Massenschlägerei zwischen zwei Familien in Rosenheim: Bewährungsstrafe für 20-Jährigen

Einer der Männer, die sich in der Wildbarrenstraße geprügelt haben sollen, wird von Einsatzkräften der Polizei am Tattag abgeführt.
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Einer der Männer, die sich in der Wildbarrenstraße geprügelt haben sollen, wird von Einsatzkräften der Polizei am Tattag abgeführt.

Es war ein Polizeieinsatz, der viel Aufsehen in Rosenheim erregt hatte: Mit Stöcken und Eisenstangen soll eine ganze Gruppe Männer im Juni 2019 an der Wildbarrenstraße aufeinander eingeprügelt haben. Einer der Beteiligten, ein 20-jähriger Rosenheimer, musste sich jetzt vor Gericht verantworten.

Von Christa Auer

Rosenheim – Das Jugendschöffengericht Rosenheim verurteilte jetzt einen 20-jährigen Schüler wegen gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung. Obendrauf gab es einem zwei wöchigen Dauerarrest, 80 Stunden gemeinnützige Arbeit sowie eine Geldbuße von 1500 Euro und ein Antiaggressionstraining.

Großaufgebot der Polizei

Für ihren Familienzwist hatten sich acht teils miteinander verwandte Männer gleich die große Bühne ausgesucht. Am 15. Juni 2019 lieferten sie sich in der Rosenheimer Wildbarrenstraße eine Massenschlägerei mit mehreren Verletzten, die zu einem Großaufgebot der Polizei führte.

Die Männer waren offensichtlich gut vorbereitet. Laut Zeugen gingen sie mit einer Eisenstange, Holzstöcken und einem Messer aufeinander los. Auslöser der Fehde war scheinbar, dass sich die Tochter der einen Familie mit dem Sohn der anderen Familie gegen den Willen der Familie privat getroffen haben.

Bereits am Vortag war es deshalb zu einer Auseinandersetzung gekommen. Dabei wurde jedoch niemand verletzt. Tags darauf hatten die verfeindeten Familienmitglieder dann anscheinend den gleichen Weg. Als drei von ihnen dann mit ihren Fahrzeugen an der Kreuzung Wildbarrenstraße/Enzensbergerstraße verkehrsbedingt anhalten mussten, kam es zum tätlichen Showdown.

Gemeinsam gefasster Tatplan?

Laut Anklage waren ihnen der Angeklagte und die anderweitig Verfolgten gefolgt. Nachdem die Fahrzeugkolonne angehalten habe, seien der Angeklagte und seine Familienmitglieder aus ihren Fahrzeugen ausgestiegen. Jeder habe ein Schlagwerkzeug in Form eines Baseballschlägers, eines Holzknüppels oder einer Metallstange mit sich geführt. Damit und mit ihren Fäusten sollen die Männer gemäß eines gemeinsam gefassten Tatplans, aufs heftigste auf ihre Kontrahenten eingeschlagen haben. Der Angeklagte soll zudem ein Messer dabei gehabt haben.

Bei der Schlägerei soll er einem Mann mindestens einmal mit dem Baseballschläger geschlagen und einem weiteren einen Fußtritt in den Bauch und einen Stoß mit dem Knie verpasst haben. Die Geschädigten zogen sich bei der Schlägerei Schürf- und Schnittverletzungen am ganzen Körper sowie Schürfwunden und blutende Kopfwunden zu.

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Für die Anklagevertretung war der heute 20-Jährige als Heranwachsender deshalb wegen einer gemeinschaftlich begangenen gefährlichen Körperverletzung in drei tateinheitlichen Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung sowie einem zwei wöchigen Jugendarrest, 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit und einer Geldbuße von 1500 Euro zu verurteilen.

Polizeibeamter als wichtiger Zeuge

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft war die Anklage weitgehend bestätigt. Wichtigster Zeuge war ein Polizeibeamter, der mit seinen Kindern auf dem Weg ins Schwimmbad mit seinem Pkw inmitten des Gefechts zum Stehen gekommen war und beherzt eingegriffen hatte. Er schilderte, dass die Männer, sofort nachdem die Autos stehen geblieben sind, noch vorne liefen und es zu einer Schlägerei gekommen sei. Dabei seien auch Baseballschläger und Eisenstangen zum Einsatz gekommen.

Als er das Messer gesehen habe, sei er ausgestiegen und dazwischen gegangen. Schließlich sei es ihm auch gelungen, die aggressive Situation zu deeskalieren. Zwischenzeitlich sei auch ein Großaufgebot an Polizeikräften eingetroffen.

Zeuge kann sich nicht an Messer erinnern

Der Zeuge konnte sich daran erinnern, dass der Angeklagte sehr aggressiv war. Ob er im Besitz des Messers war, konnte er aber nicht mehr mit Bestimmtheit sagen. Der Angeklagte bestritt den Tatvorwurf. Er gab an, dass man auf dem Weg gewesen sei, um den Streit beizulegen. An der Kreuzung sei man zufälligen aufeinander getroffen.

Die andere Familie habe den Streit angefangen und es sei es zu einer tätlichen Auseinandersetzung gekommen. Einer der Kontrahenten habe ein Messer dabei gehabt und damit wahllos auf seine Familie eingestochen. Als er gesehen habe, dass sein Vater verletzt sei, sei er ausgestiegen und habe ihn mit seinem T-Shirt verbunden.

Verteidigerin Susanne Schomandl zeigte sich darüber erstaunt, dass ihr Mandant und seine Familie angeklagt seien, obwohl nachweislich die andere Familie mit Schlagwerkzeugen und Messer ausgerüstet gewesen sei. Insgesamt gebe es sehr widersprüchliche Zeugenaussagen. Ihr Mandant sei aufgebracht gewesen, weil der Vater und der Onkel verletzt worden sind. Selbst sei er aber nicht am Tatgeschehen beteiligt gewesen und deshalb freizusprechen.

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Das Schöffengericht schloss sich in seinem Urteil der Forderung der Staatsanwaltschaft an. Es war davon überzeugt, dass die Gruppe nach vorne gestürmt sei und wohl mehr als eine friedliche Aussprache mit der Familie gesucht habe. Auch ohne konkrete Tat des Angeklagten würde der Beitrag für eine Verurteilung wegen Mittäterschaft reichen, sagte Richterin Verena Köstner.

Kein Zweifel an Tritt in den Bauch

Allerdings habe das Gericht keinen Zweifel daran, dass es von Seiten des Angeklagten zu dem Stoß mit dem Knie und den Tritt in den Bauch gekommen sei. Als Familie anderen aufzulauern – dahinter stecke geplantes Vorgehen und ein hohes Maß an krimineller Energie. Der Angeklagte habe vor Gericht keine Reue gezeigt und ein überhebliches Auftreten an den Tag gelegt. Das habe gezeigt, dass es eine grundlegende erzieherische Einwirkung brauche.

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