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Untersuchungsausschuss mit Deal befasst

Maskenaffäre: Bayerischer Landtag schickt Exemplare zum Überprüfen an Rosenheimer Institut

Der stellvertrende Prüfstellenleiter Michael Breckl-Stock testet eine Maske auf Durchlässigkeit.
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Der stellvertrende Prüfstellenleiter Michael Breckl-Stock testet eine Maske auf Durchlässigkeit.

Der bayerische Landtag hat die verbliebenen Masken aus den umstrittenen Deals zu Beginn der Corona-Pandemie zur Prüfung an ein Rosenheimer Institut geschickt. Diese Einrichtung hat mal klein in einem Keller angefangen – und um Masken ging es damals nicht.

Rosenheim – Die Masken sollen gleich fotografiert werden, wenn sie ankommen, und Jürgen Benitz darf nicht darüber sprechen. Die Sache ist schließlich recht heikel, denn es sind nicht irgendwelche Masken, sondern mit Steuergeldern bezahlte und dazu zu einem großen Teil minderwertig. Andrea Tandler, Tochter des ehemaligen CSU-Staatsministers Gerold Tandler, hatte den Deal eingefädelt und vom Lieferanten „Emix Trading“ eine Provision in Millionenhöhe bekommen. Inzwischen wird die Angelegenheit von einem Untersuchungsausschuss im bayerischen Landtag verhandelt.

Beginn im heimischen Keller

Besagte Masken liegen nun zur Prüfung in Rosenheim. Dabei sind politische Skandale weder das Metier des gelernten Holzingenieurs Benitz noch das seines Arbeitgebers, dem Institut für Fenstertechnik (ift). Die Expertise lag eigentlich nämlich eben bei Fenstern.

Als Rosenheimer kennt man das ift vor allem, daher, dass man an auf der Miesbacher Straße im Stau steht und beim Blick aus dem Fenster einen Neubau mit viel Glas und dem Logo des Instituts entdeckt. Dabei ist das ift einer der größeren Arbeitgeber in Rosenheim: 230 Mitarbeiter, die rund 22 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften. Dabei hat 1964 alles sehr klein angefangen. Professor Erich Seifert, Bauingenieur beim Vorläufer der Rosenheimer Fachhochschule, stellte seinen Keller zur Verfügung. Damals gab es noch nicht mal eine offizielles Institut, aber gearbeitet wurde dennoch schon. Auch neben dem Haus, dort im Garten des seifertschen Einfamilienhauses in Aisingerwies bei Rosenheim wurden bereits Fenster an einer extra gebauten Hütte geprüft.

Alles, was beweglich ist

Daher rührt auch der Name des ifts. Eigentlich ist das nämlich das Metier: Fenster und Türen auf Herz und Nieren, beziehungsweise Luft- und Schalldichte oder Brandschutz, zu prüfen.

Aber inzwischen ist das ift längst nicht mehr auf Keller und Gartenhäuschen beschränkt. Nach dem ersten Umzug in ein eigenes Haus nur ein paar Meter weiter folgten 1966 die Institutsgründung als Verein und diverse weitere Umzüge .Über Fenster und Türen ist das ift längst hinausgewachsen. Es wird quasi alles im Baubereich geprüft, „was beweglich ist“, erklärt Benitz – inklusive der Zuliefererprodukte bis zur kleinsten Schraube. Da hilft es, dass die Mitarbeiter über 50 Fachrichtungen im Bereich der Ingenieurwissenschaften abdecken.

Keine Mondforschung

Nicht nur deswegen arbeitet man eng mit der Rosenheimer Fachhochschule zusammen. Ausnahmslos alle Direktoren waren auch Professoren an der FH beziehungsweise deren Vorläufern. Forschung und Lehre sind beides Bestandteile des Instituts, das vor gut 20 Jahren das operative Geschäft in eine GmbH ausgelagert hat. Beide Bereiche – Lehre und Forschung – stehen mit beiden Beinen auf dem Boden. Auf Seiten der Lehre bietet das Institut vor allem berufsbegleitende Weiterbildungen an. Auf der anderen Seite sorgt die Praxis- und Branchennähe dafür, dass alle Forschung auch bald zum Einsatz kommen kann, wie Benitz festhält: „Wir betreiben keine Mondforschung.“

Bei erfolgreicher Prüfung bekommen dann Türen, Fenster, Lüftungen und Rollläden eine CE Kennzeichnung. Genau wie die FFP2 Masken. CE steht für „Conformité Européenne“ (Europäische Konformität) und ist in diesem Sinne kein Qualitätssiegel, sondern der Hersteller bestätigt damit, dass sein Produkt den Anforderungen der EU entspricht. Die Kennung fungiert damit quasi als Reisepass für alle möglichen Produkte innerhalb der EU. Auch für FFP2 Masken.

In sechs Wochen zum Prüflabor

Und diese werden unter anderem auf den Durchlass von Partikelfiltern getestet - genau wie Fenster. Im Sommer 2020 häuften sich dann die Anfragen, ob das ift auch Masken prüfe. „Das ist der Vorteil von kleineren Unternehmen: Jeder Mitarbeiter kann einfach mit einer Idee zum Geschäftsführer gehen“, erzählt Benitz. Und genau das hätten dann einige Mitarbeiter auch gemacht. Innerhalb von gerade mal sechs Wochen war man dann soweit und hatte ein erstes, vereinfachtes Prüflabor gebaut, das mittlerweile akkreditiert ist.

Dass die Masken bei Ankunft gleich fotografiert werden, hat den Hintergrund, dass der Untersuchausschuss des Landtags gleich wisse, „was an Masken tatsächlich noch da ist“, wie dessen Vorsitzender Winfried Bausback (CSU) erklärte. Schließlich war ein Großteil der Masken bereits im Umlauf. Wie lange die Prüfung nach der Norm DIN EN 13274-7 dauern wird, ist offen. Benitz kann dazu keine Angaben machen, Bausback hofft darauf, dass die Gutachten innerhalb von Monaten fertig sind.

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