Manege frei! In Rosenheim gibt es ab Freitag wieder Zirkusvorstellungen

Beim Füttern der Dromedare: Kimberley William führt den „Circus Alfons William“ gemeinsam mit ihrer Familie in der sechsten Generation.
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Beim Füttern der Dromedare: Kimberley William führt den „Circus Alfons William“ gemeinsam mit ihrer Familie in der sechsten Generation.
  • vonKilian Schroeder
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Vier Monate war Stillstand beim „Circus Alfons William“. Jetzt kann die Zirkusfamilie wieder gastieren. Am Freitag, 4. September, gehen die ersten Vorstellungen in Westerndorf los. Dabei müssen sie einige Corona-Einschränkungen hinnehmen – aber die Freude, wieder in der Manege zu stehen, überwiegt.

Rosenheim – „Wir haben uns oft gefragt, wann es wieder los geht“, sagt Kimberley William. Ihre Familie führt den Zirkus bereits in der sechsten Generation. Lange Zeit saßen sie in Buchlohe fest, wegen des Corona-Lockdowns konnte der Zirkus nicht mehr gastieren. Für eine Zirkusfamilie, die sonst durch ganz Deutschland und Österreich tourt, eine neue Erfahrung.

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Kosten sind weitergelaufen

Die normalerweise bestbesuchte Zeit der Saison sei kaputtgegangen. Auch die Kosten sind weitergelaufen. „Da wir ein Familienbetrieb sind, können wir das aber finanziell stemmen und mussten keine Angestellten entlassen.“

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Geholfen haben auch die Anwohner in Buchlohe, die für die rund 50 Tiere Heu und Futter gespendet hatten. In den Ställen rund um das Zelt stehen Dromedare, Kamele, Wasserbüffel und Zebus. „Wir haben in der Zeit für die Kinder auch einen kleinen Streichelzoo aufgebaut, da haben sich viele sehr gefreut“, sagt William.

25 Personen helfen beim Aufbau

Insgesamt 25 Personen arbeiten derzeit daran, das im Durchmesser 30 Meter große Zelt aufzubauen. Alle gehören zur Familie und stehen auch in der Manege. Kimberley William führt beispielsweise Luftakrobatik auf. „Das muss man immer wieder üben, sonst bekommt man Höhenangst“, sagt sie. „Aber die Zeit im Lockdown haben wir zum trainieren genutzt.“

Streichelzoo in der Pause

Seit sie laufen kann, steht sie auch in der Manege. Die Zuschauer dürfen in Westerndorf außerdem Feuerschlucker, Clowns und Tiernummern erwarten. In der Pause dürfen die Kinder die Tiere im Streichelzoo noch mal von nahem begutachten. Einige Nummern, in denen die Clowns mit den Zuschauern interagieren oder sie in die Manege holen, sind aber nicht möglich.

Nur Familien dürfen zusammensitzen

Wie so vieles fallen sie den Corona-Einschränkungen zum Opfer. Für die Zuschauer stehen Desinfektionsmittelspender bereit, die Plätze sind in ausreichenden Sicherheitsabstand. Nur Familien dürfen zusammen sitzen. Auch Mund-Nasen-Masken müssen die Zuschauer tragen wenn sie nicht am Platz sitzen. „Wir müssen jetzt das Beste aus der Situation machen“, sagt William.

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. „Normalerweise hätten im Zelt 900 Menschen Platz, jetzt sind es natürlich viel weniger. Aber trotzdem ist es schön, wieder anzufangen.“ Die wieder steigenden Infektionszahlen beobachtet sie mit Sorge. „Aber bisher hat alles geklappt.“

Viele positive Rückmeldungen

Auf ihren bisherigen Stops nach dem Lockdown hätte man auch den Zuschauern die Freude angemerkt. „Viele Familien konnten nichts mehr unternehmen, jetzt sind sie froh wieder mal etwas Zirkusluft zu schnuppern“, sagt William. Die Rückmeldungen seien bisher immer positiv gewesen. „Und man macht es ja für die Leute“, sagt die Luftakrobatin.

Täglich zwei Aufführungen

Ab Freitag, 4. September, startet der „Circus Alfons William“ in Westerndorf in die Vorstellungen. Täglich sind zwei Aufführungen um 11 und 16 Uhr geplant. Ausnahme ist der letzte Sonntag, 13. September, an dem nur eine Aufführung um 11 Uhr stattfindet. Sonntags ist außerdem Familientag. Damit die Zirkusfamilie einschätzen kann, wie viele die Vorstellung besuchen, können sich Zuschauer unter der Nummer 0170/9512996 Karten reservieren.

Das sagt Ralf Huppertz, Vorsitzender des Verbands deutscher Zirkusunternehmen: „Viele Zirkusse können derzeit nicht gastieren, und wenn können sie nur circa 30 Prozent an Publikum reinlassen - wenn es die Stadt überhaupt zulässt. Wir können das derzeit keinem Zirkusunternehmen empfehlen. Die meisten Zirkusse können die Kosten nicht wieder einspielen. Am ehesten noch die kleinen Familienbetriebe, aber die großen Zirkusse nicht.

Während des Lockdowns saßen auch viele in irgendwelchen Städten fest, da habe ich aus ganz Deutschland gehört, dass die Bevölkerung sehr geholfen hat. Bis jetzt ist auch keine Verbesserung in Sicht, alle großen Weihnachtszirkusse haben abgesagt. Jetzt hoffen wir eben auf die nächste Saison.“

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