Mehr Handelsvielfalt am Bahnhof

Der Bahnhof und die direkt danebenliegenden Baufelder (schraffiert) zählten bisher planerisch nicht zum "zentralen Versorgungsbereich Innenstadt". Das soll sich nun ändern. Über einen Bebauungsplan kann die Stadt weiter bestimmen, welche Sortimente dort im Handel zulässig sind.  Grafik  Cima
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Der Bahnhof und die direkt danebenliegenden Baufelder (schraffiert) zählten bisher planerisch nicht zum "zentralen Versorgungsbereich Innenstadt". Das soll sich nun ändern. Über einen Bebauungsplan kann die Stadt weiter bestimmen, welche Sortimente dort im Handel zulässig sind. Grafik Cima

Auf dem Bahnhofsgelände will die Stadt rund 10000 Quadratmeter Verkaufsfläche zulassen und dafür sorgen, dass sich dort nur Händler ansiedeln, deren Angebote nicht schädlich sind für das Geschäftsleben in der Innenstadt. Neu ist, dass auf dem Areal auch der Verkauf von Fahrrädern zulässig sein soll.

Rosenheim - Im Gespräch dafür ist der bundesweit mit 17 Filialen und auch im Internet vertretene Händler "Radelbauer". Der Rosenheimer Filialleiter Hermann Lederer bestätigt das grundsätzliche Interesse des Unternehmens am Bahnhofsgelände. Dies sei jedoch noch vage und langfristig zu sehen. Derzeit werde gerade der Standort Innstraße durch Umbau und Erweiterung gestärkt.

Als Grund dafür, dass die Ansiedelung eines Fahrradhändlers am Bahnhof nicht mehr ausgeschlossen werden soll, nennt das Stadtplanungsamt die eindeutige Tendenz zu neuen Verkaufsformen, zu flächenintensiven Fachmärkten mit Teststrecken in der Halle und einem umfangreichen Angebot an Fahrrädern, Kinderrädern, E-Bikes und Zubehör. Dafür sei in der Innenstadt kein Platz. Es gelte: Lieber stadtnah als auf der grünen Wiese.

Für die Experten der Firma Cima, die die Stadt beim Einzelhandelsentwicklungskonzept berät, erläuterte Sebastian Mahrenholz im Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus die Marschrichtung. Das neue Landesentwicklungsprogramm habe Tatsachen geschaffen, denen sich auch die Stadt nicht entziehen könne. "Wenn Rosenheim die Ansiedelung nicht zulässt, könnte nach den jetzt geltenden Bestimmungen ein solcher Händler in eine der umliegenden Gemeinden gehen. Die Stadt hätte keine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren", sagte der Diplom-Geograf.

Opperer: "Der macht den Kleinen den Garaus"

Für die Grünen befürchtete Franz Opperer einen Verdrängungswettbewerb: "Den kleinen Fahrradhändlern wird der Garaus gemacht." Ihnen bleibe zum Schluss nur noch der Reparaturservice. Davon könne aber keiner leben. Die großen Händler würden auf Service nicht allzu viel Wert legen. Robin Nolasco schwärmte hingegen von der Möglichkeit, Rosenheim zur "Fahrradstadt" zu entwickeln, die auf diesem Gebiet weit über die Stadtgrenzen hinaus Bedeutung erlangen könne. Läden mit kleineren Flächen und einem Spezialangebot und ein größerer Fachhandel könnten sich ideal ergänzen, zeigte sich der Leiter der Stadtplanung überzeugt.

Im November 2011 hat der Stadtrat ein Einzelhandelsentwicklungskonzept beschlossen, das die zukünftigen Rahmenbedingungen für den Einzelhandel festhält. Erklärtes Ziel ist die Fortentwicklung der Innenstadt. Über Bebauungspläne hat die Stadt die Möglichkeit, Sortimente konkret auszuschließen, wie sie dies beispielsweise bei der Ansiedelung von Weko getan hat. Dort wurden die sogenannten Randsortimente wie Geschirr und Geschenkartikel auf einen bestimmten Prozentanteil begrenzt.

Solche Festlegungen sind auch für das Bahnhofsgelände geplant. Dort ist vorrangig an einen Mix aus Handel, Gastronomie, Hotellerie, Gesundheitswirtschaft und Dienstleistungen gedacht, als Ergänzung zu den Angeboten in der Innenstadt. Vor allem sollen Angebotsformen angesiedelt werden, die in der Innenstadt keinen Platz fänden, in Rosenheim aber deutlich unterrepräsentiert sind. Die Cima nennt dafür als Beispiele ein Elektrovollsortiment, Kinderspielwaren, einen Sportfachmarkt und ein "Kompetenzzentrum Zweirad und Mobilität. Diese Lücken könnten auf dem Bahnhofsgelände geschlossen werden. So lasse sich das Angebot der Innenstadt ergänzen und die Einkaufsstadt stärken.

Die Experten schlagen vor, diese Sortimente im Bereich neben der geplanten Fußgängerüberführung über die Gleise anszusiedeln, die als Fortführung der Münchener Straße vorgesehen ist. Die Cima empfiehlt die planerische Ausweitung des sogenannten "Versorgungsbereichs Innenstadt". "Sie behalten das Heft des Handels aber in der Hand und können weiterhin bestimmen, dass dort beispielsweise keine Textilien oder Schuhe verkauft werden dürfen", versicherte Mahrenholz. Der Bereich zwischen Münchener Straße und Brückenberg solle weiterhin tabu bleiben für den Handel.

Bauer: "Fachmärkte stärken den Standort Rosenheim"

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Gabriele Leicht sorgte sich, nun komme durch die Hintertür genau das, was man der Firma MfI erfolgreich verwehrt hatte. Diese hatte ein Einkaufszentrum mit knapp 20000 Quadratmetern Verkaufsfläche am Bahnhof bauen wollen, bevor die Stadt die Grundstücke erwarb, um selber über die zukünftigen Nutzungen bestimmen zu können. Leicht sagte Leerstände in der Innenstadt voraus. "In das damals beantragte ,Arcaden' sollten kleinteilige Geschäfte, Parfümerien, Geschäfte mit Kleidung und Schuhen, alles, was wir in der Innenstadt sowieso bieten", entgegnete Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer. Fachmärkte hingegen würden das Angebot der Innenstadt abrunden, "das stärkt den Standort Rosenheim."

Gegen die Stimmen der SPD-Stadträte Gabriele Leicht und Kurt Müller sowie des Grünen Franz Opperer votierte der Ausschuss für die Ausweitung des zentralen "Verkaufsbereichs Innenstadt" und die Zulassung des Verkaufs von Fahrrädern. Diese Teilfortschreibung des Einzelhandelskonzeptes steht auch auf der Tagesordnung des Stadtrats am Mittwoch, 26. Februar, 17 Uhr, der darüber endgültig zu beschließen hat. bi

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