Pilz als Auslöser

Massives Eschensterben im Auwald und in Oberwöhr: Rosenheimerin erschüttert über Fällungen

Hatte mit den Tränen zu kämpfen: Heide Bergdolt (50) aus Rosenheim steht im Auwald und zeigt auf die abgeholzten Bäume, die aufgrund des Eschentriebsterbens gefällt werden mussten.
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Hatte mit den Tränen zu kämpfen: Heide Bergdolt (50) aus Rosenheim steht im Auwald und zeigt auf die abgeholzten Bäume, die aufgrund des Eschentriebsterbens gefällt werden mussten.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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Ein winziger Pilz aus Ostasien setzt den Eschen in der Region zu. Das „Falsche weiße Stengelbecherchen“ befällt Bäume und schädigt sie nachhaltig. Fachleute sprechen vom Eschensterben. Eine Lösung gibt es nicht – zum Ärger einiger Bürger.

Rosenheim – Eigentlich bringt Heide Bergdolt (50) so schnell nichts aus der Fassung. Doch als sie vor einigen Tagen einen Spaziergang durch den Auwald gemacht hat, konnte sie die Tränen nicht zurückhalten. „Ich war erschüttert“, sagt die Rosenheimerin. Sie spricht von gefällten Bäumen, zersplitterten Ästen und einer „Wüste aus Bruchholz“. Bergdolt sucht das Gespräch mit den Arbeitern vor Ort, erfährt, dass es sich um eine Hiebsmaßnahme handelt, die von den Bayerischen Staatsforsten in Auftrag gegeben wurde.

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Machtlos gegen das Eschensterben

Hintergrund der Aktion ist das sogenannte Eschentriebsterben. Das bestätigte auch Stephan Breit gegenüber unserer Zeitung. Der stellvertretende Forstbetriebsleiter des Forstgebietes Schliersee kämpft seit Jahren gegen das Problem. Bislang ohne Erfolg. „Wir können gegen die Krankheit nichts machen“, sagt er am Telefon. Sind die Eschen erst einmal von dem Pilz befallen, würden die Zweige nach und nach absterben. „Diese können bei Wind abbrechen und zu Boden stürzen“, sagt Stephan Breit.

Bäume können unvermittelt einstürzen

Als wäre das nicht schon schlimm genug, werden die Eschen im fortschreitenden Krankheitsverlauf von weiteren Pilzen besiedelt. Dieser Befall verursacht eine Fäule im Wurzelbereich, wodurch eine Standsicherheit des gesamten Baumes so weit verringert wird, dass dieser auch ohne äußere Einflüsse unvermittelt einstürzen kann. „Befallene Bäume stellen eine akute Gefährdung für Anwohner und Waldbesucher dar“, ist sich Stephan Breit sicher. Aus diesem Grund habe sich der Forstbetrieb Schliersee zur Fällung der Bäume entschieden. Betroffen sind die Waldbestände zwischen der Hochfellnstraße und der Oberwöhrstraße innerhalb des Mangfallkanals und der Mangfall sowie südlich der Mangfall entlang des Turnerweges.

Charakter und Erholungswert des Waldes zerstört

Also genau dort, wo Heide Bergdolt seit dem Beginn der Corona-Pandemie fast täglich ihre Spaziergänge macht. „Wenn Sicherheit so aussieht, dann will ich sie als Rosenheimer Bürgerin nicht“, sagt sie. Und geht sogar noch einen Schritt weiter: „Mit ihrer Sicherungsmaßnahme haben sie den Charakter und den Erholungswert dieses Waldes komplett zerstört“, schreibt sie in einem Brief an den Vorsitzenden der Bayerischen Staatsforsten, der auch unserer Zeitung vorliegt.

Scheint keine andere Lösung zu geben

Stephan Breit versteht den Unmut der Frau: „Es gefällt niemandem, wenn der Baum, den man liebt, zerstört wird“. Trotzdem ist er davon überzeugt, dass es keine andere Lösung gibt. Doch genau hier hat Heide Bergdolt ihre Zweifel. So glaubt sie nicht, dass „in einem so sensiblen und stadtnahen Waldgebiet die Durchführung der Arbeiten mit Harvestern und schweren Geräten die einzige Möglichkeit ist“.

Händische Fällung zu gefährlich

Etwas anders schätzt Stephan Breit die Situation ein. „Aufgrund der teilweise starken Schädigung ist eine händische Fällung durch Waldarbeiter zu gefährlich“, sagt er. So sei für ihn und seine Mitarbeiter schnell klar gewesen, dass die Einschlagarbeiten mit einem Harvester durchgeführt werden.

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Die Holzerntemaschine fixiert und fällt dabei die Stämme mit einem hydraulischen Greifarm, während der Maschinenführer gut geschützt in seiner Kabine sitzt. Laut Breit bewegen sich die Maschinen dabei ausschließlich auf zuvor vom Revierleiter markierten Rückegassen. „Dadurch wird die Befahrung auf das zwingend notwendige Maß reduziert und der Großteil des Waldbodens bleibt unbefahren“, sagt der stellvertretende Forstbetriebsleiter.

Über Alternativen nachdenken

Für Heide Bergdolt ist das nur ein kleiner Trost. Sie hätte sich eine schonende Vorgehensweise gewünscht, auch, weil es sich um ein Landschaftsschutzgebiet handelt. „Der Mangfallwald ist für viele Menschen gerade während des Lockdowns die Alternative zur Autofahrt in die Berge“, sagt die 50-Jährige.

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Genau aus diesem Grund fordert sie, dass die geplanten Waldarbeiten auf der anderen Mangfallseite nicht fortgesetzt werden und über Alternativen nachgedacht wird. Doch viel Hoffnung darauf, dass diese Forderungen erfüllt werden können, macht ihr Stephan Breit nicht.

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