Brianconstraße ein einseitiger Radfahrstreifen eingerichtet werden. Denn, darüber waren sich die Stadträte einig, die Situation dort sei weder für die Radfahrer noch die Fußgänger zufriedenstellend. Die Stadtverwaltung schlug vor, dass die Einrichtung vorerst als Verkehrsversuch erfolgt. „Wenn wir drei Monate nach dem Start feststellen, dass es eine totale Katastrophe ist, müssen wir nur die Markierung entfernen und nichts zurückbauen“, sagt Oberbürgermeister Andreas März (CSU).

Provisorischer Radfahrstreifen im Frühjahr 2021

Der provisorische Radfahrstreifen soll, so geht es aus den Unterlagen der Stadt hervor, im Frühjahr 2021 eingerichtet werden. In den Folgemonaten soll dann überprüft werden, wie groß die Verschlechterung für den Autoverkehr ist und wie weitergemacht werden soll.

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Denn durch die Markierung würden nicht nur zehn Stellplätze am Fahrbahnrand auf der Westseite wegfallen, sondern auch ein Fahrstreifen. Außerdem müssten die Abbiegespuren für den Kfz-Verkehr verkürzt werden. „Dadurch wird die Leistungsfähigkeit des Knotens verringert“, so die Stadtverwaltung. Doch davon ließen sich die Stadträte nicht abschrecken. Sie stimmten mit Ausnahme von Franz Baumann (Freie Wähler/UP) für den Vorschlag des Fahrradbeirats.

Busspur soll für Radverkehr freigegeben werden

Und auch in der Gießereistraße wird es in den kommenden Monaten einige Veränderungen geben. Hier legten die Stadträte fest, dass im Abschnitt zwischen Salin- und Kufsteiner Straße die Busspur ganztägig eingerichtet und für den Radverkehr freigegeben wird. Zwar fallen dadurch 30 Stellplätze dauerhaft weg, trotzdem sprach der Fraktionsvorsitzende der CSU, Herbert Borrmann, von einer „vernünftigen Lösung“.

1000 zusätzliche Abstellplätze

Als vernünftig wurde auch der Vorschlag bewertet, 1000 zusätzliche Abstellplätze für das Fahrrad zu schaffen. Unter anderem im Straßenraum, an öffentlichen Gebäuden und am Bahnhof.

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Mit der Umsetzung soll laut Stadtverwaltung bereits in diesem Jahr begonnen werden. Das sei sehr notwendig, denn die Abstellmöglichkeiten auf der Südseite des Bahnhofes (Klepperstraße) seien „komplett ausgelastet“.

Überdachte Anlage mit 500 Plätzen

„Wir müssen dringend etwas tun“, heißt es von der Stadt. Ihr Vorschlag: Dort, wo sich im Moment die provisorischen Fahrradständer befinden, soll in zwei Jahren eine überdachte Anlage mit 500 Plätzen entstehen. Ohne Gegenstimme sprachen sich die Stadträte für den Vorschlag aus.

Keine Fahrspur weniger in der Äußeren Münchner Straße

Deutlich weniger einsichtig zeigten sich sowohl die Verwaltung, als auch die Stadträte gegenüber den restlichen Anträgen des Fahrradbeirats. So schlug dieser beispielsweise vor, in der Äußeren Münchner Straße eine Fahrspur wegfallen zu lassen, um dort stattdessen einen Radfahrstreifen einzurichten. Dieser Antrag wurde von den Stadträten zurückgesetzt, ebenso wie der Vorschlag, einen provisorischen Radfahrstreifen in der Innsbrucker Straße einzurichten.

Opperer übt Kritik

„Die Stadt befürchtet, dass hier die Einschränkungen für den Autoverkehr zu groß sind“, sagt Armin Stiegler. Verständnis für diese Begründung hat er keine. Denn: „Dass Radfahrer und Fußgänger bereits mit massiven Einschränkungen zu kämpfen haben, darüber wurde nicht einmal diskutiert.“

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Auch der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Franz Opperer, übte Kritik. Er erinnerte daran, dass das Gremium dem Radentscheid zugestimmt habe und man deshalb auch bereit sein müsse, unbequeme Entscheidungen zu treffen, zu Ungunsten des Kfz-Verkehrs. Für die Mitglieder des Fahrradbeirates steht fest: „Wir wollen dranbleiben. Es gibt noch viel zu tun.“

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