TAGUNG IN ROSENHEIM ZUM EUROPÄISCHEN TAG GEGEN MENSCHENHANDEL

„Männersache Frauenhandel“ – Freier im Blickpunkt

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Rosenheim gilt als Rotlicht-Hochburg in der Region zwischen München und Salzburg. Denn als Stadt mit über 50000 Einwohnern muss die Kommune Bordelle hinnehmen. Eine Tagung widmet sich am Dienstag, 18. Oktober, unter anderem der Prostitutionsszene in der Stadt.

Rosenheim – Der Fall des Bordells, das über der evangelischen Freikirche im Aicherpark eröffnen wollte, offenbarte im vergangenen Jahr das Dilemma der Stadt besonders deutlich: Sie kann – rein rechtlich gesehen – Bordelle in Gewerbegebieten kaum verhindern. Erst der Verwaltungsgerichtshof stoppte das Vorhaben.

Doch auch die Wohnungsprostitution bereitet seit Jahren Sorgen. Immer wieder beschweren sich Mieter über Wohnungsnachbarinnen, die hier dem horizontalen Gewerbe nachgehen.

Sperrbezirke, die per Verordnung eingerichtet werden können, sind auch keine Lösung. Denn sie führen erfahrungsgemäß zu einer Konzentration der Bordelle. Die Kommune ist stattdessen bemüht, die Betriebe großflächig über die Stadt zu verteilen, sie vor allem aus der Innenstadt herauszudrängen. Die Rotlicht-Szene befindet sich außerdem ständig in Bewegungen: Terminwohnungen öffnen und schließen – ebenso wie Bordelle. Nur ein Haus in der Innstraße hat in Rosenheim bereits „Tradition“.

Die aktuelle Situation der Freier- und Prostitutionsszene in der Stadt analysiert bei der Tagung die Kriminalpolizei Rosenheim. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer gibt eine Stellungnahme aus Sicht der Stadt ab.

Die Tagung widmet sich vor allem dem Aspekt des Frauenhandels. Hunderttausende Mädchen und junge Frauen werden jährlich zu Opfern der Sexindustrie: Skrupellose Menschenhändler locken sie mit falschen Jobversprechungen. „Die Rolle, die Männer als Freier beim Frauenhandel spielen, wird kaum thematisiert, obwohl erst durch ihr Handeln der Markt für diese Ausbeutung und Gewalt geschaffen wird“, betonen die Veranstalter, das Aktionsbündnis gegen Frauenhandel, die Solidaritätsaktion Renovabis und die Hanns-Seidel-Stiftung. „Männersache Frauenhandel – Freier im Blickpunkt“, haben sie die Tagung am Dienstag, 18. Oktober, in Rosenheim betitelt.

Was sind die aktuellen Entwicklungen in der Prostitutions- und Freier-Szene? Wie gehen Männerorganisationen mit dem Themenkomplex um? Was kann von anderen Ländern bezüglich der Prostitutionspolitik gelernt werden? Was bringt ein Gesetz zur Freierbestrafung? Welche Präventionsmaßnahmen zeigen Wirkung? Diese Fragen sollen beantwortet werden.

Der 18. Oktober ist der Europäische Tag gegen Menschenhandel. Anmeldungen zur Tagung in Rosenheim werden unter Telefon 0 89/ 12 58-2 15 entgegengenommen, Informationen gibt es auf den Internetseiten der Veranstalter www.gegenfrauenhandel.de, www.renovabis.de, www.hss.de. duc

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